HD Schellnack /// Kontakt Twitter iPhoto pointandshoot Typographie Alternative Pop Licht nodesign Aktionen Zitat Natur Photographie Denken Fail ScienceFiction Apple Studium Belletristik Comics Dayshot Vernacular Scratchbook Werbung Fragen Winter Software Medien Fun Retro Gesellschaft Farbe Print Electronic Magazine iOS Zukunft Web Drama Frühling Jazz Sommer Kitsch Kunst Sachbuch Hardware Fantasy Klassik Herbst Thriller Emma

Slanted 11

hd schellnack

So spät wie ich diese Ausgabe vorstelle, ist die nächste wahrscheinlich schon fast da – sie kam leider erst recht spät hier an und wir sind derzeit auch recht busy.
Dennoch nachgereicht ein paar Worte zum Slanted-Magazin, dass ja langsam aber sicher zu einer großen Erfolgsstory wird, vom Blog zum Selfmade-Magazin in einer Art feinerem Copy-Printing, zur regelmäßigen Publikation mit gemischten Papiersorten und Plakat-Umschlägen, die inzwischen auch in ausgewählten Magazinhandlungen zu kriegen ist und mit Typo-Lyrics eine Art Buchableger generiert hat.

hd schellnack

Die elfte Slanted bringt nun eine Art Umbruch, der vielleicht an der Zeit war. Die Slanted hat sich nie fragen müssen, wofür sie eigentlich da ist – das Magazin ist in seiner Fokussierung auf den typographischen Aspekt von Design in Deutschland recht einzigartig und stellt Schriften zudem so eigenwillig nicht nur als Fonts, sondern auch in ihrer Anwendung und mit Themenschwerpunkten vor, dass es vielleicht auch nie nötig war, sich nach raisons d’être zu fragen. Mit dem Erfolg ist die Slanted aber nun vielleicht mehr als nur ein Image/Spaßprojekt von Magma, vielleicht hat man nach zehn Ausgaben aber auch einfach nur Lust auf Veränderung – jedenfalls haben Lars Harmsen, Julia Kahl, Flo Goertner und der Rest des Slanted-Teams ihren Focus erneut verschoben und herausgekommen ist etwas, was nicht mehr Richtig Magazin sein kann, sondern zu einer Form von Austellung in Papierform mutiert, die rund um eine Form von Schriftausdruck zu mutieren scheint. Slanted ist ein Zettelkasten, ein Blackboard, eine Zeitschrift, die man zunehmend weniger liest und mehr sieht, ertastet, die den Betrachter auf den ersten 114 Seiten mit einer Bilderflut allein lässt und erst dann in einer Art ausgedehnten Kolophon die Texte nachliefert, als Endnoten sozusagen, als Untertitel zu den Bildwelten. Dieser Remix-Ansatz, der Inhalte ineinanderschiebt, überlagert und der dem modernen Flair fürs Anitästhetische im Design fröhnt, ist so erfrischend wie auch ermüdend. Er hebelt die Linearität des Magazins komplett aus, findet eine fast an die Ray-Gun-Zeiten erinnernde Dreistigkeit, diese wohltuende «Yeah, fuck YOU»-Haltung, die einem Designmagazin einfach auch guttun kann und die neben den größeren Designmagazinen, die stets funktional-journalistisch, eine eigene Nische für die Slanted generiert, eine Abhebung von Form, Novum, Page et al – und zugleich noch einen Unterschied zu den endlosen, namenlosen kleineren Design-Fanzines dokumentiert, die immer versuchen, wie Magazine auszusehen… die Botschaft ist: Wir können aussehen wie wir wollen, wir können machen, was wir wollen, wir sind so frei. Das ist natürlich auch eine narzisstische, vielleicht sogar egoistische Haltung, den Leser so auszusperren, solche Hürden aufzustellen, so dekonstruktiv und studentisch und essayistisch, vielleicht sogar poetisch arbeiten zu wollen – und man merkt dem Magazin fast an, wie sehr die eher informativen, Schrift rein vorstellenden Seiten und erst recht die Anzeigen dieses Konzept belasten – aber so viel Spaß sollte man sich an seiner eigenen Publikation andererseits auch leisten dürfen.

hd schellnack

Die Slanted widmet sich dem Thema «Typewriter» und Monospaced Typography enorm vielseitig, so schillernd und ausufernd, als habe man eine Mischung aus Diplomarbeit und Drogenparty in der Hand. Wie das so ist, wenn man in Schwung ist, geht auch mal ein bisschen die Sau mit einem durch und das Heft wird ein bisschen zu Manifest-artig, kriegt diese weltverbessernde Pop-Ernsthaftigkeit, die sich in ffffound und Konsorten, aber eben auch in vielen Diplomen dann in flott gesetzten vierzeitligen Sprüchen niederschlägt – Design als Soundbites. Vielleicht darf man da nicht fragen, was auf einmal Photographien von Atomwaffen oder aus dem Irak in diesem Kontext machen, it’s all Rock’n'Roll, Baby. Aber tatsächlich rettet diese etwas punkige Attitude die Slanted davor, langweilig zu werden. Du gehst halt durch eine Ausstellung, und manche Arbeiten sind wahnsinnig gut, manche so lala, manche eben scheiße, aber die Ausstellung an sich hat ja Spaß gemacht und der Kaffee war gut. Dass die Slanted hier gefährlich nahe dran ist, zum Lookbook zu werden und nahezu textfrei daherzukommen, sich insofern der «vorn» annähert und das ausgerechnet in einem Heft, dass der SCHREIBmaschine verpflichtet ist, ist insofern ein seltsamer Eindruck, als dass faktisch recht viel Text im Heft ist – er scheint nur nahtlos in die Bildebene verstrickt, muss herausgekämpft werden und gern ist er einfach auch mal Gaga, nahe am Blindtext fungierend. Und die eben doch Interviews mit Yeves Peters oder Moiré liefert oder im Durchsehen eine Inspiration für eine Schrift, die man unbedingt mal kaufen sollte.

hd schellnack

Die Slanted wird so zu einer einzigartigen Mischform aus Fontbuch, Magazin, Kunstplattform, einer Melange, die man mögen kann oder nicht, die in genau dieser Mischung einzigartig und faszinierend ist und der man durchaus anmerkt, dass sie auch kreatives Ventil für die normale Agenturarbeit sein kann. Die Slanted ist in den Händen ihrer kleinen Crew ein seltsames Lebewesen geworden, die sich verändert, mutiert, iteriert und aufwächst, die alles über Bord wirft und neu anfängt, bevor sie langweilig werden könnte. Und genau so darf es hoffentlich noch lange bleiben…

hd schellnack

Mehr Bilder von der Slanted 11:

hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack

hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack

19. Oktober 2010 18:03 Uhr. Kategorie Design. Tag , .
Eine Antwort.

«
»

1 Antwort

Antworten

Schreibe eine Antwort, oder hinterlasse einen Trackback von deiner Site. Antworten abonnieren.


Creative Commons Licence