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SKANDAL IM SPERRBEZIRK

Kaum ist die Regisseurin Karin Beier beim Schauspiel Köln als neue Intendantin eingestiegen, hat sie schon den ersten Skandal. Aber nicht wegen dem, was auf der Bühne passiert, sondern wegen eines von Velvet gestalteten Stückplakates. Das Plakat zeigt die bei Velvet eher übliche – und stets wunderbare – Mischung aus skurrillem Bildmotiv und schlichter Typographie, wie auch schon beim Theater Freiburg. Das an sich ästhetisch einwandfreie, vom Inhalt her aber doch eher harmlos anmutende Motiv stieß allerdings auf Protest: Der Kölner Kulturdezernent Quander empfand es als «gewaltverherrlichend». Und als Beier dennoch auf dem Plakatmotiv bestand – richtigerweise hinter ihrer Crew stehend – wurde ihr kurzerhand das Plakatieren verboten, woraufhin das Kölner Schauspielhaus einfach Guerilla-Plakate hing, an Bauzäunen, bei denen die anstössige Tüte über dem Kopf des Modells entweder entfernt oder überklebt wurd – mit einem «Was steckt dahinter»-Sticker.

Es ist schön zu sehen, dass es ein Theater mit Mut zum Skandal gibt, zu verwirrenden, absurdistischen Plakaten, die – obwohl die Motive eher freischwebend, assoziativ wirken – anscheinend bei den Betrachtern eine Wirkung hervorrufen, und sei es nur ein Unwohlsein. Es ist gut, dass Theater diese Wirkung hat. Es ist allerdings heute zu Tage etwas seltsam, ein Plakat verbieten zu wollen. Abgesehen von dem Aspekt der Zensur, darf ein Plakat für ein Stück wie Hebbels Nibelungen einfach auch brutal sein. Gewalt und Folter sind akute soziale Themen, die selbstverständlich auf den Theaterbühnen – ergo auch auf den Printmedien – ihr Recht fordern. Ich erinnere mich, wie uns das Bielefelder Theater für einen Monatsplan bat, von der sehr schönen Bielefelder Inszenierung von Elektra auf dem Cover ein möglichst braves Motiv zu verwenden… etwas schwierig, denn auf fast jedem Motiv hielt einer der Darsteller eine Uzi in der Hand, oder misshandelte einen der anderen Schauspieler. Ich fand immer schade, dass man den visuellen Mut der Aufführung nicht in die Printmedien gezogen hat – und freue mich umso mehr, wenn Köln hier ein medientauglicher kleiner Skandal gelingt, der die Aufmerksamkeit auf Karin Beiers hervorragendes Programm lenkt. Viele Kölner sind notorisch gegen ein modernes, mutiges Theater eingestellt… ich hoffe, Karin Beier und ihr Team geben diesem Druck keine Sekunde nach.

Das Design von Velvet für Köln ist – vielleicht mit Ausnahme des überladenen Logos und der allzu zeitgeistigen Diagonalstriche ;-) – ein Traum. Schlicht, klar ehrlich, zeitgemäß, konzeptionell aufgeladen. Da ist sehr, sehr viel richtig. In Zeiten, in denen viele Theater wirklich schlechtes Design fahren, und inhaltlich damit zufrieden sind, Darsteller und/oder Haus zu zeigen, ein absoluter echter Lichtblick.

11. Oktober 2007 17:46 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

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