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SICHTWERK

Auch wenn wir uns am Ende leider etwas aus den Augen verloren haben und ich nur mit einer kleinen (aber feinen) Handvoll von Leuten im Café saß… Die Exkursion zu Sichtwerk hat sich auf jeden Fall gelohnt. Zum einen weil die reine Flut von Eindrücken sehr beeindruckend ist. Insbesondere sind mir die Arbeiten der freien Kunst(pädagogik) und der Industriedesigner haften geblieben, jene weil sie wirklich smart und beeindruckend und absolut ausstellungsreif waren, diese, weil die mit perfekten Model-Entwürfen und hochprofessionell auftraten. Von Autos für morgen bis hin zu Bestecken im Stil von Stardesignern, von großartiger Videokunst bis zu vertrackten Installationen – diese beiden Bereiche waren absolut inspirierend. Auch Photographie und einige der gezeigten Buchprojekte der Designer fand ich prima , dito das vielleicht etwas an Carson entlangschrappende Bochumer-Videofestival-Magazin, das aber ein wunderbar sparsames, professionelles Layout aufwies. Die mit einem bemerkenswerten Gratisbuch und einem pragmatischen Orientierungssinn tatsächlich wie eine wunderbare Ausstellung aufgezogene Leistungsshow der Essener Designer überzeugt größtenteils – und Durchhänger muss es in diesem Wust von Arbeiten unweigerlich geben, vielleicht weil man selbst irgendwann müde Augen hat. Beneidenswert, nur am Rande, ist die Ausstattung der Essener Uni, die von der Bleisatzmaschine bis zur eigenen Buchbinderei alles zu bieten hat, was das Oldschool-Designerherz höher schlagen lässt. Sehr schön, wie auch die ausgestellten lithographischen Arbeiten. Wie das so ist als Computerkind-Designer: Ich liebe alles, was handgemacht ist.

Wenn man eine negative Sache ansprechen mag, und die hat weniger mit Sichtwerk per se zu tun, vielmehr vielleicht mit dem Zustand von Design an sich: Es gab keine (oder doch kaum) Überraschungen. Alles sah so aus, wie es eben aussieht. Die Designer bewegen sich zwischen braver Anwendung und kreativem Experiment, die Photographen arbeiten sich an Themen und Techniken ab, die Industriedesigner präsentieren sich wie Architekturbüros und Produktdesigner nun mal auftreten, nüchtern-Aicheresk bis runter zur Rotis und der graugelben Farbgebung. In all dem Meer von Arbeiten, in all den schönen Einzelleistungen merkst du auf einmal, das wir als «Branche» etwas auf der Stelle stehen, dass die Studenten nicht nach vorne gehen… wir alle treten Wasser. Ich sehe selbst bei der ja ebenfalls anschwellenden Flut professioneller Arbeiten immer weniger, was WOW sagt (und da schließe ich eigene Arbeiten gerne mit ein), aber bei Studenten wäre es doch schön, wenn die böser, wilder, härter, schneller wären. Wie in so vielen anderen kreativen Bereichen sieht derzeit alles etwas vertraut aus, gemütlich, nichts, was schockiert oder wehtut, herausfordert oder eine neue Grenze erreicht. Von solider Typographie-Übung bis designeriger Selbstbespiegelung, vom gutgemeinten urbanen Ökoauto bis zur schwarzweißen geschmackvollen Nude-Photographie, von der photorealistischen Skizze bis zum Nonsense-Kunstwerk… es war wenig dabei, was einen einfach ganz neu und unerwartet wirklich trifft. Man sagt eher: Oha, das sieht nach Mutabor-meets-Strichpunkt aus, und das da erinnert mich an … und so weiter. Design wird zur Echokammer. Das ist immer so gewesen und weitestgehend auch als evolutionärer Prozess okay… aber ich persönlich würde gerne einfach mal etwas sehen, was nicht deja vu ist. Was man vielleicht nicht erwarten kann und darf, was insofern keinerlei Kritik an den einzelnen, Phantasie- und liebevollen Projekten ist – aber es wäre eben doch klasse gewesen, dieses Polyphonic-Spree-Feeling, wenn einem etwas komplett Neues vor die Augen kommt. Vielleicht gibt es das komplett neue aber auch nicht – selbst 90s ShockDesigner Carson hat seine Wurzeln in Weingart, Dada und vor allem der Cranbrook Academy. Vielleicht denke ich zuviel nach.

Vielleicht ist auch einfach alles wichtige schon gesagt, steckt das Kommunikationsdesign in der Sackgasse. Vielleicht ist das ganze Ding mit Werbung/Editorial/Corporate einfach durch, nur noch Restbewegung aus dem eigentlichen Schwung der 60er und später der 80er. Vielleicht sollte man sich als Designer heute eher mit Nanobots und Gentechnologie beschäftigen, mit Programmierung. Mit DESIGN also, nicht mit Anwendung. Und zugleich kann die so befreite Design-Kultur sich von Otl Aichers Sachlichkeitskrücken lösen und selbst zu einer Form zeitgenössischer grafischer Kunst werden. Sagmeister zeigt ja längst, wo es langgeht und hat sich erfolgreich vom Designer zum Künstler gewandelt.

Wie gesagt, das alles hat nichts mit der Sichtwerk-Ausstellung zu tun, sondern ist eher abstrakte Grübelei über Design an sich. Schaut euch unbedingt die Ausstellung, die Samstag und Sonntag in der Uni Essen noch läuft.

Nach dem Break gibts Bilder, von Sarah und ich hoffe, es kommt noch einiges von den anderen Studenten…















Die Bilder von Anna:
















































Und jede Menge Bilder von Yvonne…








































































































































































































20. Oktober 2007 17:18 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

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