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SCOTT MATTHEW

Scott Matthew ist schon rein optisch der Inbegriff des Bohéme, des Künstlers. Und die Musik des geborenen Australiers ist entsprechend: kompromißlos, zeitlos, groß. Trügerisch einfache Kompositionen, simpel instrumentiert, fast kammerspielartig, leicht und elegant und trotzdem schwerblütig, dramatisch. Die Arrangements wirken retro, ein Rückgriff in prä-digitale Zeiten, immer mit acht Zehen im Folk-Becken, immer gerettet durch die unglaubliche Stimme des Singer/Songwriters. Denn es ist Matthews unglaubliche Stimme, die mehr als ein wenig an den jungen Bowie erinnert, die die Songs in ein seltsames Limbo zerrt, in dem eine düster glühende Traurigkeit herrscht, ein permanenter Herbst mit rotgoldenen Farben, im Wind wehenden Blättern – und ständigem Trennungsschmerz. Matthews Debut wirkt wie eine Platte, die aus den frühen Siebzigern zu uns kommt, wie eine vergessene Unplugged-Platte von David Bowie, mit reifem Understatement produziert – etwas Piano, Streicher, Gitarre, dezente Bläser, mal eine Ukulele – und stimmlich, in der Art, wie Matthews introvertiert, androgyn-verführerisch in sein Mikrophon flüstert und haucht, überzeugend persönlich und authentisch geraten, Klangkurve gewordene Melancholie. Aber bei aller Weinerlichkeit, blitzt da immer wieder ein Hauch Humor, eine Ironie durch, eine Lässigkeit, die einnehmend alle Vergleiche mit Bowie, Morrissey oder Hegarty beiseite wischen – die Platte hat Pathos, aber sie hat auch Distanz, sie biedert sich in ihrer traurigen Schönheit nicht an, du darfst Matthews Gefühle erleben, aber er will dich nicht einwickeln und springt statt dessen etwa in Upside Down in sympathisch verschwurbelte Chorpassagen, die das romantische Flair eines Songs plötzlich auflösen und kippen. Matthew ist eine Klasse für sich – und sein Debut die Sorte Platte, die andere Musiker erst als Spätwerk produzieren. Es ist eine warme Platte, die so ausgezeichnet in das emotionale Lebensgefühl der seelenwunden Neon-Generation passt, dass an sich schon fast wieder vor ihr hüten muss, weil sie wahrscheinlich mehr als Potential zur Konsensmusik hat. Die emotionale Bandbreite von Matthews Stimme und die zeitlose Qualität des Debüts machen diesen Verdacht der zeitgeistigkeit aber irgendwie weg – auch wenn es erschreckend ist, wie sehr eine so alt klingende Platte zur Zeit passen will. Unbedingt kaufen!

13. Juni 2008 09:46 Uhr. Kategorie Musik. Eine Antwort.

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