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SCHNEIDERBUCH

Neuer Kunde bei uns ist der Schneider-Verlag, der zu VGS/Egmont gehört. Da ich als Kind selbst begeisterter Schneiderbuch-Leser war (Nein, nicht Hanni und Nanni, aber Schloß Schreckenstein, außerdem die Proto-SF-Bücher Giganto und Monitor) freut es besonders, wenn man die Chance hat, so einem Verlag ein kleines bichen zurückzugeben. Ich glaube, Schneider schließt als transientes Medium eine effektive Lücke im Lesealter zwischen Comic und Buch und kann sicher – auch durch die serialisierte Form der Stories, die eine stärkere Bindung erzeugt, aber auch durch Ansätze zu aktivierenden, interagierenden Add-ons und Inhalten – tatsächlich als eine Art Sprungbrett für Leseanfänger gesehen werden, einen soliden Einstieg ins Lesen. Bei mir hats funktioniert. Alle Versuche meines Großvaters, mich von den Comics wegzulocken, fruchteten nichts (auch unwahrscheinlich mit dicken Ben-Hur und Karl-May-Büchern), aber Ulricis Bücher, die recht stellvertretend für die etwas Enid-Blyton-artige Serienkonzeption von Schneider ist, haben den Sprung niedrigschwellig möglich gemacht. Nach Ulrici folgten über ein paar Zwischenstufen die Klassiker der SF, Belletristik, soziopsychologische Sachbücher (zu denen kommst du via SF der 70er fast automatisch). Der Mix zwischen Batman und Baudrillard, Superman und Schopenhauer, ist insofern bis heute Alltag für mich. (Kein Scheiß, ich lese gerade simultan die wunderbar naiven Superman-Stories von 1950/60 und Richard Sennets grandioses Flesh&Stone, mehr Simultaneität von U und E gibts kaum). Zwischen den Williams- und Ehepacomics der 70er und Friedel Nietzsche war bei mir also Schloß Schreckenstein (neben u.a. auch Butler Parker und Jerry Cotton :-D) ein wichtiger Sozialisationsfaktor.

Ungewöhnlich ist der Job für uns weniger wegen dem Kinder- /Jugendsetting, da sind wir mit SchmitzJunior ja ganz erfolgreich unterwegs,, sondern vielmehr, weil wir hierbei seit längerer Zeit erstmal wieder kein generelles Change Management fahren (da Firmenlogo und Buchcover usw. natürlich vorgegeben sind) sondern nur eine modulare Werbemaßnahme in einem größeren präfabrizierten Markenkonzept fahren. Aus dieser Position heraus wird es ungewohnt (und insofern sehr spannend) sein, inwieweit man bestimmte Ideen stimmig durch- und umsetzen kann und ob man aus dieser kleinen Position heraus vielleicht katalysatorisch ein paar lustige Sachen in Gang gesetzt bekommt. Obwohl wir eine sehr konkrete Werbeaktion für zwei Buchreihen machen, hoffe ich nach dem exzellenten Vorgespräch, daß man hier auch genereller vielleicht so etwas wie ein neues Selbstvertrauen von Schneider etablieren kann. Die Tatsache, daß Schneider-Bücher eben keine pädagoisch wertvolle «hohe» Literatur zu sein versuchen, sondern als Serial Fiction die Tweens da abholen, wo sie tatsächlich sind und ihnen auf Augenhöhe begegnen, daß die Bücher also eher Spielzeug als Belletristik, Eskapismus statt Zeigefinger bieten, halte ich dabei nicht für einen Nachtteil, sondern für einen unserer besten Pfeile im Köcher. Weil die Bücher eben funktionieren.

17. Oktober 2005 23:42 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.

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