
Gestern war ich kurz auf der Diplomschau der FH Dortmund. Leider ohne so richtig Zeit, mich in die Sachen zu vertiefen – was bei 80 gezeigten Abschlussarbeiten (Diplom und Bachelor) auch völlig unmöglich war, zumal die Komplexität der Abschlüsse teilweise enorm ist. In die harte Kreativität eines halben oder ganzen Jahres, die sich in multimedialen Installationen, dicken Büchern, vertiefenswerten Photos und Illustrationen niederschlägt, kann man nicht in einer Viertelstunde, einer halben Stunde eintauchen. Und – schrecklicherweise – auf Erklärungen des Absolventen und hermeneutische Hilfestellung durch den Dschungel der Referenzen jeder einzelnen Arbeit hat man bei 80 Studenten eigentlich auch keine Lust. Und so führen Abschluß-Zeigungen heute eine seltsame Krux des Designs vor, indem sie einerseits zeigen, wie wenig der Arbeiten sozial sind, sofort verständlich, einfach, klar zugänglich und wie viele an der Grenze der Kunst laborieren, für die gute Note noch mehr beeindrucken müssen, spektakulärer, andersartiger sein wollen, und wie das in der Masse dann oft langweilend und verkopft wirken kann (in der Masse – die einzelne Arbeit für sich ist meist toll). Design wird so selbstreferentiell – und wenn man sich die Plakate ansieht, die in und an der Uni hängen, wird schnell deutlich, dass die Designer nur noch dann zeigen können, was sie wollen, wenn sie für sich selbst und Gleichgesinnte arbeiten, weil nur diese ihren Stil noch begreifen… und das ist eine bedrohliche Tendenz. Andererseits wird schon in diesem Mikrokosmos klar, dass wir eine gesunde Grenze in der Ausbildung überschritten haben – es gibt schon hier zu viele Arbeiten, um sie erfassen, gewichten, vergleichen, kennenlernen zu mögen. Wenn wir über die Übersättigung des Designmarktes sprechen, hier wird sie greifbar, hier greift sie sogar tatsächlich an – die Flut guten Designs wird geballt zur Attacke, der man am Ende durchaus auch entkommen möchte, aus dem Vakuum gutgestalteter Egozentrik zurück in die Welt häßlicher Plakate und Flyer, die aber wenigstens aus realem Auftrag kommen.
Wie gesagt, die einzelnen Arbeiten sind oft gut und sehr gut – würde man nur die besten zehn Arbeiten sehen, man wäre wahrscheinlich begeistert -, und wie im Vorjahr zeigt sich eine zwar sehr durchwachsene Qualität, die aber am oberen Ende, sofern sie nicht endlos Mario Lombardo kopiert, viel viel besser ist als die FH noch vor fünf Jahren war und die ein unglaubliches Potential zeigt. Es ist die schiere Masse, die dich erdrückt – das Zuviel an Bildern, Büchern, Gewolltem und Gutgemeinten. Und natürlich die Frage, was diese 80 (!!!) Absolventen eigentlich am Kreativmarkt machen werden. Laß es nur 30 oder 40 Designer sein, oder 20 Photographen… wo kommen die Aufträge dafür her? Und das ist nur eine FH, während drumherum in Essen, Wuppertal, Krefeld, Münster, Düsseldorf, Bielefeld etc. in ganz NRW mit der Umsetzung von Bologna und dem hohen Aufnahmedruck des Landes (der mit der ansonsten etwas populistisch-kurzsichtigen Abschaffung von Studiengebühren vielleicht wieder zurückgeht) ganz ähnliche Zahlen emergieren. Dass Designer ein neues Lumpenproletariat werden, Freelancer und Büros in einen selbstzerfleischenden Wettbewerb geschleudert sind, wird beim Gang durch die so herrlich bürokratischen und zugleich verrockten Gänge von Dortmund absolut greifbar – es ist, als würdest du als Auftraggeber plötzlich einen Pitch mit 50 Büros haben. Mein Mitleid gilt den Dozenten, die sich durch diese Flut voranschwimmen müssen und anders als die Kollegen in Jura und BWL nicht ein Fach haben, in dem klare Tests, hartes Absägen und nücherne Wissensorientiertheit als Werkzeuge zur Benotung zur Verfügung stehen, sondern eigentlich der individuelle Diskurs, die kleine Gruppe, das persönliche Vermitteln von Handwerk und Vision und einer ganz erschreckend vielseitigen Kulturleistung im Vordergrund stehen müssen.
In Wuppertal ließ Andreas Uebele, selbst Professor in Düsseldorf, keinen Zweifel daran aufkommen, dass seiner Meinung nach zu viele (und zum Teil wohl auch nicht immer die bestqualifizierten) Studenten Design studieren und es ging ein Raunen durch den Raum einer Fachhochschule, deren Designbereich gerade geschlossen wird. Aber generell hat er unbedingt recht… nicht einmal nur, weil am Ende zu viele Leute mit zu leicht verdienten 1,3er BAs durch den Markt gehen, sondern vor allem, weil niemand sich die Mühe macht, den Studenten zu erklären, dass sie in eine möglicherweise prekäre Berufssituation hineinstudieren. Es ist stets die Krux des scheinbar im späteren Leben Erfolg versprechenden Studiums, dass es durch die eigene Beliebtheit dann irgendwann so überlaufen ist, dass der versprochene Erfolg für viele Studenten ausbleiben wird. Dieses universale Glücksversprechen eines verworrenen und weichgespülten Bildungssystems, in dem der Staat allen Eltern das perfekte Glück für ihre Kinder versprechen will – möglichst jeder kann Abitur machen, möglichst jeder kann studieren, möglichst jeder kann Kanzler werden – ist an sich wunderbar, nur leider ist es nicht gerecht, weil es immer schon gelogen war. Es gibt in jeder Branche Effekte von Mangel und Überflutung, von Angebot und Nachfrage… und wenn das Bildungssystem nicht sorgfältig auf solche Tendenzen reagiert, wenn es so gar kein Konzept dahinter gibt, was wer wie wo studiert oder studieren kann, wenn anything goes die Maxime ist und wenn Unterschiede im Können durch eine zunehmend egalitäre Notenvergabe ausgeschliffen werden, dann greifen eben andere Mechanismen, die leider viel härter sind, später im Leben kommen und die in ihrer Gnadenlosigkeit viel ungerechter sind als eine frühe pädagogisch ernsthafte Härte. Nur kann dem Staat es dann eben etwas egal sein, denn den Rest regelt der böse Arbeitsmarkt, und für den kannst du als Politiker nichts, du kannst die Opfer dann mit Sozialleistungen abfedern – und die sind dann perfiderweise im Haushalt höher, viel höher, als die Bildungsausgaben. Nur – sinnvoller wäre es eben anders herum.
Und so gehst du in Dortmund an teilweise ausgezeichneten Arbeiten vorbei, bist traurig, in der Flut keine Zeit für das Einzelne zu haben, durch die Masse innerlich unruhig zu werden und nur kursorisch hier zu blättern und dort zu schauen, weil es so ist, als würden in einem Plattenladen fünfzig Alben gleichzeitig laufen. Das Zuviel, an dem die Gesellschaft ja insgesamt leidet, wird hier erstickend deutlich. Und wo es einerseits enorm Freude bereitet und Stolz macht, dass so viele junge Menschen so kreativ auf die Reise gehen, sich entdecken und testen und finden, wo es toll ist, wie jeder individuell sein Ding macht… so zynisch wird man in der Gesamtschau, wenn man sich betrachtet, wie in der Design-, Photo-, Architektur- und Filmbranche gerade Aufträge vergeben werden und wie schon die bestehende Struktur kaum noch ernsthaft aufrechterhalten werden kann. Und gerade da wirst du traurig, wegen des Missverhältnises zwischen den guten Arbeiten und den tollen Leuten hier, die mit Herzblut und Energie bei der Sache sind, und der harten Realität, die diese Leute zwingt, sich härter und schneller zu prostituieren oder unter Wert zu verkaufen, als gesund ist. Ich jedenfalls drücke den Absolventen, die hier teilweise großartige Arbeiten gezeigt habe, beide Daumen…
So, genug geredet, her mit ein paar lose geschossenen Eindrücken:


18. Juli 2010 09:12 Uhr. Kategorie Design. Tag Studium. 10 Antworten.
“…Design wird so selbstreferentiell – und wenn man sich die Plakate ansieht, die in und an der Uni hängen, wird schnell deutlich, dass die Designer nur noch dann zeigen können, was sie wollen, wenn sie für sich selbst und Gleichgesinnte arbeiten, weil nur diese ihren Stil noch begreifen… ”
Triffts ziemlich haargenau…man hat teilweise das Gefühl… generell bei Abschluss- bzw Semesterarbeiten es wird Design des Design- wegens gemacht.. der Sinn, Zweck – Kommunikation zweckmäßig und zugänglich zu gestalten geht teilweise völlig verloren.
Nachtrag…
was letztlich nicht heißen soll es währe nicht gut. Als Student der FHDO freu ich mich enorm über das mitlerweile sehr hohe Niveau, auch wenn dies bedingt durch die ganze BA/MA Geschichte wieder drastisch sinkt und die Qualität insgesamt, sprich sowohl Ausbildung als auch output sehr leidet…
>Kommunikation zweckmäßig und zugänglich zu gestalten
>geht teilweise völlig verloren
Ich hab das als Dozent teilweise auch betrieben – es wäre schon arg scheiße, einem Studenten ein CD für eine Spedition als Diplom zu geben.
Es ist ein echtes Problem – du willst einerseits, dass die Leute sich an der Uni verwirklichen, finden, alles geben und im Diplom eben eine Art von Arbeit machen, die sie so kompromißlos nie wieder machen werden (weswegen auch viele Diplome inzwischen in Zeitschriften, Blogs und Awardshows auftauchen, schlimmer sogar noch als normale Arbeiten in «Portfolios» frisch gegründeter Design-Kollektive aufgeführt werden, und damit wieder die Vorstellung davon, was Design ist, mitprägen, nicht nur beim Kunden (der eher verwirrt sein dürfte), sondern auch in die Branche selbst hinein), andererseits will man natürlich auch, dass die Leute auf den Job vorbereitet sind. Und man muss ganz hart sagen: Die meisten sind es nicht, handwerklich und auch mental nicht, denn es ist ein Unterschied, ob du 6 Monate ein selbstgewähltes Thema mit sanfter Unterstützung verwirklichst oder ob du unter enormen Zeitdruck eine Visualisierung/Kampagne/whatever für etwas, was nichts mit dir und deinen Interessen zu tun hat und was du trotzdem halbwegs einzigartig hinkriegen willst, umsetzt, die dir dazu noch ein Auftraggeber mit Extrawünschen und internen Querelen versüßt. Die Frustration, die Studenten bei der Konfrontation mit dem «echten» Job (der ja auch sehr, sehr unterschiedlich aussehen kann) haben, muss enorm sein. Ich hab das nie erlebt, aber ich stell mir das schon hart vor – ich sehe es ja zT an den Praktikanten hier, die mit 1,0er Diplom und Auszeichnungen etc kommen und dann hier an einem Logo verzweifeln müssen.
Die Qualität der Arbeiten, die ich so im Durchgang gesehen habe, war wie alles eben Gaußsche Normalverteilung: Einiges an Durchschnitt, einige exzellente Arbeiten, wo ich sehr sehr gerne viel mehr Zeit gehabt hätte, und einiges, wo man sich fragt, welcher arme Dozent das betreuen musste ;-). Ganz normal. Wobei die guten Arbeiten in Dortmund – wie an vielen FHs in den letzten Jahren – wirklich toll sind. Ich werde nur das Gefühl nie los, alles immer schon mal gesehen zu haben, es fühlt sich im oberen Drittel alles sehr nach dem an, was die Marios und Eikes und NonFormats uswpp. eben auch produzieren. Nicht mal nach Metahaven, was ja lustig wäre, sondern eben sehr mainstreamig, aber trotzdem nicht so pragmatisch wie das, was Läden wie wir, Factor, Spiekermann usw tagtäglich machen (also angewandtes CD).
Leider weiß ich nicht, welche der Arbeiten BA waren (hab nachträglich erst gesehen, dass etwa Marc Benthaus auch ausgestellt hat und mich SCHWARZ geärgert, dass ich nicht mal vorher in den Plan gesehen hat, den hatte Steffi), aber ich fand nur einige wenige Arbeiten richtig mies, aber glasklar wird es ein Unterschied sein, ob du 6 Semester machst oder 9. Wobei ich denke, wer will macht den Bachelor dann eben auch in 10 Semestern und macht das Diplom qualitativ gleichwertig dann halt auf Umwegen. Es ist ein Irrglaube, dass ein schneller Bildungsweg der bessere ist.
Leider wurde vom Dekanat der Fachhochschule Dortmund entschieden, dass Schauraum nur noch einmal im Jahr stattfindet. Dadurch kommt auch die große Anzahl an Ausstellern von sogar 100 zu stande. Würde die Ausstellung zwei mal im Jahr stattfinden, wäre das ganze zum Anschauen durchaus entspannter. Aber es ändert natürlich nichts an der Problematik, das jedes Jahr unzählige Designer die Hochschulen verlassen ohne Aussichten auf einen Job.
Was die Bachelor Studenten angeht, so ist mein Eindruck (der nicht zwingend stimmen muss), dass die meisten ihr Studium in 6-7 Semestern durchziehen. Natürlich könnte sie auch 10-12 Semester studieren. Warum das bis jetzt die wenigsten machen, hat vermutlich mehrere Gründe. Man darf natürlich nicht vergessen, dass zum Beispiel nach 6 Semestern das Bafög endet. Aber ich glaube manchmal auch, dass der Bachelor nur eine “Station” ist und das viele einfach auf einen Masterplatz hoffen. Wieviele dann tatsächlich einen bekommen ist natürlich eine andere Frage.
Ich finde es manchmal schade, dass es so wenig Protest seitens der Bachelor Studenten gegen dieses straffe Studium gibt. Ich weiß nicht. ob sich die meisten einfach damit abgefunden haben? Ich bin jedenfalls froh, dass ich noch die Möglichkeit habe auf Diplom zu studieren. Manchmal bin ich schon beeindruckt wieviele Kurse manche Bachelor Studenten pro Semester schaffen, aber ich glaube auch, dass man sich dann zwangsläufig nicht mehr so intensiv mit einer Arbeit beschäftigen kann.
>Würde die Ausstellung zwei mal im Jahr stattfinden,
>wäre das ganze zum Anschauen durchaus entspannter
Aber hallo – 80 bis 100 Exponate, selbst wenn du nur 15 Minuten jeweils im Schnitt ansetzt, sind doch 20 Stunden, die man braucht. Unschaffbar – und es wird der monatelangen Arbeit von Studenten nicht wirklich gerecht, wenn das Publikum nur noch durchhecheln oder aber einen Teil gar nicht sehen kann, oder? Wobei ich auch verstehen kann, dass man als Dekan den Umbaustress und die Raumbelegung usw. nichtauch noch zweimal im Jahr haben will – wobei man dann aber wieder generell sieht, dass die schiere Menge die Infrastruktur überfordert. Vielleicht sollte man Arbeiten ganzjährig zeigen oder einmal im Monat im Rahmen einer Party ;-).
>Ich finde es manchmal schade, dass es so wenig Protest seitens der
>Bachelor Studenten gegen dieses straffe Studium gibt
Es hilft ja wenig, Bologna wird von den deutschen Kulturbeamten in einer Art durchgesetzt, die unvorstellbar ist. Der Spiegel weint ja inzwischen im Wochentakt über das Thema. Der Bachelor ist gleichzeitig für Dozenten und Studenten anstrengender, durch die Taktung (worauf zum Teil mit Eine-Arbeit-fünf-Scheine reagiert wird), und sorgt dennoch für ein weniger «tiefes und breites» Studium, weil zum Gegenstück zur Forschung im Design (dem Experiment, der Entdeckung, dem Spielen) kein Raum mehr ist. Lustigerweise aber wird auch eine der Kernkompetenzen, die jeder Mediagestaltungs-Azubi mitbringt, also die reine Umsetzung von Entwürfen und Bedienung von Software, ebenfalls wegignoriert. Das Endergebnis ist dann – sofern die betreffende Person nicht selbst hochmotiviert ist und sein Studium und sich selbst zu Decke streckt – unweigerlich suboptimal. Ob der Master wirklich, weil nicht wirklich kontinuierlich integriert, sondern eher eine kurze Aufbauschicht, etwas verbessert, keine Ahnung. Ich bin stets sehr dafür gewesen, alles was Ingenieur-Charakter hat, zu straffen, zu verschulen, weniger universität-verkopft zu sein… und hab da durchaus dem Bachelor Chancen zugesprochen. Aber es scheint in der Praxis nicht zu klappen. Wobei ich nicht für jede FH, jeden Dozenten, jeden Studenten, jedes Studienfach sprechen mag, es kann ja längst FHs geben die das toll im Griff haben… und ich auch denke, mit der Zeit wird sich das etwas einrenken….
Ich gebe HD Recht, dass 80-100 Arbeiten sehr, sehr viel sind und die Masse sicherlich das Argument der Designer-Überflutung deutlich aufdeckt aber finde das neue System (1x im Jahr) persönlich besser. Ich habe an allen 3 Tagen immer mal wieder reingeschnüffelt & auch eine Führung mitgemacht, habe aber trotzdem nicht alles anschauen können.
Leider war es bei den letzten Diplomschauen so, dass die Räume in diesem riesigen Haus teilweise nicht alle mit Arbeiten besetzt waren und sie auch nicht so rege besucht wurden. Ich kann mir vorstellen, dass es für die Ausstellenden recht deprimierend ist, wenn nur die Oma, der Patenonkel, ein paar Studi-Kollegen und vielleicht 3-5 Interessierte pro Tag vorbei kommen, um es mal übertrieben darzustellen.
Dieses Jahr hatten wir ein rappelvolles Haus und endlich ging mal wieder was an der FH Dortmund! Zufälligerweise fiel der Termin mit der A40-Aktion zusammen, sodass die Ausstellung heute von vielen Leuten besucht wurde, die sonst niemals zur Ausstellung gekommen wären! Natürlich ist es toll, wenn Leute aus Agenturen zu unserem Rundgang kommen (sollten/würden) aber ich denke, dass es heute den tollen Nebeneffekt hatte, den typischen Dortmunder Bürgern aufzuzeigen was es eigentlich heißt, Design zu studieren. “Fotografie, das kann man studieren?!” Ich hoffe, sie kommen im nächsten Jahr wieder.
Zum Bachelor-6-Semester-Problem kann ich nur sagen, dass ich auch froh bin noch Diplomer zu sein. Wenn man dieses Studium in 6 Semestern durchziehen möchte, sollte man meiner Meinung nach vorher schon wissen, welchen Stil man einschlagen will denn es bleibt nicht die Zeit zum experimentieren. Bzw. wenn man sie sich nimmt, hat man später was davon? Hat man dann noch Zeit, Sachen für seine Mappe zu machen? Leider wissen das viele nach dem Abi aber einfach nicht und da liegt der Pferdefuß.
Nachdem ich jetzt eben mal selber (natürlich per Rad über die 40) mir das ganze vor Ort angesehen habe denke ich dass das Ausstellungskonzept insgesamt ist definitiv besser ist als die Jahre davor wo entsprechend von Eva genannte Probleme auftraten…
Was mich teilweise schon irritiert hat waren manche Räume in denen gefühlte 20 Arbeiten präsentiert wurden. Davon ab, dass durch die Anzahl der Anwesenden die Räume teils völlig überfüllt waren, die Arbeiten aber gingen zum Teil in der Masse völlig unter und konnten gar nicht wirklich auf den Betrachter wirken der sowieso schon völlig überfordert war.
Ebenso fand ich mich in meiner Ansicht bestätigt dass die Bachelor Geschichte ziemlicher Blödsinn in zuvielerlei Hinsicht ist…
“…es fühlt sich im oberen Drittel alles sehr nach dem an, was die Marios und Eikes und NonFormats uswpp. eben auch produzieren…”
ist doch super wenn die Qualität studentischer Arbeiten sich hier einreihen kann ;)
Eva:
>dass es heute den tollen Nebeneffekt hatte, den typischen Dortmunder >Bürgern aufzuzeigen was es eigentlich heißt, Design zu studieren
Yeah, das klingt super. So sollte es auch sein, oder? Ganz wichtiger Teil davon, dass, was wir machen, generell zu kommunizieren und raus aus dem Elfenbeinturm zukommen.
>sollte man meiner Meinung nach vorher schon wissen, welchen Stil man >einschlagen will
Ja, aber das kannst du mit 18/19 nicht wissen, dafür ist das Studium ja da. ich finde, BWL oder Maschinenbau kann man relativ linear studieren – Architektur oder Design schon nicht mehr. Das Studium ist eigentlich (gemessen am beruflichen Ausblick) relativ weit und aufwendig anzulegen – und schönerweise haben auch sehr viele Leute Lust auf diese Reise, weil Design eines der ganz ganz ganz wenigen Fächer ist, wo die Aussicht aus dem Flugzeug Spaß macht, man unentdeckte Länder besuchen kann und sich unterwegs gleich mehrfach selbst begegnet.
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Daniel:
>Was mich teilweise schon irritiert hat waren manche Räume in denen >gefühlte 20 Arbeiten präsentiert wurden.
Das war ganz ganz seltsam, oder? Wie auf dem Flohmarkt. Und dabei gingen richtig gute Sachen total unter – und die Studenten hatten oft auch nur eine kleine Ecke für sich, konnten sich nicht inszenieren. Mehr als Buch und ein paar dreckiger Handschuhe (ach so: Entweder [BITTE] auf die blöden Handschuhe verzichten und damit Leben, dass das Buch nach drei Tagen wrackig ist, oder regelmäßig neue hinlegen, ich zieh echt keine Handschuhe an, die von außen schon dunkelgrau sind ;-D) war da nicht drin. Was sehr schade ist – an der RA mochte ich immer sehr, wenn die Designer den gesamten Raum als Teil der Arbeit mitgestaltet haben.
>Arbeiten aber gingen zum Teil in der Masse völlig unter und konnten >gar nicht wirklich auf den Betrachter wirken der sowieso schon völlig >überfordert war
Also, ich weiß, das wir am Ende überlegten, noch in den Bücherraum zu gehen (wo die für mich wahrscheinlich eigentlich spannendsten Arbeiten wären) und Steffi meinte, ihre Augen könnten nicht noch mehr Designzeug sehen. Recht hatte Sie. Überleben tut diese Flut am besten noch die Photographie, weil wir die Bilderflut inzwischen gewohnt sind – aber auch hier ist eine nötige Vertiefung und Auseinandersetzung mit dem Bild an sich nicht mehr drin. Für die inhaltlich und formal sehr feine CSU-Arbeit etwa war einfach keine Zeit.
> ist doch super wenn die Qualität studentischer Arbeiten sich hier
>einreihen kann
Nein ist es nicht – sie sollten eigenständiger sein. Du würdest auch nicht gut finden, wenn die Absolventen einer Pop-Akademie jeweils so klingen wie der jeweilige gerade angesagte Indie-Topact. Wenn alles drei Jahre lang wie BlocParty klngt, und vorher drei Jahre Radiohead. Bis runter zum einzelnen Riff, zur einzelnen Gesangszeile. Das wäre nicht spannend. Nicht für dich, weil du dir immer wieder die gleichen Nachahmer-Sachen anhören musst, noch – sollte man annehmen – für die Musiker selbst, die ja niemals ihren EIGENEN Sound entwickeln.
Und ja, ich weiß, dass das Zeit braucht und manche Bands nie über das Modifizieren/Weiterentwickeln anderer Pioniere hinwegkommen (was total okay ist), aber spannender wäre doch, wenn die Musiker sich den Mut herausnähmen, sowohl konservativer als auch mutiger zu sein, wenn von Schlager bis Zwölfton die ganze Bandbreite dabei wäre – anstatt nur ein mehr oder minder homogener Sound. Ich frag mich, wieso selbst bei so vielen Arbeiten ein extrem auffälliger Anteil so homogen ist… und dann auch noch die Plakate an den Wänden so aussehen und auch die Arbeiten von Abgängern und ihren eigenen Büros solide in die gleiche Richtung gehen und du dann vor einem Plakat stehst und denkst: Ah, ist von den Radaus… IST es aber gar nicht. Es sieht nur genau so aus, weil es eben alles sehr sehr sehr gleich klingt. (Würde mich, ehrlich gesagt, als betreuender Dozent, auch in den Wahnsinn treiben – laaaaangweilig!)
Ganz sicher sind Vorbilder, denen man nacheifert, extrem wichtig für Designer. Nachbauen, verbessern, modden, remixen, ist ein essentieller Teil unserer Arbeit. Aber die Vielfalt ist auch wichtig – und mich frisst etwas an, wenn in den letzten Jahren die Ergebnisse an der FH Dortmund, völlig egal von wem sie kommen, irgendwie sehr, sehr gleich aussehen, in der Typographie (oder Anti-Typographie), in der Art, wie mit Bildern umgegangen wird, in den kleinen Details.
Abgesehen davon – obwohl ich Lombardo mag und vor allem bei der Spex absolut extrem mochte – habe ich immer etwas Probleme, wenn Design zum «Spaß» reduziert wird, der gutaussehende Ergebnisse erzeugt, die aber immer irgendwie aus Papierbastelarbeiten und anderen sich etwas sandkastig anfühlenden «haptischen» Basteleien entsteht. Oder wenn Kommunikations-Design einfach auch mit visuellen Füllelementen, die sich in 20 Jahren extrem altbacken anfühlen werden, gemacht ist. Ein schwarzer Punkt auf einem trashigen s/w-Photo ist kein Cover, jedenfalls nicht zum fünften Mal, vier Dreiecke sind einmal spannend, nicht öfter, ein trashiger Umgang mit Typographie in so einem 70s-Revival-Sinne ist einmal nett und dann ist doch auch gut. Wobei das Problem nicht ein bestimmtes Büro ist (das ja auch einen solchen Trend nicht erfunden hat), sondern die Häufung. Ich habe das Gefühl, es verschwindet die Vielseitigkeit und auch tatsächlich das Individuelle. Einen Dave McKean nachzumachen ist anscheinend schwieriger – und Vaughan Oliver hat außer Dirk Rudolph ganz am Anfang (der daraus einen exzellenten eigenen Style gemacht hat) auch nie jemand wirklich kopieren können – weil ihr Stil aus einer ganz eigenen Handschrift und Auseinandersetzung resultiert und sich nicht auf klonbare «Tricks» reduzierte. Was oberflächlich ist, kann leichter kopiert werden (Carson und Brody etwa besser als Oliver, wobei die Kopisten Carsons Qualität nie wirklich hinbekamen) Während ein Vignelli heute, trotz all der Jahre, so vital und echt ist wie zu seiner Zeit, weil er von innen nach außen gestaltet, nicht umgekehrt. Ich mag halt eher so Arbeiten à la Cahan&Associates, die sich architektonischer und mehr vom Auftrag her an eine Sache heranbewegen, also nicht einen «Stil» haben und diesen auf jeden Auftrag projizieren, sondern vom Auftrag her ihren Stil entwickeln, modifizieren, verfeinern, verändern – und so zu Ergebnissen kommen, die überraschen können, berühren, die nie wie von einem Büro kommend aussehen, die mal stellar, mal scheiße sind, aber nie «Ach, das ist von XYZ, sieht man ja…». Cahan erkenne ich an Details und an der Idee, an der Smartness und dem Gedanken in der Sache. Deshalb mag ich auch Factor Design sehr, weil die Arbeiten zwar wahrscheinlich nicht «cutting edge» sind, und obwohl Factor keinen Haus-Stil mehr hat wie vielleicht noch Anfang der 90s, aber auf eine ruhige, smarte Art ist das sehr gutes, sehr funktionales und oft zeitloses Design, das noch lange nicht so rundgedienstleistert ist wie etwa Meta heute ist, aber eben auch nicht so «Look at me, looook at MEEEE» wie viele andere Studios, die sich selbst wichtiger nehmen als den Klienten. Schau dir die (etwas ältere) C&A-Arbeit von Factor an, wie perfekt das zum Auftrag passt und trotzdem gut ist, oder COR. Das ist – mag an Hamburg liegen vs Berlin? – großartig uneitel und versatil und angemessen. Ich mag auch manches visuell gar nicht, was Johannes und Olaf machen, aber die Entstehung, die Story, die Idee dahinter (soweit ich sie kenne), ist oft sehr gut und für mich immer sehr deckungsgleich mit dem (vielleicht zu verkopften) Herangehen, das wir an Projekte haben, von Innen nach Außen, vom Kern an die Oberfläche.
Ich persönlich kann mich zum großen Teil deiner Meinung anschließen und hoffe durch den “;)” wurde meine letzte, von dir zitierte Aussage auch so ironisch verstanden wie Sie gemeint war…
Das ist insgesamt ein sehr schwieriges Thema aber Grundsätzlich hast du vollkommen Recht, dass sich in den letzten 2 Jahren eine Art Gestaltungstrend an der FH etabliert hat, der aber ganz klar auf diverse Lehrende zurückzuführen ist, die (mache mehr, manche weniger, manche exzessiv und selbstbeweihräuchernd) einen gewissen Stil propagiert und teilweise den Studenten “eingeprügelt” haben dass es kein Wunder ist, dass man jetzt nach einiger Zeit die Auswirkungen dessen sieht.
Hier haben wir wieder das bereits in Wuppertal besprochene Thema dass einfach bei sovielen Studenten nur ein ganz winziger Bruchteil (Wie meinte Herr Uebele noch? Vielleicht einer oder zwei von 10?) wirklich als sehr gut oder äußerst talentiert zu bewerten sind und der Rest eben Mittelmaß.
Dieses “Mittelmaß” macht sich eben vielleicht nicht durch objektiv mittelmäßige Arbeiten bemerkbar, denn die gab es im großen ganzen zwar, waren aber meiner Meinung nach in der Minderheit, sondern eben dadurch dass sehr engstirnig eine Stilart verfolgt wird und nicht versucht wird sich dem Thema Design individueller, weniger verkopft und vor allem einfach mal mit weniger Stock im Arsch zu beschäftigen.
Ich bin gespannt was der nächste Schauraum bringt nach den personellen Querelen der Vergangenheit und vor allem wie die Qualität sich auf Dauer entwickelt wenn im Nächsten Jahr die letzten Diplomer die Schule verlassen…
Deine Ironie hab ich schon verstanden, ich kenne nur zu viele Leute, die das auch ohne Smiley unterschreiben würden :-D.
Dass Dozenten einen Stil durchsetzen, ist so ein Ding. Ich hab (hoffentlich) immer versucht, einen Mittelweg zu gehen. Die von mir betreuten Diplome sind optisch total unterschiedlich geworden und obwohl man unweigerlich den Studenten natürlich irgendwas mit auf den Weg gibt (alles andere wäre keine Beratung – dabei zuzusehen, wie Studenten auf der Suche nach dem eigenen Weg irrlichtern und ihre Ziele verfehlen ist ja auch sinnlos, und ist faul), kann die Lösung nicht sein, die LÖSUNG vorzugeben, außer im totalen Notfall. Wobei es natürlich fast Sinn macht, wenn eine FH einen «HouseStyle» hat, den dann der Arbeitsmarkt einkaufen kann :-D. Sozusagen wie die Neue Leipziger Schule. Dumm ist nur, dass zu viele FHs genau diesen Flavour fahren…
Auf die BAs bin ich auch gespannt – ob dann noch so zum Teil schön ausufernde und individuelle Arbeiten machbar sind, wird interessant sein.