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SCHADESCHADESCHADE…

Gestern kam eine eMail von Vaughan Oliver, laut der sich sehr über die Einladung freue, aber leider akut nicht als Sprecher für die Typo im Mai zur Verfügung stehe. Nachdem im Dezember schon Dirk Rudolph abgesagt haben, kommen damit zwei von meinen großen Helden, die fast unzertrennbar mit dem Thema Musik und Grafikdesign verbunden sind, nicht. Neben Peter Saville, Neville Brody und natürlich Storm Thorgerson sind Vaughan und die Dirk Heroen der Gestaltung von Vinyl und CD. Storm Thorgerson ist mit Hipgnosis Urgestein, hat schon für Zeppelin und Pink Floyd gearbeitet, ist aber auch heute noch mit Acts wie Muse oder Mars Volta musikalisch in guten Gewässern unterwegs, Vaughan, Peter und Neville haben die 80er fast im Alleingang geprägt, ganze Generationen von Designern inspiriert und ein für allemal Grafik Design auf breiter Front aus der Dienstleistunsgecke herausgeholt. Und Dirk ist in meinen Augen der deutsche Ausnahmedesigner in diesem Bereich, mit einem ganz distinktiven eigenen Stil, und jeder von euch hat eines seiner Alben schon einmal in der Hand gehabt. Allein Vaughan und Dirk auf einer Bühne zu haben – Rudolph ist ein großer Fan von Oliver und ursprünglich deutlich von dessen Stil beflügelt gewesen – wäre den Eintritt der gesamten Typo wert gewesen.

Wirklich schade, dass die genialen Gestalter anscheinend zugleich (und ja eigentlich sympathischerweise) keine Rampensäue sind, sondern eher lichtscheue Wesen, die sich in ihrer Arbeit, nicht in Keynote-Vorträgen ausdrücken. Saville hat schon vor ein paar Jahren bei der Typo die große Bühne gescheut und im kleineren Saal dann für einen natürlich vollends überfüllten Saal gefüllt. Jürgen Siebert schrieb mir, dass Zuzana Licko seit nunmehr zehn Jahren jede Einladung ausschlägt. Das traurige daran ist, dass wir so nur indirekt von diesen Legenden lernen können und zugleich, dass wir sie nicht gemeinsam feiern können :-D. Die Herangehensweise an ihre Arbeit ist bei allen genannten Designern höchst unterschiedlich und extrem spannend. Auch als Profi kannst du nie aufhören, von solchen Meistern zu lernen und von ihnen fasziniert zu sein, den Persönlichkeiten, den Ideen, der Arbeit, dem Denken. Mag sein, dass ich hier nur mal mein persönliches Pantheon vereint sehen wollte, aber das Visual Artwork in der Musikbranche wäre ohne diese Herren ebenso undenkbar wie ohne den unsterblichen unglaublichen großartigen Reid Miles. Es ist so, als würden wir in zehn Jahren über Buchdesign reden und Chip Kidd würde eine Einladung ablehnen. Einfach schade – und in Kidds Fall gottseidank unwahrscheinlich :-D.

Natürlich wird die Musik-Typo trotzdem explosiv. Jürgen, Benno und ihr Team haben sich Klaus Voormann gesichert, der gerade eben ja im Design Report ein wunderbares Feature hatte, mit Kim Hiorthoy ist einer meiner aktuellen Superhelden am Start, einer der intuitivsten und sparsamsten und smartesten und spielerischsten Designer der letzten Jahre, Großmeister des Jazzplakats Niklaus Troxler wird einen, darauf sei gewettet, unglaublichen Vortrag zaubern, und ich denke, die ein oder andere Überraschung hat der Fontshop sicher eh noch im Ärmel…

Aber trotzdem… müssen Genies immer so verdammt publikumsscheu sein? :-D

14. März 2007 08:47 Uhr. Kategorie Leben. 20 Antworten.

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