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SAMSUNG NV10 VS. LEICA C-LUX 1

Nachdem wir hier und hier ja schon die Kamera-Debatte hatten, und nach den Erfahrungen mit meiner Sony Cybershot T3 beim Konzert mit Lou Rhodes, habe ich mich am Freitag und Samstag einmal nach einer mobilen Kamera umgeschaut.

Zur Erinnerung: Wenn ich wirklich ein Photo brauche, benutze ich die Canon EOS 5D mit drei L-Objektiven, so daß es beim Kauf einer neuen Kamera jetzt weniger um eine professionelle Digitalkamera ging, sondern darum, einen möglichst kleinen mobilen Knipskasten zu haben, der immer dabei ist, aber trotzdem relativ souveräne Schnappschüsse ermöglicht. Der Nachteil aller Ultrakompakt-Digitalkameras ist, dass sie aufgrund ihrer geringen Größe einfach unweigerlich sehr viel stärker verwackeln als etwas größere Kameras, die man mit beiden Händen greift. Da ich mit diesen Kleinkameras auch sehr oft einhändig oder im Gehen Drive-by-Shooting betreibe, war die T3 – die abgesehen von diesem Manko eine wirklich prima Digitalkamera war, extrem klein und unauffällig mit Inner-Body-Zoom, mit einem völlig vertretbaren Bildrauschen und einer guten Optik – einfach nicht mehr in jeder Situation zu gebrauchen, weil ich in aller Regel ohne Blitz photographiere, selbst mit diesen Minikameras, deren Lichtstärke schon bei Raumlicht oft Probleme bereitet.

Und los:

Samsung NV10
Am Freitag kaufte ich mir dann die Samsung NV10. Die mit etwas 400 Euro zu Buche schlagende 10-Megapixel-Kamera ist brandneu von Samsung und hat in Tests recht gut abgeschnitten und auch die Bilder, die Samsung selbst auf der Firmensite anbietet, wirken für diese recht hohe Auflösung sehr okay. Das Problem aller 10-MP-Ultrakompakt-Kameras ist, dass auf einen recht kleinen Chip eine sehr hohe Sensor-Dichte kommt. Das erzeugt Wärme und damit unweigerlich Rauschen. Die NV10 hat zudem eine etwas eigenwillige Anti-Verwacklungs-Technologie. Während die meisten Anbieter auf mechanische Lösungen setzen, macht die NV10 zwei Aufnahmen und mischt aus diesen ein klares Bild. Kling bräsig, funktionierte während des Tests im Laden aber überraschend gut. Der Nachteil: Dieser Anti-Shake ist ein eigener Modus, ein Programm, in dem man eben nicht mehr an ISO-und anderen Werten herumspielen kann. Mit anderen Worten: Obwohl die Samsung NV10 einen manuellen Modus bietet, in dem man Blende, Belichtungsdauer und ISO einstellen kann (leider nicht den Fokus), sind all diese kreativen Möglichkeiten verloren, sobald man Antishake wählt.

Der Lieferumfang ist für eine Kamera dieser Preisklasse sehr okay, Samsung bietet eine eigene Bildverwaltungs-Software namens Digimax, die ich nicht installiert habe, dazu eine Fernbedienung und ein schickes Lederetui zum Tragen der NV am Gürtel. Geladen wird die Kamera über USB-Kabel in der Docking-Station, die sich alternativ auch zum reinen Laden direkt an einen Steckdose anschließen lässt.

Begeisternd an der Kamera ist das Design. Schwarz und simpel, wirkt sie wie eine eingeschrumpfte alte Analog-Kamera. Das Design bietet eine herausragende Grifflage, wenn mich persönlich auch das deutlich abstehende «Daumenkissen» aus Metall, das zugleich als Handschlaufen-Befestigung dient, sehr störte.

Das klassische Drehrad, der große Auslöser, sogar der Aufklapp-Blitz: Samsung hat nichts unversucht zu lassen, um diese Kamera nicht wie einen amorphen Klotz aussehen zu lassen, sondern nach einer guten alten Kamera, vielleicht sogar mit einem Hauch angesagtem Lomo-Flair. Man mag das als Camouflage sehen (Digitalkameras sind keine Kameras, sondern eigentlich Scanner, warum sollen sie also nach per se altmodischer Technik aussehen?), aber schick ist das allemal. Samsung spielt nicht ohne Grund auf den Neidfaktor («Envy») der Kamera an. Ganz klar ein Designer-Gadget.

Im Gegensatz zur Sony T3 mit ihrem Periskop-Zoom hat die Samsung einen (nicht ganz geräuschlos) ausfahrenden Objektiv-Tubus. Die Reaktionszeit nach dem Einschalten fand ich ausreichend, wenn auch – ganz subjektiv – einen Hauch zu langsam. Bei einer akkubetriebenen Kamera hätte ich es außerdem gut gefunden, wenn man die blaue LED, die den Power-Knopf im eingeschalteten Modus mit einem blauen Lichtring umgibt, generell hätte abschalten können. Die Bedienelemente auf der Oberseite sind hervorragend gestaltet, man findet den Power-Knopf auch blind in der Tasche, weil er leicht abgesenkt ist. Der Auslöser hat einen klaren Druckpunkt und lässt sich angenehm bedienen.

Die NV10 hat ein einzigartiges Bediensystem auf der Rückseite, nicht ganz klassisch Wippe/Joystick wie andere Kameras, aber auch nicht Touchscreen wie einige neuere Hersteller es anbieten. Eine Reihe horizontal und vertikal angeordneter berührungssensitiver Buttons wird hier – zusammen mit dem On-Screen-Display des Touchscreens – zur Bedienmatrix. Klingt zunächst ungewohnt, aber schon nach wenigen Sekunden hat man die Kamera intuitiv im Griff und ist begeistert von dieser Funktionalität. Vor allem das schnelle Durchscrollen gemachter Bilder mit der horizontalen Leiste macht einfach Spaß. Man darf nur nicht darüber nachdenken, was passiert, wenn einmal auch nur ein Knopf Funktionsstörung hat. Die Bedienung mit den Buttons ist innovativ und wirklich absolut gelungen. Prima auch die Extra-Play-Taste. Den Play-Modus wählt man nicht am Rad, wie bei vielen anderen Kameras, sondern die Bilder werden (wie bei einer DSLR) sofort mit einem Druck auf «Play» gezeigt. Ein Antippen der Auslösetaste – und man ist sofort wieder schußbereit. Finde ich intuitiver als die Wahlrad-Methode, die die meisten Kompaktdigitalkameras bieten.

Weniger gelungen ist die Tele-Wipptaste, die zwar völlig ausreichend als Daumenbedienung positioniert ist, die ich aber einen Hauch zu mickrig und billig finde. Das Luxusgefühl, das die Kamera ausstrahlt, endet ausgerechnet bei der Taste, die man am zweithäufigsten verwendet.


Leica C-Lux 1
Aus Gründen, die ich unten noch erklären werde, habe ich mir dann am Samstag die C-Lux 1 von Leica gekauft, um am Montag die Samsung wieder umzutauschen.

Die Leica habe ich bei Foto Frankenberg in Essen gekauft, wo ich sie sogar noch vier Wochen lang umtauschen kann, weil ich mir um den 15. herum die neue D-Lux 2 von Leica ansehen möchte, die zwar deutlich größer ist, aber auch wirklich schone Features hat, mehr «echte» Kamera ist. Die Beratung bei Frankenberg, mal am Rande, war freundlich, humorvoll, kompetent und meilenweit von jedem Mediamarkt-Flair entfernt, wirklich vorbildlich. Wie man sieht, ist die C-Lux 1 noch etwas kleiner als die NV10. Sie ist einen Touch dicker, hat dafür aber keine hervorstehenden Elemente wie Griff oder Objektiv. Durch die abgerundeten Ecken fällt sie in der Hosentasche fast nicht mehr auf.

Trotz des klangvollen Markennamens ist an der Leica natürlich nichts «Made in Germany». Die C-Lux 1 ist eine umgelabelte Panasonic DMC-FX01 und mit dieser absolut baugleich. Auffallend sind vor allem die Designänderungen am Body, die der Kamera ein deutlich edleres und zeitloseres Auftreten geben. Die Panasonic ist schon ein schönes Teil, die Leica aber noch einmal um einiges klassischer. Was nicht absolut sein muss, wurde weggelassen. Insbesondere die schwarze Ausführung hat mit ihrem mattschwarzem Finish und den glänzendsilbernen Akzenten eine ansprechende Optik, vielleicht die schlichteste und aus meiner Sicht insofern beste im Bereich der Ultrakompakt-Kameras. Auf eine ganz andere Art als die NV10 schafft es auch die C-Lux, ein altmodisches Flair zu verbreiten, wirkt dabei aber etwas braver und mainstreamiger, eben deutscher. Sie hat dieses gewisse puristische Etwas, dieses Flair, bei dem man sofort an Audi, Bulthaup oder Erco denkt. Sie wirkt dadurch – und durch die Herkunft von Panasonic – aber eben auch irgendwie weniger extravagant, weniger mutig als die NV10. Beide Kameras haben einen massiven Metall-Body, der sich absolut hochwertig anfühlt.


Das puristische Feeling beginnt schon mit dem Verpackungsdesign. Ein einfach durch Aufkleber kenntlich gemachter Karton, eine Seriennummer, eine Erco-artige schlichte Zeichnung, alles in rot schwarz und weiß, fertig. Die Packung der NV10 war bereits sehr schön, aber das Leica-Set verbreitet einfach Otl-Aicher-Feeling :-D. Zeitlos und zugleich Tradition atmend.

Der Lieferumfang macht den gegenüber der Original-Panasonic etwas höheren Leica-Preis wieder einigermaßen wett. Nur auf besseres Design und den Mythos, eine «bessere interne Bildbearbeitung» implementiert zu haben, will sich Leica scheinbar nicht verlassen. Im Lieferumfang sind Photoshop Elements, für mich nicht wichtig, für den Alltagskunden aber sicher eine prima Sache, ein Zusatzakku (prima), das Akkuladegerät (keine Docking-Station, sondern nur ein Ladegerät für den jeweils nicht im Gebrauch befindlichen Akku, ich könnte Leica dafür KÜSSEN, ich hasse Dock-Sets, die einen USB-Port belegen und meist auch noch Software verlangen!). Was fehlt: Ein Etui (gibt es als Extra), eine Fernbedienung (nicht wirklich wichtig, aber sicher sinnvoll für manche Kunden) und – wenn man schon auf die Dock-Station verzichtet – vielleicht ein Cardreader. Den ich nun aber auch nicht wirklich brauche, mir ist es also egal.

Da es keine Dock-Station gibt, hat die C-Lux 1 einen direkten Port für USB-Kabel. Und exzellenterweise auch einen direkten Stromzugang, der den Akku zwar nicht auflädt, aber die Kamera immerhin unabhängig vom Akku macht. Diese Stromversorgung ist allerdings optionales Zubehör. Ein Feature, dassich mir an der EOS 5D ehrlich gesagt wünschen würde, auch wenn es an der kleinen Mobilkamera natürlich wenig Sinn macht.

Die C-Lux setzt auf eine sehr herkömmliche Bedienerführung mit einem kleinen Auswahlrad, mit dem man die verschiedenen Modi durchgeht. Man ist so einen Hauch schneller im Macro-Modus als bei der NV10, bei der die Makroebene über das Matrixmenü eingeschaltet wird. Hier ist auf den ersten Blick auch der PLAY-Modus auf dem Rad, wie üblich. Es gibt allerdings einen REV-Button am Rücken der Kamera mit dem man auch sofort in die Bildansicht gelangt, was ich – wie bei der NV – absolut praktisch finde. Als Vollautomat bietet die C-Lux leider keine P und M-Programme, in denen man Blende und Belichtungsdauer selbst wählen kann (wobei man, nebenbei, als Blende in der NV 10 nur zwischen 2,8 und 7,1 wählen kann, was diese Funktion etwas albern wirken läßt, und im Antishake-Modus hat man eben gar keine Auswahl, auch nicht bei der ISO). Man kann im normalen Modus der Kamera aber immerhin Über-/Unterbelichten. Trotzdem ist es schade, dass es keine Blendenwahl gibt, wie ich finde. Die Blende wählt die Kamera selbst entsprechend passend zu Licht und Zoom. Die C-Lux bietet neben dem normalen Modus auch einen Anfänger-Modus und eine ganze Armee von Spezialprogrammen für Sport, Kerzenlicht, Speisen, Gesichter, Portrait s und so weiter, die Leica getrost aus dem ROM hätte werfen dürfen, um dafür vielleicht ein paar mehr Profi-Features (Belichtung, Blende, Focus) zu bieten. Bei diesen Scene-Programmen verbirgt sich aber auch die höhere ISO bis 1600. Die NV10 hat in den Einstellmöglichkeiten also nur scheinbar klar die Nase vorn, als User hat man in Wirklichkeit nichts davon. Unter’m Strich bringt die Leica bei weniger scheinbarer Eingriffsvielfalt den größeren pragmatischen Nutzen für den Benutzer.

Das Bedienkonzept der Leica ist herkömmlicher als bei Samsung, die Menüs aber sauber aufgebaut und alle wichtigen Einstellungen wie ISO, Blitz, Über/Unter-Belichtung stets nur einen oder zwei Klicks entfernt. Das Handbuch erübrigt sich bei beiden Kameras weitgehend. Beide Kameras haben umfangreiche Möglichkeiten für den Weißabgleich und beide Kameras haben spürbare Probleme mit einem wirklich sicheren Weißabgleich. Ich muss aber sagen, für eine Nicht-denken-sondern-Knipsen-Kamera reicht mir in aller Regel AUTO-White-Balance und dann etwas Weiß-Neutralisierung mit nik im Photoshop. Dennoch: beide Kameras neigen gleichermaßen bei warmen Kunstlicht zum bekannten gelblichen Farbstich. Die Leica hat, wenn man die Kunstlichteinstellung wählt, einen minimalen Blaustich und die Möglichkeit, einen eigenen WB-Wert einzugeben ist praxisgerecht schnell. Die Leica hat, wie ich finde, die deutlich besseren Display-Overlays, zeigt beispielsweise ganz klar im Display Blende und Belichtungsdauer an (für «echte» Photographen, auch wenn nichts ändern kann, ganz einfach ein Wohlfühl-Bonus beim Abschätzen eines Photos), außerdem Histogramm und eine Matrix aus Linien für das Ausrichten von Landschafts- oder Architekturbildern. Ungewohnt, aber auf den zweiten Blick angenehm ist das kurze Einfrieren von Bildern, wenn man den Auslöser halb herunterdrückt. Die Schärfe läßt sich so etwas besser beurteilen. Ausgezeichnet, fast DSLR-artig, ist der Autofocus. Man kann hier sehr flexibel wählen zwischen einer 5-Feld-Matrix, einer schnelleren 3-Feldmatrix und einer wirklich blitzschnellen Mittelfeldmessung, die für die meisten Zwecke bereits völlig ausreichen sollte.

Anders als die NV10 wird die Leica mit einem kleinen Schiebeschalter aktiviert. Ich persönlich habe da keine Präferenz, aber vielleicht ist so die Verwechslungsgefahr etwas geringer. Die Zoomfunktion ist hier direkt als Ring um den Auslöser gelegt. Was nach kurzer Umgewöhnung ebenso pragmatisch ist wie die Daumenwippe. Beide Kameras haben einen angenehm schnellen Zoom. Die 6-Megapixel-Leica hat einen 3,6 fachen Zoom gegenüber der 3x-Zoom-Samsung. Sie endet aber bei etwa der gleichen Zoom-Brennweite, da sie bei bereits 28mm anfängt (bis 105mm), die Samsung hingegen bei 35mm (ebenfalls bis 105mm). Die Leica ist insofern für Weitwinkel-Aufnahmen besser geeignet. Sie bietet zudem, wenn man die Auflösung halbiert, einen erhöhten verlustfreien optischen Zoom. Wählt man also statt 6 nur 3 MP, kann man statt 3,6x plötzlich 5x optisch zoomen. Bei der ein oder anderen Anwendung, wenn man ohnehin nur für online photographiert, sicher praktisch. Zusätzlich gibt es natürlich einen Digitalzoom, der aber massiv auf Kosten der Bildqualität geht und insofern auch werksseitig richtigerweise zunächst deaktiviert ist.

Die Bildstabilisierung von Leica/Panasonic ist mechanisch. Ein kleiner Vibrationsmotor steuert den Bewegungen des Benutzers entgegen. Der Vorteil dieser Technik gegenüber der Doppelbelichtung von Samsung ist, dass sie immer zur Verfügung steht und nicht die Kamera in einen Automatic-Modus wechselt, ISO und andere Werte autonom einstellt und so den User entmündigt. Die Leica hat zwei Gyro-Modi, einen, der durchgehend aktiviert ist und einen etwas stärkeren, der nur beim Auslösen greift. Modus 2 scheint mir nach einigem Testen der effektivere zu sein und bringt – selbst bei ISO100 und 40-Watt-Birne am Schreibtisch – noch Ergebnisse ohne allzu arge Verwackler. Inwieweit der Gyro auf die Akkulebensdauer schlägt, wird sich zeigen müssen.

Der Objektivtubus der Leica ist etwas kürzer als der von Samsung, trotz des größeren Brennweitenspektrums. Beide Kameras haben eine Anfangsblende von 2,8, was ausreichend lichtstark ist. Samsung und Leica setzen auf hochwertige Objektive von Schneider und natürlich von Leica.

Beide Kameras haben eingebaute Video-Modi, die mich aber eigentlich nicht interessieren. Die Samsung macht 640 x 480 bei 30 fps, der optische Zoom funktioniert während des Filmes, aber während des Zoomvorganges wird die Tonaufnahme abgeschaltet. Das soll wahrscheinlich das irrsinnige Sirren des Zooms nicht auf die Aufnahme lassen, macht die Zoomverwendung aber eigentlich – sofern man nicht komplett nachvertont – unsinnig. Die Leica hat 848×480 Pixel Videoauflösung.

Und die beiden Akkus. Die Leica wartet mit einer etwas höheren Stunden-Amperezahl auf, was einfach nie verkehrt ist. Zur Ladedauer und zur Leistungsfähigkeit beider Akkus kann ich nichts sagen, dafür hatte ich die Kameras nicht lange genug in Betrieb. Die Leica wartet mit einer Vielzahl von Stromsparoptionen auf, die meist auf ein Abschalten des LED-Bildschirmes hinauslaufen, aber besser als nichts sind.

Soweit die Kameras an sich.

Die Bilder
Warum nun werde ich die Samsung am Montag bei Saturn in Düsseldorf umtauschen?
Weil es bei einer Digitalkamera, auch wenn sie nur eine kleine mobile Knipse sein soll, trotz allem einen wichtigen Faktor gibt. Nämlich die Frage, ob man die Bilder verwenden kann :-D. Und diese Frage ist bei der Samsung leider komplett und absolut zu verneinen.

Mich stört an der Samsung ohnehin, daß sie etwas schleppend reagiert. Einschalten, aber vor allem die Bearbeitung von Bildern nach dem Auslösen (zumal im Antishake-Modus) dauern einfach rein gefühlt viel zu lange. Wenn ich mehrere Sekunden warten muß, um wieder schußbereit zu sein, habe ich keine Fun-Kamera für Partys in der Hand, sondern einen Spaßkiller. Wenn die Kamera nicht nahezu sofort nach dem Einschalten knipsen kann, habe ich keine witzige Drive-by-Kamera, sondern Frust. Die Leica hat in beiden Kategorien eindeutig die Nase vorn, ist aber vielleicht einen Hauch langsamer beim Abschalten. Die Reaktionszeit der C-Lux 1 ist nahezu Echtzeit, wenn auch weit entfernt von der absoluten Realzeit einer 5D. Bis zu sechs Bilder lassen sich problemlos in Serie schießen. Während ich bei der Samsung noch in «MOTIV ERFASSEN» und «VERARBEITUNG» blinzele, habe ich bei der Leica bereits ein zweites oder drittes Bild gemacht. Die Samsung ist einfach viel zu langsam.

Schlimmer aber ist das Rauschen. Und wenn ich «Schlimmer» sage, meine ich «Entsetzlich». Zehn Megapixel sind für die kleinen Kompaktkameras einfach zu viel. Die Chips sind zu klein. Während ein Vollformat-24×36-Chip der 5D lässig 12 MP bei grandioser Qualität liefert, darf man von einem sehr viel kleineren Chip einfach nicht eine ähnliche Leistung verlangen. Da helfen auch kamerainterne Noise-Entferner nicht viel. Unter diesem Gesichtspunkt mache ich mir auch um die D-Lux 2, die im Oktober erscheint, Sorgen: Sie hat ebenfalls 10 MP auf einem dafür eigentlich zu kleinen Chip und die Testbilder der baugleichen Panasonic LX-2 belegen ein ziemlich sichtbares Rauschen. Die C-Lux hingegen wartet mit 6 MP auf, das ist einfach realistischer, die Wärmeentwicklung geringer, das Rauschen erträglicher und nebenbei hat man auch eine schnellere Bildbearbeitung in der Kamera (und mehr Platz für Bilder auf der SD-Karte. Beide Kameras verpacken übrigens maximal 2 GB SD und bei beiden rate ich zu High-Speed-Karten.)

Zu sagen, daß die NV10 rauscht, wäre eine Untertreibung, Schmeichelei. Die Kamera hat sogar HOT PIXEL. Die ich aus der Urzeit der Digitalphotographie kenne und seit ewig nicht mehr gesehen habe, außer bei extremen Langzeitaufnahmen. Und sie hat davon reichlich und das bei nomalem Zimmer-Kunstlicht. Es gibt also wohl einen Grund, warum Samsung der etwas besseren Kamera NV7 eben nur SIEBEN Megapixel verliehen hat. Die NV10 rauscht bei ISO100 bereits so, wie die Leica nicht einmal bei ISO400. Bei ISO1000 sind die Bilder der Samsung entsprechend komplett unbrauchbar. Bereits bei 200er ISO entstehen schwere Artefakte, die auch NoiseNinja, GrainSurgery oder andere Tools nicht mehr entfernt bekommen, richtig fiese dicke fette Pixelblöcke. Die ISO400 der Leica sind schon nicht mehr wirklich schön – aber immer noch akzeptabel. Im Szenemodus bietet die Leica zudem einen höheren ISO (800 bis 1600), der auch nur in Notfällen zum Einsatz kommen sollte, aber nicht annähernd so entsetzlich ist wie die Samsung bei ISO1000. Die Leica bietet zusätzlich noch ISO80, aber ich sehe da keinen allzu großen Unterschied zu ISO100.

Wie sehen nun die Bilder der Samsung in 100% aus?

So sieht ein 200-ISO-Photo der Samsung bei 100% aus. Mit Anti-Shake gemacht und trotzdem verwackelt und das in einem Raum, in dem es nicht einmal sehr dunkel war.

Noch einmal ISO 200, Antishake. Ist ja sicherlich schön, daß es 10,1 Megapixel sind – aber das Bild ist einfach komplett unbrauchbar. Aufgenommen bei ganz normalem Raumlicht, wohlgemerkt. Man sieht in den dunklen Partien hier auch schön Pixelstürme, die absolut keine Noise-Software wegbekommt. ISO 200 scheint die Lichtempfindlichkeit zu sein, auf die die Kamera in aller Regel automatisch im Antishake-Modus geht. Das ist, höflich gesagt, so keine Lösung. Und beide Motive sind zudem immer noch verwackelt.

Wieder 200, wieder Antishake. Nur diesmal statt Raumlicht eine gleißend helle Saalbeleuchtung. Also kein akzeptabler Grund mehr für ISO200. Und dazu ebenfalls unscharf und rauschig. Ja, so macht photographieren Freude, Kinder. Verkleinert auf Webgröße fällt das Rauschen zwar nicht mehr so auf… aber dazu braucht man dann auch von vornherein keine 10-Megapixel-Kamera. Der Chip ist einfach total überfordert und wird deutlich zu warm. Und der Antishake ist einfach eine Fehlkonstruktion.

Hier einmal ISO100 statt 200. Rauschig. Verwackelt. Und das bei hellem Tageslicht direkt am Fenster.

Nochmal ISO100, 2,8er Blende, Weitwinkel. Bestmögliche Bedingungen und in den dunkleren Partien ist trotzdem Rauschen. Tatsache ist: Das Rauschen ist überhaupt nur einigermaßen erträglich, wenn man im Weitwinkel bei ISO100 und hellem Tageslicht aufnimmt. Ansonsten nicht. Und der Antishake bringt dank ISO200 sofort enormes Rauschen, ohne dabei wirklich effektiv gegen das Verwackeln zu wirken. An Konzertbilder mag ich unter solchen Bedingungen gar nicht denken. Das schlimme am Noise ist aber vor allem, dass die Bilder insgesamt matschig und weich wirken. Wie Handybilder, nur eben in A4-Format.

Selbst in Webgröße finde ich die Samsung nicht sonderlich überzeugend:


Die Farben wirken trüb, das Rauschen ist selbst bei Tageslichtbildern auch in auf 500 Pixel Breite herabgerechneten Bildern noch präsent, die Bilder sind einfach nicht präsent, nicht knackig. Unbrauchbar.

Zum Vergleich ein bißchen Leica. Zuerst wieder in 100%-Ausschnitt

2,8er Blende, ISO100, Antishake aktiviert. Licht wie beim Feuerlöscher oben, ist im gleichen Laden gemacht. Man sieht sogar den Staub auf der Puppenhand, dafür aber KEIN Rauschen in den dunklen Partien.


2,8, ISO100, Antishake. Jedes Haar klar.

Härtetest: 400 ISO, 2,8, Antishake bei 1/80 Belichtungszeit aus einer Hand. Und dazu noch Macromodus. Es rauscht natürlich und wird etwas suppig. Aber es rauscht IMMER noch nicht so extrem wie die Samsung bei ISO200 und deutlich mehr Licht.

Ein paar Leica-Bilder auf Webgröße:






Alle Bilder sind komplett unbearbeitet und wirklich nur reine Schnappschüsse.

Ich bin beileibe kein Labor oder Fachmann, der Photos tiefenanalysiert und Charts unter exakt gleichen Bedingungen photographiert. Die Photos sind jeweils im Laufe eines Tages entstanden, was eigentlich recht schön die Realität wiederspiegelt. Du siehst etwas und willst es festhalten. In beiden Fällen habe ich mit möglichst niedriger ISO und mit Antishake zu arbeiten versucht.

Und aus meiner Sicht ist es absolut kein Vergleich, nicht einmal eine näherungsweise Konkurrenz: Die Leica C-Lux 1 läßt die auf dem Papier anscheinend so überlegene Samsung NV10 kalt im Regen stehen. Ich verzichte dankend auf vier Megapixel mehr, wenn ich dafür möglichst scharfe, möglichst unverwackelte, möglichst rauschfreie Bilder bekomme, die von vorneherein natürliche Farben haben und die so noch etwas Reserve für Photoshop-Tricks haben.

Das Fazit ist einfach: Die NV10 ist ein schönes Designobjekt, aber einfach keine Kamera. Jedes Handy liefert besseres Bildmaterial.
Die Leica C-Lux hat einige fehlende manuelle Einstell-Möglichkeiten, überzeugt aber mit intuitiver schneller Bedienung, klaren Bildern, einem halbwegs funktionalen Antishake-System (im Rahmen des Machbaren), einem schönen Weitwinkel, durchdachten Details wohin man sieht und … den besseren Endergebnissen. Für eine winzig kleine Point&Shoot-Kamera im Visitenkartenformat ideal.
Ich hoffe, Mitte des Monats noch einmal die die D-Lux 2 antesten zu können, aber bisher überzeugt mich die C-Lux 1 schon sehr. Ist aber auch erst einen Tag alt, ich bin gespannt, wann ich auf die ersten Probleme stoße.

8. Oktober 2006 02:12 Uhr. Kategorie Technik. 28 Antworten.

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