
Bei aller Ich-zeige-meine-Arbeiten-Manie hier in letzter Zeit ist mir aufgefallen, daß ich eigentlich nie – wie eigentlich versprochen – das Spielzeitheft 2006/2007 des Theater Bielefeld mal hier gezeigt habe, nur die nächtlichen PSD-Monster und eben frühe Screenshots. Es gibt noch keine finalen Photos davon, wohl aber ein paar Testshots, die ich fröhlich mißbrauche, um das Blog für heute etwas vollzuknallen…



























21. August 2006 11:44 Uhr. Kategorie Arbeit. 9 Antworten.
Sach mal, ist das beim letzten Foto mit der Sonderfarbe Gold? Sieht aber alles richtig gut aus, respekt!
Nein, das ist eine Lichtspiegelung. Die Photos sind ja sozusagen die NICHT-genommenen, weil zT unscharf und ich mag den Stil noch nicht so, aber fürs Bloggen jetzt fix mal brauchbar, wie ich finde.
Ich finde das Heft der Philharmoniker harmonischer. Das hier lebt sehr von den Montagen, über die man eben trefflich streiten können. Ich seh die Bilder nur als Rettungsmaßnahmen von konzeptionell zum Teil nicht sonderlich guten Photomotiven (wofür der Photograph Philipp Ottendörfer nicht sonderlich viel kann, nebenbei, ich hab ja inzwischen von einem der Photographierten gehört, wie die Shootings so gelaufen sind :-D… Und Phil war mit einigen Motiven selbst sehr unzufrieden), wobei dieser digitale Overkill dann natürlich siene eigene ästhetische und auch spaßige Ebene haben kann und gerade für mich auch mal wieder schön ist, mit dem Shop einfach herumzuballern… aber das andere Heft ist einfach schlüssiger und souveräner.
ich finde es ein wenig kitschig, aber wenn es sauber gedruckt ist, machen die geilen farben wahrscheinlich alles wieder gut.
Und OB das Kitschig ist. Die Blumen, die Lensflares. Totaler Digitalkitsch. Was mein dezenter Kommentar zum Ganzen war, muß ich sagen. Oder Reaktion oder wasimmer. Weil ich eine bestimmte Vorstellung von dem Heft hatte – ich wollte, daß die Leute schlicht und edel, galierentauglich, abgelichtet wreden, ernsthaft, und dann ein ECHTES PERSÖNLICHES GEHEIMNIS verraten. Statt dessen kamen pseudolustige, inszenierte Photos, die bei mir eine Flut kreischender eMails mit Bitte um Korrektur auslösten und zurück kamen noch lustigere Photos. Da bläst dann eine Darstellerin, die an sich wirklich super ist, eine Tüte auf und darauf steht: Ich nehme jeden Abend Theaterluft mit nach Hause. Da rollen sich doch die Fußnägel hoch. Das ist *so* offensichtlich gestellt und Fake und platt und Ponyhof, da fragst du nicht mal, ob Ines sich das selbst ausgedacht hat, du weißt, wo es herkam. Und du weißt auch, warum manche Leute eher etwas gequält auf den Photos schauen oder keine Lust auf Nachshootings hatten. Der stets charmante Peter Kuhn hat mir noch sehr höflich von seinem Photoshooting berichtet und ich kann nur sagen: Ich hab danach gewußt, warum er auf seinen Photos nicht ideal rüberkommt.
Ich wollte ehrliche, straighte, offenen Bilder, die eine Brücke bauen zwischen den Menschen im Theater und dem Publikum. Ich wollte ehrliche Geheimnisse, die nicht peinlich sind, aber persönlich genug, um glaubhaft zu sein. Das ist nur selten gelungen. irgendwer wollte eben anscheinend «lustige» Geheimnisse und «pfiffige» Photos.
Wir hatten dann die Wahl, die Bilder stumpf so zu nehmen, wie sie sind, was man vielleicht hätte machen sollen, dann hätte man viel unbezahlte Arbeit gespart und der Kunde ist ja eh weg, oder wir konnten sie digital so vollpacken, so ins Absurde ziehen und somit für uns wieder aufladen, als Bilder kraftvoll machen (was nicht bei jedem Motiv gelang), das es Spaß machte und visuell noch etwas zupackt. Aber es ist unterm Strich natürlich Blendwerk, was ich nicht so sehr mag. Ich hätte ein Saisonheft eines Theaters lieber für andere Sachen gebraucht, als ausgerechnet (wieder mal) die Darsteller zu zeigen.
Es sollte darum gehen, Kommunikation zu stiften, ein Saisonheft zu nutzen wie die Bühne, ALS die Bühne, dramaturgisch zu inszenieren wie ein Stück, also sehr intensiv seitens der Chefdramaturgie reinzugehen, Gedanken reinzustecken und etwas zu machen, was Grenzen überschreitet.
Statt dessen machen alle Theater derzeit das gleiche Heft, das in etwa den Charme eines Bahnfahrtplanes hat. Photos vom Haus, Photos von den Actors, die Pillepalle-Pressetexte zu den Aufführungen. Vielleicht ein etwas netteres Vorwort (Hamburg) oder mal ein zwei essayistische Sachen (Düsseldorf) und drum herum mehr oder minder bunte Grafik, die verpacken soll, was keinen Inhalt hat. Was sehr schade ist und ich wünschte, es gäbe ein Theater, das diesen Abwärtszyklus durchbricht. Inzwischen haben die Geschäftsberoichte großer Firmen mehr Ideenpotential als ein Saisonheft eines Kulturbetriebes, das kanns doch echt nicht sein. Die Philharmoniker durchbrechen das etwas, wie ich finde, weil das Heft sozusagen mißbvraucht wird als Photoband, die Information eingebettet ist. Das ist ein solider Kompromiß, den ich mag. Das Heft tut mehr, als es soll, es ist an sich ein kulturelles Projekt. Das Theaterheft leistet diese Ablation von der Pflicht nicht, es gibt keine echte inhaltliche Kür. Was einfach schade ist. Ich glaube immer noch, ein Saisonheft kann sogar auf die Stückerklärungen verzichten, kann ganz anders funktionieren, MUSS ganz anders funktionieren. Ich hatte diese Hoffnung ja für Düsseldorf, aber es sollte nicht sein, und der Auftritt dort bewegt sich in den engen Grenzen aller anderen Häuser und langweilt mich.
Ich gebs zu: Ich hätte gern ein Haus, A-Liga, wo man es sich leisten kann oder Z-Liga, wos eh wurst ist, das einfach Lust hat, auf den ganzen eingefahrenen Mist zu verzichten und Lepos, Abendprogramme, Außenwerbung, Saisonhefte konsequent in Frage stellt. Nicht mal die Medien an sich, sondern ihre Nutzung. Theater sollten subversiv denken, strategisch mehr bei Guerilla als bei Ansätzen, die die Industrie schon vor 15 Jahren aufgegeben hat.
In Bielefeld ist vielleicht das Problem, daß die Dramaturgie zu wenig bestimmt. In Bochum hatten Klaus und Thomas viel Einfluß und die Ergebnisse waren entsprechend ambitioniert, bis hin zu einigen Anzeigen (die legendäre Bochumer U-Bahnhaltestelle :-D). In Bielefeld plant das Marketing eine Abo-Kampagne, die wir hier alle eher Gähn fanden, und dann wurde die gegen unser vehementes Veto gemacht, inhaltlich wie visuell ein unbeschreibliches Voll Desaster (zumal SO EGAL gewesen wäre, was man macht, weil a) das Problem weniuger die Werbung sondern eher die mangelnden Verkaufskanäle sind, es gibt nur eine magere die Abo-Hotline und b) durch den Rückggang ins Stadttheater die Abos eh gegenüber den letzten zwei Jahren zunehmen sollten, weil die Leute neugierig und das Angebot örtlich wieder gebunden ist… und DANN ruft der Chefdramaturg an und sagt mir, wie scheiße er das findet. Als ob es unsere Schuld wäre.
Theater wird von Dramaturgen gestaltet, die sollten also auch bei der Gestaltung ein Wörtchen mitreden und die Sachen als ambitionierte Medien nutzen, was – freilich – unweigerlich mehr Arbeit und Einsatz bedeutet. Aber nur so ists aus einem Guß, konzept des Theaters und der «Werbung». Thomas Oberender ist und bleibt da ein Vorbild in diesem Feld, der die mediale Bühne inall ihren Facetten als integralen Baustein der Gesamtarbeit von Theater begriffen und genutzt hat.
Hhm, das Cover erinnert mich an etwas … Ah – ich weiß es! Soll ich sagen? Hehe, Softimage XSI hatte mal so eine ähnliche Aufmachung auf ihren Boxen! Hatte oder hat – weiß ich nicht mehr haargenau. Hhm?
Uh, das wär etwas peinlich. Wobei ich das nicht kenne. Aber es ist auch nicht zu weit weg von Adobe, mit dieser stilisierten Blume und dem Weißraum und so.
Die andere Coveridee, die ich SEHR mochte, kam von Seán:
http://www.hdschellnack.de/?p=1066
Hätte mir besser ins Gesamtkonzept gepaßt, aber ich mochte beide Varianten – das tatsächiche Cover schließt ja etwas an die Index-Seiten an – und Michael Heicks fand das cleane Cover eben schöner.
Ich dachte bei dem Cover zuerst an den RTL-Schleier, aber das ist auch ein wenig weit hergeholt – muss ich zugeben
Ha – stimmt. Ohne Fernsehen bin ich da nicht drauf gekommen, aber die Optik kommt hin. Wie lustig…
[...] Was da ganz harmlos im Umschlag des Theater Bielefeld kommt, ist einfach herzzerbrechend: Ein Brief von Claudia Lowin und Monika Gysel, der total süß ist und uns allen hier einen dicken Kloß im Hals macht und der die Abstrusität der Tatsache, daß das TB sich von uns getrennt hat, irgendwie unterstreicht. Wir haben uns total gefreut, von Claudia zu hören und die beigefügte (tolle) Kritik der beiden Saisonhefte von Dr. Manfred Strecker, Leiter der Kulturredaktion der Neuen Westfälischen, die wir natürlich noch nicht kannten (ansonsten hat sie uns jedenfalls keiner geschickt) hat uns absolut gefreut. Ich kann nicht oft genug betonen, bei allem eventuellen Trouble mit der ein oder anderen Person im Marketing – die Dramaturgen im TB liebe ich, ausnahmslos. Gute, kreative, liebevolle, engagierte Leute, die dieses Haus zu etwas besonderen machen und die mir und uns fehlen werden. [...]