
Svein Berge und Torbjørn Brundtland sind im Pop angekommen, endgültig. Ihr drittes Studio-Albumknüpft an den Welterfolg von What Else is There an und lässt frühere Downbeat-Eskapaden, vertrackte Beats und verträumte Synths hinter sich. Hört man Meldody A.M., gibt bestenfalls Poor Leno eine vage Ahnung auf den hyperpolierten Sound von Röyksopp 2008, einem Mainstream-Album, auf das die Pet Shop Boys stolz gewesen wären und das Air hoffentlich nie in dieser Klarheit produzieren. Junior ist – durchaus im besten Sinne - ein smartes, gut produziertes, flirrend-glitzerndes Discokugel-Monster, bei dem Berge und Brundtland sich von den angesagtesten Stimmen der Branche – Robyn, Lykke Li und Karin Dreijer-Andersson – unterstützen lassen und zugleich mit Anneli Drecker wahrscheinlich eine neue Stimme weltweit bekannt machen dürften. Es ist ein Album voller potentieller Auskopplungen, voller Hits, die nur auf Remixing warten, mit deutlich mehr Upbeat als jemals zuvor. Tracks wie Tricky Tricky klingen so gar nicht mehr nach den «alten» Röyksopp – aber durchaus nicht zum Nachteil der Band. Es ist selten, dass eine Combo so erfolgreich aus der alten Wäsche tritt und sich komplett neu erfindet, und dennoch irgendwie bei sich bleibt. Die Entwicklung auf Junior ist nur folgerichtung und durchaus passend zu dem, was nach The Understanding für die Band passiert: Raus aus dem Wohnzimmer, rauf auf die Bühne, rein in die Dancehalls. Röyksopp schütteln den Märchenstaub ab und werden von der introvertieren Frickelband zum schnellen skandinavischen Pop-Export, gnadenlos auf weltweiten kommerziellen Erfolg programmiert. Dass die Musik dabei oft so zusammengeholpert wirkt wie das Albumcover, dass in all dem Geblubber und Geblase oft keine wirkliche Musik entsteht, sondern nur eine Melange dessen, was halt gerade in den Discos funktioniert, dass kantenloser Kommerz keine langfristige Zukunftsoption ist, dass Tracks wie You don’t have a Clue schon mehr als jenseits der Schmerzgrenze liegen, scheint dabei keine Rolle zu spielen. Junior ist ein perfektes Popalbum, aufgeblasen, bombastisch, massenkompatibel, zu eilig für ruhige Momente wie etwa Silvercruiser.Vielleicht spiegelt dieses Album einfach also nur den Umbruch im Leben von Musikern wieder, die plötzlich zu lange in zu lauten Discos rumhängen, feststellen, dass ihre Tracks live nicht so recht funktionieren und mehr Pep brauchen, die zu lange in Tourbussen rumsitzen und zwischen Langeweile und Hyperaktivität gefangen sind, denen allees zu glitzy, zu oberflächlich und zu aufgesetzt erscheint. Denn genauso ist Junior, ein Album wie ein Kommentar zum Leben als Popstar – grell und unecht und immer mit einem feinen Drogennebel überzogen, gezeichnet von Klängen, die aufblitzen wie Fische unter Wasser und schon wieder wegtauchen, von unterbewussten Bässen,von flirrenden Pads, von sirrenden Melodien, und eben auch von so viel Hall, der alles auf Distanz hält und weichspült. Es ist ein Album aus dem Nebel, aus dem Rausch, aus der Tiefe. Es ist das Torkeln nachts um halb fünf durch neonbeleuchtete Straßen. Junior ist zugleich das nahtlosperfekte Massenwarenregalprodukt für die Massen und der Meta-Kommentar zu eben diesem Dasein als Produkt in der Popindustrie. Die in der oft in Richtung Kylie/Madonna abdriftenden Discopopsuppe aufblitzenden kleinen Geniegriffe legen nahe, dass die durch und durch synthetische Popblase, die das Duo aufspannt, einen ironischen Unterboden haben könnte, dass Pop hier zum Selbstzitat wird und sich so entlarven will, dass man eben absichtlich ein Album produziert hat, mit dem man ich als Produzenten der nächsten Madonna-CD empfiehlt. Röyksopp nehmen hier ihren Weichspülersound, dessen Kantenlosigkeit sich schon immer für Werbefilmchen empfahl und treiben das Spiel auf die Spitze – entweder um endgültig zum Kommerzakt aufzusteigen, oder als Form von satirischer Sebstbespiegelung. Für eine Antwort auf diese Frage, die man sich zwischen Faszination und Sorge stellt, wird man wohl das nächste Album abwarten müssen.
20. Juni 2009 10:45 Uhr. Kategorie Musik. Tag Pop. 3 Antworten.
Naja, der ein oder andere poppige Track war immer dabei. Trotzdem immer geil gewesen! :-)
Werd ich wohl nicht drum rumkommen das Album auch zu hören.
ja das mag ja alles sein aber was ist mit den foto-verlosungen???
dirk hat wahrscheinlich schon alle bücher verschenkt :-D