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RÓISIN MURPHY: OVERPOWERED

Das zweite Soloalbum der Moloko-Stimme entpuppt sich als das, was ich beim ersten Album ursprünglich erwartet hatte. War Ruby Blue entgegen meiner Erwartung ein ausgesprochen unkommerzielles Album, von Matthew Herbert zu einer Klangcollage geschliffen, die sogar herausfordernder wirkte als Moloko, so ist Overpowered der strategisch geplante Sprung in die Charts. Kommerzieller hat Murphy nie geklungen, airplay- und discokompatibler waren selbst Moloko nie. Global produziert, hört man dem Album die weite Reise von Murphy leider nie an, alles klingt ein bisschen nach Wohnzimmer, alles klingt nach Management und Mainstream. Hochpoliert und sauber auf die Tanzflächen ausgerichtet, zeigt Murphy hier ihre zweite Seite, nicht mehr die extreme Klangtüftlerin, die verschrobene Künstlerin, nicht mehr auf Björks Pfaden, sondern eine Discoqueen par excellence, eine soulige, treibende Seite, die fast getrieben die verschiedensten Tanzmusikrichtungen abdeckt. Aber wo das Debut vielen vielleicht einen Tick zu abgedreht war, ist das zweite Album eben zu brav. Oft am Rande des Seelenlosen schippert diese MS Dancefloor an uns vorbei, und nichts bleibt hängen. Gute Radionummern sind nicht immer gute Albumsongs, und so ist es auch hier. Nahezu jeder Track hat Auskopplungs-Format, aber keiner lädt zu einem vertiefenden zweiten Hören ein. Du willst diese Songs mal im Radio hören, vorbeidudelnd, aber du willst nicht in sie einsteigen.

Murphy nähert sich so dem kommerziellen Erfolg sicher an, aber für diesen Erfolg opfert sie den Mut, die Innovation, die man von ihr gewohnt ist. Aus einer exaltierten, stolzen Diva ist ein Kylie-Klon geworden, mit etwas billig anmutenden Sounds, die alle nicht retro genug sind, um Retro zu sein, und nicht hip genug für den Edbanger-geprägten Dancefloor von Heute. Wer Moloko nur von Dlugosch-Remixen her kennt, mag sich hier wohl fühlen, alle anderen werden von der hausbackenen Normalität der Tracks, die eingängig aber nicht einprägsam sind, schnell genervt sein. Overpowered ist Discobrei ohne zweiten Boden, mutlos und brav. Vielleicht gelingt auf dem dritten Album die Mischung zwischen Pop und Experiment besser, aber bisher hat Ròisin Murphy ihre Mitte nicht gefunden. Niemand will von ihr Moloko2.0 erwarten, aber so deutlich unter ihrem Potential sollte sie auch nicht fliegen müssen.

6. Dezember 2007 20:57 Uhr. Kategorie Musik. 5 Antworten.

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