Stanislaw Lem ist gestern verstorben. Ich bin mit seinen Büchern und Kurzgeschichten als Teen großgeworden und habe mit Autoren wie eben Lem, Burgess, Brunner und Co. gelernt, daß Science Fiction eines der freiesten und spannendsten literarischen Genre sein kann, in dem der Autor frei von Begrenzungen spekulieren und probieren kann und – in Lems Fall – politische Kritik oder religiös/philosophische Gedankenspiele betreiben darf. Ob Lems grandioser SF-Münchhausen Ion Tichy aus Klassikern wie Lokaltermin und Der futorologische Kongress, der irrlichternde, die amerikanische Science Fiction kolportierende und gegen sich selbst wendende Bruchpilot Pirx oder seine ernsteren Arbeiten, wie etwa die gesammelten Erzählungen in Nacht und Schimmel oder introspektive Klassiker wie Solaris und Also sprach Golem – Lem war immer ein surrealer bis abstruser, wortspielverliebter und zugleich hochpräziser kluger Schreiber, der es verstand, die Zukunft als Spiegel der Gegenwart zu gebrauchen. Selbst seine oberflächlich humoristischen Arbeiten wie Schichttorte bergen einen Cyanidkern, der Lem in die Tradition von Autoren wie Swift oder Orwell stellt – Autoren, die das Phantastische nicht als bloß zu bedienendes formulaistisches Genre sehen, sondern als vielseitiges literarisches Werkzeug, das den Autoren ein befreiteres Denken über die Gegenwart anhand des «What if…?» ermöglichen.
28. März 2006 08:41 Uhr. Kategorie Leben. Eine Antwort.

habe es heute morgen im spiegel gelesen … und mit einer kleinen ahnung bei dir vorbeigekommen. war klar, oder? ja der gute lem. habe noch ein paar ausgaben aus der ddr hier liegen, nette paperbacks, die ich ebenso wie du gelesen habe, als ich »jung« war, aber nicht nur da. »gast im weltraum« ist mit sicherheit das am meisten gelesene buch von mir …