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RICK POYNOR: DESIGN WITHOUT BOUNDARIES

Rick Poynor gehört für mich zu einem der besten Beobachter der Designszene, oder zumindest zu dem Kritiker, der mich am meisten inspiriert und dessen Ansätze mich am meisten faszinieren. Seine Essaysammlung Obey the Giant ist neben Aichers welt als entwurf das am meisten zerlesene Buch von mir, nahezu jede Seite von verschiedenen Schichten markierter Stellen, Bleistift, Füller, Textmarker, und zahllosen Notizen übersäht. Poynor bietet, was ich in einem Buch dieser Art (ob über Design oder nicht) suche – einen starken eigenen Standpunkt, kritische Interviews, eine Nase für Trends und einen Schreibstil, der dich permanent zwingt, die eigene Arbeit zu hinterfragen,  besser und kreativer und inspirierter sein zu wollen. Design without Boundaires ist im Vergleich mit Obey the Giant weniger eklektizistisch, wirkt vielleicht auch aufgrund der eher älteren Texte aus den 80er und 90er Jahren etwas gedämpfter, bietet aber dennoch eine Übersicht über die wichtigsten Macher dieser Jahre, es fehlt faktisch kein wirklich großer Name der beiden Dekaden. Ein seltsamer Mix aus Interviews, Magazin-Reviews und Portraits verschiedener Designergruppen und Illustratoren, wirkt DWB etwas zusammengewürfelt, etwas ziellos, wenn auch durchaus durch den roten Faden des Themas «Design zwischen Handwerk und Kunst» recht gut zusammengehalten. Kennt man sich einigermaßen aus, bietet Poynor nicht wirklich all zuviel Neues, die meisten Statements von Peter Saville etwa kennt man schon aus dem Design by Buch, wenn das Interview hier auch etwas pointierter ist, die meisten Sachen zu Vaughan Oliver aus der von Poynor mitverfaßten Monographie und so weiter. Die Übersicht und die sich daraus ergebende Vielfalt von Positionen zum Design und die Reflektion der eigenen Arbeit etwa von tomato und Neville Brody, Cartlidge Levene und Jon Barnbrock, ist einfach fesselnd. Neben Jon Wozencroft ist kaum ein anderer in der Lage, das simple Machen von Plakaten, Albumcovern, Visitenkarten und Magazinen so erfolgreich in einen grundlegenden und mitreißenden Strom sozialer und künstlerischer Impulse einzubetten. Beide sind schaffen es, dem grafischen Gewerbe eine Tiefe aufzudeuten, die ihm vielleicht per se eigentlich mangelt, den Handwerksberuf zur Kunst zu stilisieren. Ohne dabei die Sublimität gleich verzweifelt herbeizureden, sondern einfach in der Art, wie er die Kreativen zu Wort kommen läßt, wie er Zusammenhänge schafft, wie er Themen arrangiert, wie zugleich eine ganz eigene Suche nach bestimmte Inhalten, eine individuelle Vorliebe für bestimmte Dinge (wie etwa für Brian Eno) zum Vorschein kommt. Poynor schreibt mit Herzblut, und bestärkt dich jedesmal in dem Wunsch, den Job mit genau der gleichen ehrlichen Liebe zu machen.

10. Juli 2005 16:09 Uhr. Kategorie Design. Eine Antwort.

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