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REBAKKA BAKKEN: IS THAT YOU?

Mit ihrem aktuellen Album I keep my cool auf dem Markt, lohnt sich ein Blick auf Rebekka Bakkens Vorgänger, Is that you? Nach Alben wie Daily Mirror, The Art of How to Fall und Beloved präsentiert sich die Sängerin ungewöhnlich un-jazzy, zwischen Norah Jones, Anna Mara Jopek und anderen Grenzgängern aus Pop, Soul und Jazz – kommerzieller, aber vielleicht eben deshalb auch zugänglicher. Was gleich bleibt, ist die mystische, zugleich schwebende und erdige Stimme der Norwegerin, deren nasale Sarah-McLachlan-Töne mitunter so gar nicht zu dem ätherischen Erscheinungsbild der Sängerin passen wollen. Bakken ist sicher eine dieser Jazzvokalistinen, die sich nach Popmustern vermarkten lassen – jung guttaussehend, begabt –, die einen nahezu raketenartigen Erfolg hinlegen und eine federleichte Altherren-kompatible Mischung aus Easy-Listening-Jazz mit Popharmonien und -rhythmik liefern. Wo viele dieser Sängerinnen aber ja durchaus auch wunderbare Musik abliefern (und sei es nur zum Einschlafen oder Kuscheln), bleiben viele von diesen Produktionen seltsam oberflächlich. Jones, Krall, Beady Belle, selbst die exzellente Caecilie Norby – ultrahörbar, aber doch wenig Tiefgang im Kompsitorischen und ind en Arrangements. Wo Anna Maria Jopek ihre Mystik gegenüber diesen leichteren Vokalistinnen aus ihren polnischen Folk-Wurzeln zieht – und ein Song wie So Ro von Bakken bezieht sich klar auf eben diesen schleppenden Jopekschen Slow-Motion-Mystizismus –, scheint sich Bakken auf Is that you vor allem aus einer inneren Zurückgezogenheit, einer seltsam lässigen Widerborstigkeit zu nähren. Kompositionen, Musik und Stimme weigern sich in letzter Konsequenz, allzu freundlich oder anbiedernd zu sein. Düsterer und melancholischer als etwa Jones, urban geprägt und dennoch von der ja fast klischeehaften skandinavischen Kargkeit, schwingt da mehr mit als bei anderen Jazzpop-Produkten. Auf Is that you knebelt Bakken dennoch ihr stimmliches Potential, begrenzt ihre Bandbreite, um den Mainstream zu bedienen und das aktuelle Album I keep my cool folgt leider diesem Trend ebenfalls. Auf Is that you stimmt die Balance noch, obwohl die älteren Platten sicher mehr vokalistische Strahlkraft haben. Aus meiner Sicht wird dies aber durch die bessere Produktion, stimmige Arrangements und – bei den besseren, nicht allzu langsam daherplätschernden Liedern – druckvollere Kompositionen wettgemacht. Insofern dokumentiert genau dieses Album vielleicht den Bruch zwischen einer herausragenden Jazzmusikerin, die ihren Stil in ihrem alten musikalischen Segment sicherlich ausgereizt hatte, hin zu etwas anderem und neuen. Man wird abwarten müssen, ob Bakken nun kommerziell wird und Schmusepop produzieren will, oder ob sie auf ihrem nächsten oder übernächsten Album wieder Zähne zeigt.

Am 9.11.2006 ist Rebakka Bakken übrigens in Essen auf Zollverein live zu Gast.

19. August 2006 11:26 Uhr. Kategorie Musik. Eine Antwort.

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