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Just finished: Walter Benjamins Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit und Adolf Loos’ Ornament und Verbrechen. Während Benjamin vor allem im Haupttext des Suhrkamp-Büchleins so scharf und brillant ist, wie ich ihn aus Studienzeiten in Erinnerung habe, neben Cracauer eine lebende Erinnerung, wieviel brennender Essays in den 20ern oft waren, wieviel lebendiger technische Entwicklung als Ausdruck und Ergebnis sozialer Aktion verstanden wurde; ist Loos eher eine Enttäuschung. Ungeachtet des legendären Satzes, daß ein Architekt ein Maurer sei, der Lateinisch gelernt habe, wirkt das Buch wie eine Frühform von Blogging… etwas sinnfrei, kleinteilig, zergliedert, oft an Themen interessiert, die so zeitnah und lokal sind, daß man sie durch den Zeitkorridor nicht mehr wirklich spannend finden mag, wiewohl seine grundlegende Aussage wenig an Kraft verloren hat. Benjamin wirkt visionärer, druckvoller, weniger verbiestert… und seine Analyse des Verlustes bzw. der Wandlung der Aura durch technischen Fortschritt bleibt zeitlos und akut zugleich.

Apropos akut. gerade auf dem Nachttisch: Philipp K. Dicks A Scanner Darkly, das (wenn ich mich nicht irre) vorletzte Buch, dann habe ich Dicks Gesamtwerk durch. Eine Reise, die ich nur empfehlen kann, weil kaum ein Autor sich so sprunghaft und halluzinatorisch weiterentwickelt hat wie Dick, der von seinen schon visionären, aber noch recht der normalen SF verhaftetet Kurzgeschichten mitreißt, am Ende seiner Karriere aber das Genre der spekulativen Literatur verläßt wie kein anderer Autor vor ihm (danach aber durchaus einige, John Brunner und Roger Zelazny, auch einiges von Harlan Ellison käme in Frage, aber selbst die wirken mild und berechenbar gegen Dicks Papier gewordene Psychosen) und so nah an William Burroughs herankommt, wie es nur eben gerade menschenmöglich ist.

11. Februar 2005 01:12 Uhr. Kategorie Buch. Eine Antwort.

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