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RATATOUILLE

Die Ratte Rémy hats nicht leicht, nicht nur, weil die Familie seinen Hang zur Haute Cuisine nicht nachvollziehen kann, sondern vor allem, weil er dieser Neigung nur als Draht (oder besser Haar-)zieher nachgehen kann. Unter der Kochmütze des etwas belämmerten und völlig talentfreien Juniorkochs Linguini zaubert die Ratte die besten Gerichte heraus, die am Ende sogar den oberkritischen Gourmet und Franz-Müntefering-Lookalike-2007-Preisträger Anton Ego becircen. Nebenbei gibts einen disneytaglich bösen Bösewicht,  kurvenreiche Liebesgeschichte, jede Menge etwas amerikanisch geprägtes Frankreich-Flair (das sich manchmal mehr nach Las Vegas als nach Paris anfühlt) und einen der besten Abspanne, die man sich wünschen kann. Ratatouille ist ein Film mit weniger Tiefgang als eine Scholle, ist aber durchweg schnell und leichtfüßig erzählt, meist überzeugend animiert und – obwohl bei weitem nicht so gelungen wie The Incredibles – einer dieser typischen Pixar-Filme, die Erwachsene sich ebenso gut ansehen können wie Kinder. En passant versteckt sich in dem Stoff die ein oder andere wohlmeinende Botschaft über Junk Culture, wahren Genuss, die Freude des Selber-Kochens und der Kreativität aus dem, was man gerade zur Hand hat -  allerdings so federleicht, dass die Sache niemals moralinsäuerlich wirkt.

Absurd scheint angesichts der Kritik an Junk Food und dem Plädoyer für echte Handarbeit aber die technische Umsetzung des Films. Ich weiß nicht, wie es anderen Leuten geht, und ich kann mir denken, dass es die erste Generation von Filmzuschauern gibt, die einen normal realisierten 2D-Film nicht mehr zu goutieren wüssten, aber persönlich fängt 3D zunehmend an, in mir Langeweile auszulösen. Die immer gleichen Versatzstücke aus dem Texturenkabinett, die ewig gleich wie Marmor glänzenden Augen, die entnervend in den Handlungsmittelpunkt gestellte Perfektion bei der Animation von Wasser und Haar, die entfesselten Kamerafahrten… all das sind sicher nur Tools, die genau die gleiche Geschichte erzählen wie die alten Animations-Zeichner-Armeen bei Disney, die inzwischen eben durch Serverfarmen ersetzt sind, und am Inhalt der Geschichten sollte das nicht ändern, aber dennoch wird man das Gefühl nicht los, das erst die Technik steht, und dann die Plotidee den aktuellen Möglichkeiten angepasst wird. Den Filmen fehlt – bei allem Charme – das Ungehobelte und Unperfekte. Umso charmanter wirkt die Schlusssequenz – auch wenn die wahrscheinlich ebenfalls via CGI entstanden ist. Aber es ist an der Zeit, das computergenerierte Bilder eine Bandbreite, eine erzählerische Dichte bekommen und die visuelle Form der Geschichte folgt und es nicht nur um eine Art State-of-the-Art-Spektakel geht. Ratatouille ist insofern, wie die meisten 3D-Filme,optisch beeindruckend, doch hängen bleibt überaus wenig. Und so ist ausgerechnet ein Film, der Gourmet sein möchte, ein McMovie. Was ganz sicher schade ist, den kindlichen Spaß an der rasenden Rattenoperette aber nicht wirklich trübt.

3. Dezember 2007 17:56 Uhr. Kategorie Film. 9 Antworten.

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