



Es ist eigentlich ganz interessant, dass ein im Internet längst normaler Kreislauf von zunehmenden Sicherheitsmassnahmen und darauf reagierenden Hacker-Gegenschlägen, gefolgt von mehr Sicherheitsmaßnahmen, gefolgt von neuen Hacker-Kontrareaktionen, inzwischen auch in den Alltag träufelt. In Zeiten, in denen Politik zugleich immer weniger starke Legitimation in der Bevölkerung genießt – abnehmende Wahlbeteiligung und die aktuelle Welle von satirischer Politik-Imitation (Die Partei, Schlämmer, Vera Lengs… oh, die ist echt, oder?) sprechen für sich – zugleich aber immer akuter auch in das Privatleben eingreift (wie etwa beim Rauchverbot), ist dieser Zyklus von Obrigkeitsverhalten und einer Underground-Bürgerreaktion nur zwangsläufig.
Die nächste Runde läutet der Staat gerade ein. Nachdem immer mehr Radar-POI-Warner und Überklebe-Aktionen die bestehenden Radarfallen zwar nicht völlig ineffektiv machen, aber zumindest weniger lukrativ, kommt nun eine neue Generation von stationären Radarfallen, die nicht mehr nach Starenkasten aussehen, sondern für den Fahrer fast unsichtbar bleiben. Gekoppelt mit Blitzen, die für das menschliche Auge nicht mehr wahrnehmbar sind (und so nachfolgende Fahrer nicht gewarnt sind), haben wir hier die nächste Stufe in der Kontrolle des Fahrverhaltens der Bürger durch den Staat, die zunehmend ein Misstrauen des Staates gegen seine Subjekte zum Ausdruck bringt, das nicht von ungefähr an George Orwells Dystopie einer perfekten Überwachungsgesellschaft erinnert.
Es ist natürlich nur eine Frage der Zeit, bis auch diese kaum noch als Starenkästen zu bezeichnenden Fallen, die sich nahtlos ins Stadtbild oder Leitplanken einfügen, gekontert sind, durch aktualisierte Karten und durch «Hacker», die auch hier mit Sprühkannen und Kleber die Optiken ausschalten. Es ist fast absehbar, dass irgendwann statistisch jeder Kilometer Autobahn überwacht wird – und zugleich eine aufgebrachte Schar Autofahrer jeden zweiten Kilometer attackiert. Wie sinnvoll diese Moebiusschleife für beide Seiten im Endeffekt ist, sei mal dahingestellt. Interessant ist aber, dass der Staat anscheinend so wenig Konsens für seine Legislative findet, dass die Exekutive zu immer extremeren Methoden greifen muss, um die Gesetze zu forcieren. Wäre es nicht sinnvoller, Gesetze mit der Gesellschaft auszuhandeln, die allgemein auf ausreichend Einverständnis treffen, dass Länder und Kommunen nicht de facto sogar recht gezielt Geld daran verdient, dass die Bürger fast notorisch gegen die Vorgaben verstoßen?
20. August 2009 15:35 Uhr. Kategorie Stuff. Tag Gesellschaft. 5 Antworten.
Was treibt denn die Sanduhr im zweiten Bild :-)
Beim letzten Foto kann man ideal die Optik mit schwarzem Tape abkleben.
Ist doch Irrsinn solche unsichtbaren Blitzer aufzustellen, stimme dir vollkommen zu! Für mich hatte das rote blitzen immer einen lern Effekt, zumindest für die darauf folgende Stunde. Das entfällt nun, tut nur noch im Geldbeutel weh.
die ganzen dinger wären unnütz, wenn der faktor mensch im verkehr komplett ausgeschaltet wäre. über gps kann ja jetzt schon die tatsächlich und erlaubte geschwindigkeit erfaßt werden. warum da nicht noch einfach das signal an den tempomaten und die automatik durchstellen? dann braucht man nur noch lenken … goodbye fahrspass.
wenn das so weitergeht, frißt sich der staat selber auf – also seine bürger. nennt man das danach dann nicht anarchie. will man das?
bevor ich ins philosophieren … äh … schwallen komme: ende.
>dann braucht man nur noch lenken … goodbye fahrspass
Ich fände so ein automatisiertes Fahren nicht SO schlecht – und wenn man sich die Verkehrsdichte ansieht, ist es wahrscheinlich die Zukunft, weil die Bahnen so viel dichter gepackt und Staus viel effektiver vermieden werden könnten. Sozusagen Zugfahren auf der Autobahn, nur ist jedes Auto ein Abteil. Idealer wäre aber eigentlich, viel mehr Geld in den ÖPNV zu stecken und den richtig brutal auszubauen – und steuerbasiert komplett für jeden Bürger gratis zu machen.
Oh, es wird politisch im Hause Schellnack? Da merkt man, dass Superwahljahr ist. Ist man solche Äußerungen von Dir und vor allem hier eher nicht gewohnt :)
Schöner Podcast zu dem Thema: chaos radio express 135 http://chaosradio.ccc.de/cre135.html
ÖPNV gratis wäre super. In einigen niederländischen Städten hat man das inzwischen geschafft, warum also hier nicht? Autoland Deutschland, wir dürfen ja auch noch über 130 km/h fahren. Ferngesteuerter Autoverkehr ist zwar nicht ganz utopisch, aber dann irgendwo doch ein gehobenes Maß zu viel Fremdkontrolle, wenn man bedenkt wie viel von seinem wohlverdienten Geld man in ein derartiges Gefährt investiert.
http://www2.tu-berlin.de/www/software/hoax/radar.shtml