
Dank des wirklich zuvorkommenden und sympathischen Service von Quato und dem Düsseldorfer Quato-Händler dtpdirekt (und nicht zuletzt dank Seán, der das Gerät aus Düsseldorf abgeholt hat), habe ich am 9. tatsächlich den 23″-TFT von Quato als Leihgerät bekommen. Komplett mit Blende, einem leider recht wackeligen Fuß, einem kleinen Chart zur D-50-Kompatibilität des Umgebungslichtes, einem Proof, den man mit einer PDF vergleichen kann sowie der iColor-Software für die Hardware-Kalibrierung. Außerdem PDFs, die die Kalibrierung erklären und Links zu den wichtigen ECI-Profilen, falls man die nicht ohnehin schon hat (sollte man :-D). Und netterweise beigelegt, ein Magazin von Cleverprinting, das die Themen Farbkalibrierung und PDF X/3-Workflow step by step erklärt. Und da waren sogar für mich noch ein zwei neue Erkenntnisse bei, obwohl ich schon seit recht langer Zeit mit PDF und kalibrierten Workflows arbeite. Die Beilage ist also für Profis immer noch lesenswert, aber gerade für Semiprofis oder Einsteiger ideal zum simplen Verständnis von Farbworkflows. Und insofern eine gute Idee von Quato.

Die Bedienungsanleitung ist kurz, aber viel ist auch nicht nötig, um das Gerät anständig aufzustellen. Der TFT wird via DVI mit dem Rechner verbunden und sofort als PnP-Monitor erkannt und installiert.

Außerdem mit dabei: USB-Ports, 1 Up-, 2 Downstream, so daß man zum Beispiel das Colorimeter ganz gemütlich direkt am Monitor anschließen kann. Überhaupt stimmen viele Details einfach: es gibt zum Beispiel eine kleine Klett-Schlaufe, mit der man das Meßgerät auch bei installierter Lichtschutzblende vor dem Monitor fixieren kann, ohne die Saugnäpfe des Colorimeters (die schnell mal die TFT-Displays beschädigen) verwenden zu müssen.

Auch ein Detail: im Fuß lassen sich noch Kabel unterbringen, wenn man weitere USB-Geräte über die Downport anschließt.

Dann kommt der Gretag Eye One ins Spiel. Quato liefert den Monitor mit und ohne Colorimeter aus. Ich konnte die sogenannte Basic-Version nehmen, da ich schon zwei Colorimeter habe, den Pantone-Spyder und den etwas netteren i1. Quato liefert sogar passende Treiber für kompatible Colorimeter mit. iColor erkennt den Gretag sofort und dank DVI-Anschluß kann man sofort mit der Hardwarekalibrierung beginnen, die auf Knopfdruck vollautomatisch startet. Einige PDF auf der CD erklären den Vorgang recht grundlegend und auch, warum ein TFT auf 5800 K kalibriert sein sollte, wenn man optisch D50 haben will. Empfohlene Einstellungen sind: 5800 K, 1,8 Gamma, 120er Luminanz. Die sind vorweg angegeben, man muß nur einen Wert in der iColor-Standardvorgabe ändern, von 5000° auf 5800°.

Dann den i1 auf das Meßfeld und Kaffee trinken. Im Gegensatz zur Softkalibrierung mußt du hier gar nichts mehr machen, nichts mehr einstellen und die Geräte tauschen sich sehr viel präziser untereinander aus, als man es selbst mit viel Geduld von Menschenhand einstellen könnte. Das Ganze geht also immer noch recht zügig im Vergleich zu einer brauchbaren analogen Kalibration, bei der man ständig an den RGB-Werten dreht. iColor speichert dann das Monitorprofil, so daß man mehrere Kelvin/Gamma-Werte auf Abruf haben kann (wenn man es braucht) und aktiviert es als Standardprofil des Systems.

Mit dem Proof kann man dann den eigenen visuellen Vergleich machen und bei Bedraf das Profil feintunen. Die Farben stimmen. Im Cyan fehlt es ein bißchen und der Monitor ist minimal, minimalst gelblicher als der Proof, wobei ich den aber auch nicht unter echtem Normlicht angesehen habe, sondern bei «echtem» Tageslicht, das etwas bläulicher ist und also täuschen könnte. Ansonsten ist verblüffend, auch gemessen an den eigentlich schon sehr guten Eizo 885 hier im Studio, wie wenig der ansonsten so typischen TFT-Verbrechen der Quato an sich aufweist. Die Farben wirken natürlich, nicht zu grell oder kontraststark, das Banding ist nicht wahrnehmbar, die Ausleuchtung ist homogen, die Graubalance sauber, weiß ist weiß, schwarz ist schwarz. Mit einem Ausdruck im Cleverprinting-Magazin und einem Download-Link kann man sogar noch einen zweiten Proofcheck machen. Der Abgleich auch mit eigenen Offset-Ausdrucken und direkt mit dem alten CRT bringt an den Tag, daß die Farben zum Print weitestgehend perzeptiv sauber stimmen und der CRT sogar funzeliger und schwächer wirkt, bei ansonsten aber identischen Farben. Die Abweichungen zwischen Print und Monitor sind so gering, daß ich schon Digitalproofs gesehen habe, die weiter weg vom finalen Druck waren. Softprooftauglich ist der Intelli Proof 230 also sicher allemal. Generell haben TFT noch einiges an Verbesserungspotential in sich, und nicht ohne Grund bringt Quato ja auch 2007 einen Wide-Gamut-24″-TFT auf den Markt, der dann sicherlich noch einmal die Referenz-Grenzen verschieben dürfte, aber für einen Mid-Gamut-TFT ist der 230 schon sehr überzeugend. Zudem bringt ein TFT den klaren Vorteil des komplett planen Bildschirms, so daß man wirklich im Photoshop das Gefühl hat, im «Photo» zu arbeiten. Und natürlich spart ein TFT gegenüber dem 24″ Röhrenmonitor reichlich Platz auf dem Schreibtisch.
Den CG-220 konnte ich übrigens leider nicht testen, da Eizo ihn nicht mehr liefert, es wird einen Nachfolger CG-221 geben, aber in der Zwischenzeit scheint Eizo akut keinen High-End-TFT anzubieten.

10. August 2006 01:12 Uhr. Kategorie Technik. 11 Antworten.
Naja, der Fuß sieht recht wackelig aus…
rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr geiles teil =)
Nick, das Teil steht ohne Blende sehr stabil, da die Blenda aber nicht aus billigem Weichplastik, sondern wunderbar massiv ist, wäre etwas mehr Stabilität gut. Es ist nicht kritisch, aber es ginge etwas optimaler.
Dann bin ich etwas beruhigt. Das wäre ja schlimm, wenn der Monitor schon nach der ersten Benutzung herunterkracht… :)
Bei Benutzung herunterkrachen???
Was machst du denn mit deinem Monitor wenn du den “benutzt”?
danke für den test, hd.
wie war das nochmal mit dem proof – lag einer bei?
oder hast du einen eigenen von deiner druckerei/drucker?
Proof lag bei, als Print und als PDF zum Abgleich, mit Anleitung.
Zudem ist im Magazin noch eine Proof-Seite mit Downloadlink zur entsprechenden Datei.
Und ansonsten hab ich es mit den Bildern aus frishc gedruckten Sachen verglichen, also nicht Proof, sondern finaler Offsetdruck.
Ich halte Proofs eh nicht für sehr zuverlässig :-D
Kleiner Nachtrag: Die Blende ist sehr sehr unsicher. Inzwischen löst sich der Kleber des Klettverschlusses und die Blende kippt nach einiger Zeit immer langsam nach vorne. Unschön.
Ansonsten nach wie vor ein schöner Monitor.
Erstmal vielen Dank für den Erfahrungsbericht. Habe gerade den Intelli Proof 213 (basic) bestellt und möchte diesen früher oder später mit einem Intelli Proof 230 ergänzen (zur Zeit habe ich noch einen Sony GDM-F520). Bin schon gespannt auf den 213.
Kurze Frage: Ist die Kombination 5800K, 1.8, L=120 eine betriebssystemunabhängige Empfehlung (Windows und Mac)? Ich hatte meinen Röhrenmonitor bis jetzt auf 6500K kalibriert.
(Hauptanwendung ist digitale Bildverarbeitung unter Windows mit Ausdruck auf Epson Pro 4000 über ImagePrint RIP.)
Vielen Dank und schöne Grüße,
Jürgen
Soweit ich weiß, ist das vom OS unabhängig. 6500 ist einfahc falsch. 5000 bzw bei TFT-Displays mitunter auch leicht korrigiert 5800 (macht der Bildschirm aber automatisch) iust richtig. Bei dem 230er lag eine sehr präzise Anleitung bei und ein Magazin mit einer Einführung in die Farbkalibrierung, auch mit den richtrigen Farbprofilen (ECI) und so weiter. Wird also schon klappen :-D.
Einziges Manko an dem Monitor bisher: Die mit klettband gehaltene Lichtblende. Das Klettband tut es GAR nicht mehr und die Blende knallt alle paar Stunden nach unten, sehr unerfreulich.
[...] immer wieder erwähnenswert. Nachdem die Firma mir schon problemlos vor einiger Zeit einen defekten 23″ umtauschte, sogar im Upgrade gegen den größeren 260 Excellence Wide Gamut, besticht Quato jetzt [...]