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QUARK


Die neue Quark-Kampagne ist hinreißend. Echt. Wirklich. Mein letztes Design macht andere Menschen zu Millionären, behauptet da Chee, Senior Designer, der gern auch mal Lottoscheine gestaltet, mit der Grammatik aber auch mal Probleme haben darf. Wo Chee arbeitet, wissen wir nicht. Vielleicht in irgendeiner Datenbank für politisch einwandfreie Motive,vielleicht bei Benetton. Um Chee geht es ja mal auch gar nicht, obwohl man vielleicht aus Angst vor chinesischen Dumping-Preis-Designern schon zuerst etwas zusammenzuckt. Nein, es geht um Quark. Um XPress. 6.5. Schön erstmal, daß Quark als letzte Firma an solchen Nummern festhält.

QXP kann jetzt tolle Sachen. Die bisher nirgends nicht gingen. Ebenen, PSD-Import (einfach so, schon irre), Excel-Tabellen-Import und… Vollhammer: MEHRFACHES WIDERRUFEN.
Toll.

Mal abgesehen davon, daß «Widerrufen« eine wunderschön unbürokratische Eindeutschung von Undo ist (statt des öden Rückgängig), würde ich mich wirklich freuen, daß Quark das jetzt plötzlich alles kann. Wenn ich nicht schon seit paar Jahren mit InDesign arbeiten würde, das seit Jahren diese Features bietet. So wirkt es eher ein wenig wie spät-realsozialistische Ankündigungen…

Aber Quark kann noch mehr: «Falls Sie jemals mit QuarkXpress gearbeitet haben, wissen Sie bereits, wie Sie QuarkXPress 6.5 nutzen.» Ja, da wird ja der Hund in der Pfanne verrückt vor Freude. Einfahc so wissen, wie man eine Nachfolgeversion benutzt. Wenn Sie Opel fahren können, können Sie Opel fahren. Persil – da weiß man was man hat (Jaaaa… Persil eben, steht ja auf der Packung….) Die Softwarebedienung wird zum tautologischen Argument, die laienunfreundliche Insellösung zum Verkaufsargument. QXP benutzt also demnach nur, wer zu faul ist, sich neue Tastenkürzel zu merken. Leute wie Chee halt. Das im weiteren Text als Vorteil erwähnt wird, aufgrund dieser Vertrautheit würde die «zeitraubende Suche nach Kurzbefehlen» wegfallen, ist kaum weniger erfreulich. Ich kenne ein paar Leute, die seit Jahren mit QXP arbeiten und bei bestimmten Befehlen immer noch auf eine Shortcut-Card schauen müssen.

Ehrlich, ich habe alle meine QXP4-Befehle mit WONNE vergessen.

Und dann kommt das Kaufargument schlechthin. Wenn sonst nix zieht, dann geht man auf die Preisschiene Denn QXP kostet neu nur 1738 € brutto. Also etwa so viel wie die gesamte Adobe Creative Suite 2 Premium. Ein Paket mit Photoshop, Illustrator, Indesign, Acrobat und GoLive (das, zugegeben, kein Mensch so richtig verwendet). Na, wenn das kein Grund ist, bei Quark zu bleiben.

Das Quark am Schluß nach Erfahrungen mit unerwarteten, absurden oder schlimmen Projekten fragt, die die Leser einschicken sollen, damit Quark sie veröffentlichen kann…, läßt wirklich nur noch einen Schluß zu: Adobe hat diese Anzeigenserie finanziert, um QXP den Rest zu geben. Anders ist das nun echt nicht zu erklären. So schlecht darf Werbung sonst nicht sein. Eine echte Firma würde doch eher nach interessanten, spannenden und erfolgreichen Projekten fragen, gelle?

Gott, ich arbeite schon lange nicht mehr mit QXP und vermisse es nicht und irgendwie beschleicht mich ja oft die Ahnung, daß die meisten Agenturen ohnehin so bei 4 oder 5 mit den Updates aufgehört haben… und das auch nur, weil den Entscheidern irgendwie egal ist, womit ihre Mitarbeiter täglich zu kämpfen haben. Selbst obwohl Adobe die Entwicklung von ID künstlich etwas ausbremst und die Verschmelzung der CS-Komponenten langsamer geht als sie es vielleicht könnte, ist die Arbeit mit InDesign gegenüber Quark einfach gar kein Vergleich mehr. Porsche Boxter vs. VW Bully. Aber trotzdem… wir alle brauchen Quark. Und sei es nur als letzte Bastion gegen das totale Monopol von Adobe.

Also bitteschön, Jungens: Macht’s wenigstens eine halbwegs gute Werbung, wenn es schon mit der Software nicht mehr so klappt… ja?

Danke.

7. Juni 2005 13:44 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

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