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Prince: 20Ten

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Prince ist so einer dieser Fälle. Er hat sie alle überlebt – sogar seinen früheren großen Antipoden Michael Jackson -, aber um welchen Preis? Aus einem Musiker, der an Energie und Genialität kaum zu bremsen war, der ein virtuoser Instrumentalist und herausragender Arrangeur war, der einen feuchten Dreck auf Publikumserwartungen gegeben hat, scheint ein ratlos Suchender geworden zu sein, der nach zig Häutungen und exzentrischen Imagewechseln selbst bei den Zeugen Jehovas keine Antworten gefunden zu haben scheint. Prince Rogers Nelson bleibt ein Geheimnis, das zugleich nach Öffentlichkeit hungert, bleibt ein Kontrollfreak, der sich erfolgreich gegen seine Ausbeutung durch die Plattenindustrie gewehrt hat, aber seit dem Selbstvertrieb auch seltsam unwichtig wirkt, weil die Warner-Hype-Maschine ihn nicht mehr empordrückt.

«His old stuff was better» ist das schlimmste Urteil, mit dem man Künstlern kommen kann, und oft leider auch das wahrste. Es ist insofern vielleicht bezeichnend, dass Prince auf 20Ten – einem gratis als Zeitungs- und Zeitschriftenbeilage vertriebenen Album, das insofern fast eher Promotionmaterial zu sein scheint – bei der Suche nach seinem Sound wieder zurück an die Wurzeln gegangen ist und verdächtig nach «Prince/Dirty Mind/COntrovery/1999»-Zeiten klingt. Inwieweit das selbstironisch oder todernst gemeint ist, darf man sich bei Songtiteln wie «Everybody Loves Me» schon fragen. Klar ist jedenfalls, dass 20TEN eine seltsam fröhliche, für moderne Ohren seltsam einfach gestrickte Platte ist, die für Prince-Verhältnisse fast wohltuend unterproduziert ist. Es scheint fast, als habe auch Herr Nelson festgestellt, dass sein Material in den letzten, ähm, Dekaden, maßlos überproduziert und «bloated» war und sich nach seiner Jugend zurückgesehnt. Aber wie das so ist – you never can go back home again. 20TEN fehlt natürlich die saubeutelige, verschwitzte Funkyness der ersten Prince-Alben und gerade die grandiosen HIts von 1999, Princes erstem großen Durchbruch. Es ist toll, die alten Drumsounds wiederzuhören, die keiner so cool einzusetzen weiß wie Prince, und weiß Gott, 20TEN ist immer noch besser als vieles andere, was Prince in den letzten Dekaden verbrochen hat (mit der seltsamen Ausnahme von N.E.W.S, einem so seltsamen Ansatz, dass er irgendwie schon wieder toll war, weil er nach vorne ging). Es ist nicht allzuviel verkehrt daran, trockene Drums und funkige Gitarren zusammenzubringen, keine Frage. Aber dennoch ist es traurig, wenn jemand mit dem Talent von Prince, der sich eine Zeit lang von Album zu Album dramatisch neu zu erfinden wußte, so schmerzfrei in die eigenen Vergangenheit zurückreist und seinem jüngerem Alter Ego nicht mehr viel Neues zu sagen hat.

20TEN ist der Versuch, eine verlorene Unschuld zurückzugewinnen, aber die Zeiten haben sich geändert. Was in den 80s noch akzeptabel war, klingt heute wenig sportiv, und vor allem ist Prince nicht mehr der Sexy Lover, dem man die Anzüglichkeiten von Songs wie «Lady Cab Driver» sofort abnahm. 1999 war ein grandioses Album mit Höhen und Tiefen, Flügen und Abstürzen, aber es war wenig kalkuliert, es war eine (damals) seltsame neue Art von Funkmusik, die minimal und maximal zugleich war. 20TEN (und es ist sicher kein Zufall, dass Prince sich hier wieder auf eine Jahreszahl bezieht), ist anders als 1999 kein Blick in die Zukunft zu einer Art Futurefunk, sondern ein Blick in den Rückspiegel. Dass bei mit Tracks wie «Begging Endlessly» oder «Sticky Like Glue» durchaus gute Musik herauskommt wirkt umso trauriger angesichts des Eindrucks, hier eine Art verwässerte Fahrstuhl-Musik-Version des Originals in den Händen zu haben, einen retroaktiv entmannten Prince, der Funk ohne Eier und Soul ohne Seele produziert.

6. Dezember 2010 16:15 Uhr. Kategorie Musik. Tag .
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