


Samstag abend in der Live Music Hall in Köln. Sehr sehr voll, sehr gemischtes Publikum. Seltsamerweise ist es hinten etwas voller als vorne, je näher man an die Bühne kommt, desto mehr Sauerstoff hat man wieder. Die Stimmung und der Sound sind vorne natürlich auch besser, hinten ist es irgendwie zu leise. Die Band spielt sehr präzise 90 Minuten, eine Zugabe à zwei Songs, viel zu wenig, das wirkt zu routiniert, etwas kalt. Bei der Stimmung im Saal wäre eine zweite Zugabe schon nett gewesen. Das gesamte Set ist unglaublich sauber gespielt, jeder Musiker an seinem Instrument wie ein Uhrwerk, aber doch mit Spaß dabei. Für mich als Schlagzeuger ist der Drummer natürlich ein Geschenk, und es ist fast überraschend zu sehen, wie konzentriert und entspannt Gavin Harrison (der ja erst seit 2002 zum Line-up zählt) an seinem Kit eine wahre Naturgewalt entfesselt. Überhaupt – PT sind eine klare Mucker-Band, im Publikum unterhalten sich die Leute angeregt über den Instrumentalisten ihrer Wahl, ein Teil der Magie der Band ist eben, daß sie nicht nur einen von Pink Floyd ausgehenden weiterentwickelten psychedelischen Prog Rock macht, der fast schlafwandlerisch von ruhigen, fast süßlichen Passagen zu grandiosem Metal jenseits von DreamTheatre wechselt, mit komplexen Timings und Phrasen, sondern eben auch, daß jeder da oben auf der Bühne absolut sein Handwerk versteht. Die Musikstile, die Porcupine Tree vereinen, sind inzwischen so vielseitig und handwerklich derart zu einem homogenen Guß geworden, daß diese Band als langjähriger Geheimtip wohl nie einen echten Hit haben wird, sehr wohl aber Freunde aus den verschiedensten musikalischen Lagern und Altersgruppen bindet. Das musikalische Endergebnis ist geschliffen und zu jeder Sekunde perfekt, aber niemals blutarm oder emotionslos wie bei vielen anderen Musiker-spielen-für-Musiker-Kapellen. Im Gegenteil, gegenüber den Studioversionen (die ja schon unglaublich kraftvoll sind) wirken die Live-Fassungen wie feinst dosierter Sprengstoff. es gibt Passagen, wo dich die reine Wucht des Wall of Sound plattwälzt. Mit Trains endet das Konzert, viel zu kurz leider. Ein paar Songs mehr, wie Even Less oder Lightbulb Sun… damt hätte man schon gut leben können :-D
Das Konzert wird am 9.01. im Rockpalast (WDR) übertragen.
(Die Photos oben sind von der WDR-Site)
20. November 2005 16:02 Uhr. Kategorie Live. Eine Antwort.
[...] Knapp ein Jahr nach dem letzten Porcupine Tree Gig in Köln treten die Herren in Essen auf die Bühne der Weststadthallen, eine der seltsamsten Konzertlocations, die ich seit langem gesehen habe, weil sehr breit und kaum Tiefe, was für eine seltsame (recht schlechte) Akustik und auch ein seltsames Feeling beim Konzert sorgte. Steve Wilson kommentierte mehrfach, so eine lange «First Row» habe er noch nie bei einem Gig gesehen. [...]