

Mal wieder Zeit, ein paar Alben abzuarbeiten.
Das Porcupine-Konzert in Köln habe ich ja letztens verpasst, weil wir bis spät abends eine akute Rechner-Krise zu lösen hatten (Danke Acronis True Image, danke, danke, danke), aber immerhin kurz ein paar Worte zum aktuellen Album von Porcupine Tree. Fear of a blank Planet schließt nahtlos da an, wo Deadwing aufhört – aus dem psychedelischen Pink-Floyd-Kopisten Steve Wilson ist, da die Band inzwischen zum festen All-Star-Gefüge gewachsen ist, eine der handwerklich besten Progressive-Rock-Bands auf dem Planeten geworden. Musicians’ Musicians, die ihre Instrumente so beängstigend perfekt im Griff haben, dass jeder Track ebenso zum Showcase individuellen Könnens gerät wie zugleich eben auch Wilsons Händchen für seine eigenartige Mischung aus fast NuMetal-artigem Druck und ruhigen Akustikpassagen aufzuzeigen. Leider ist diese Mischung zunehmend statisch. Deadwing, In Absentia und auch Fear of a blank Planet folgen einer festen Rezeptur, die sich zunehmend weniger weiterentwickelt, die vielleicht hier an Pathos, dort an Härte gewinnt, aber im Kern etwas auf der Stelle tritt. Es ist etwas bezeichnend, dass Metanoia, immerhin nur eine reine Studiosession, zu den beeindruckendsten Porcupine-Alben der letzten Jahre gehört. In Absentia war bereits ein Musterstück an Pop-Pomp, handwerklich grandiose Mini-Spektakel, die den Trend von In Absentia zu deutlich härteren Klängen weiterentwickelten und Fear hat dem eigentlich nichts Neues hinzuzufügen, im Gegenteil. Fear of a blank planet, der Opener, ist die übliche Uptempo-Nummer, My Ashes der gewohnte ruhige, orchestral-schwelgende Track, der diesmal bedenklich nahe am Kitsch entlangschrammt. Herausragend ist Anethesize, eine mit 17 Minuten episch lange Nummer, die früher mal eine eigene Vinylseite beansprucht haben dürfte und die den Kern des Albums bildet. Aber auch hier wiederholen Porcupine altgewohnte Tricks, die Übergänge zwischen Ruhe und Power, das hypermonströse, alles an die Wand bretternde Schlagzeug, die vertrackten Rhythmen, die furiosen Wechsel, die den Song zu einer kleinen Rockoper mutieren. Anethesize verkörpert und summiert alles, was an den Porcupine der letzten Jahre herausragend ist… und schafft so hoffentlich als Apex einen Anlass, etwas neues zu beginnen. Nach diesem Track gibt es nur noch Selbstkopie oder einen Aufbruch zu neuen Ufern. Und tatsächlich dümpeln Sentimental und Way Out of Here spürbar vor sich hin, wirken wie ermüdet nach dem fast 20-minütigen Monster, nur Sleep Together bekommt noch einmal so etwas wie eine bedrohliche Atmosphäre, einen düsteren Wall of Sound hin.
Fear of a blank Planet liefert zuwenig Neues von einer Band, die uns in den letzten Jahren vielleicht zu sehr mit Experimenten und kreativer Sprunghaftig verwöhnt hat… die Scheibe klingt nach konservativen, soliden Tracks, die live den ein oder anderen Song ersetzen können, inhaltlich aber klingt alles ein wenig zu vorhersehbar, berechenbar. Mag sein, dass Porcupine jetzt einen klaren, kalkulierbaren, vermarktbaren Zielgruppensound entwickeln, um in immer grösseren Hallen spielen zu können, raus aus der Nische, rein in den Markt. Was etwas schade wäre. Denn vielleicht sollten Wilson und Co. Porcupine weniger als schon fast kommerzielles Allstar-Projekt sehen und ihre kreative Energie weniger in Nebenprojekte schaufeln und sich wieder einfach mehr austoben, neue Ziele anvisieren. Nachdem die letzten drei Alben die Band weitgehend redefiniert haben, wäre musikalisch ein neuer Quantensprung vielleicht wieder an der Zeit.
2. Juli 2007 13:42 Uhr. Kategorie Musik. Tag Alternative, Rock. Eine Antwort.
[...] das letzte Porcupine-Tree-Album insgesamt eher enttäuschend war, ist The Incident umso besser. Natürlich [...]