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PLANET TERROR

Mal ganz unter uns: Autokino ist für Trash-Filme grandios. Currywurst, etwas Alkohol, ein Hund auf dem Rücksitz und auf der Leinwand vor dir grotesk-absurder Horrormüll, das hat schon was für sich. Und in der Rubrik Trash-Film ist Robert Rodriguez Abgesang auf die B-Movie Horrorgenre der achtziger Jahre nicht zu unterschätzen. Schon der Soundtrack ist so unverschämt wundervoll bei Carpenter und Konsorten gestohlen, dass man die ganze Zeit Spaß hat, aber auch ganze Einstellungen und Szenerien erinnern an Halloween, einige Situationen an Assault on 13th Precinct, die Zombies sind natürlich von George Romero und das reine Level an Splatter bei Sam Raimi (Evil Dead) abgeschaut. Romero hat das Splatterzombieitalohorrorgenre 1968 mit Night of the Living Dead miterfunden, in der ersten großen Welle von Filmen, in denen Handlung ebenso egal war wie guter Geschmack und das Horrorgenre ins Absurde überspitzt wurde, einem absoluten No-Budget-Kultfilm sondersgleichen, an dessen Pop-Ikone der lebenden Leichen Planet Terror nahtlos anküpft. Überhaupt sind Zombies ja derzeit wieder sehr «in», und treiben in Comics und auch auf der Leinwand (Dawn of the Dead als Remake, aber eben auch 28 Days/Weeks Later) wieder munter ihr gehirnfressendes Unwesen. An Dawn of the Dead erinnert Planet Terror denn auch ungemein, ebenso an zig Plots von Stephen King, an Dario Argento und nicht zuletzt natürlich an die zweite Hälfte von From Dusk Till Dawn. Keine Frage, Rodriguez hat hier ein unglaubliches Genre-Spiegelkabinett geschrieben, gedreht, vertont und geschnitten. Planet Terror zelebriert ungeniert bis hin zu Filmrissen, fehlenden Filmrollen, digital montierten Kratzern und Brandblasen (für die ein dreiköpfiges Team verantwortlich zeichnet) den Stil des großen amerikanischen Horrorkinos und überzeichnet dabei noch dreister als Evil Dead es je konnte. Die postmoderne, enthemmte Gesellschaft, in der es keine Tabus mehr zu brechen gibt, schlägt hier durch. Die Symbiose aus GoGo-Girl und Maschinengewehr, in From Dusk Till Dawn schon als Sexmachine-Penispistole vorweggenommen (wo man sich ja auch schon fragte:«Wir zur Hölle wird da eigentlich abgedrückt?»), ist symbolisch für die völlige Abschiednahme von der Schamgrenze, den ultimativen Over-The-Top-Gestus von Planet Terror. Gesammelte Hoden im Glas und Tarantinos zombifiziert-hüttenkäseschmelzender Penis gehören dazu ebenso wie die sexyböse Ärztin Dakota Black oder spärlich bekleidete Screamqueen-Opfer. Rose McGowan (die inzwischen so dürr ist, das Mischa Barton dagegen übergewichtig wirkt), die in DeathProof ja einen eher frühen Tod starb, darf hier als Heldin von der Nacktänzerin zur Madonna mutieren, Bruce Willis hat einen großartigen Überraschungsauftritt, Tarantino persifiliert seine Vergewaltiger-Rolle in From Dusk Till Dawn, und überhaupt scheint die ganze Crew einen irren Spaß daran zu haben, die ja seinerzeit durchaus eher ernst gemeinten, unfreiwillig peinlichen Filme ihrer Jugend zu parodieren. Das eine fehlende Filmrolle einen riesigen unlogischen Handlungssprung kaschiert, dass die Logik des Films sich nach den ersten zwei Minuten verabschiedet, dass völlig dreist die Elemente von etwa siebzig anderen Horrorfilmen stiehlt, dass genüsslich aus eigenen Filmen und von Tarantino zitiert wird (Sherrif Earl McGraw aus Death Proof und Kill Bill, Tarantinos erster Auftritt, der an seine Alias-Folge erinnert, zahlreiche Anspielungen an Kill Bill und Reservoir Dogs und sogar an Death Proof [Jungle Julia])… all das macht klar, dass Planet Terror – wie Death Proof - in erster Linie ein Hommage-Film ist, eine Zitatenorgie, ein ironisch gebrochenes Insider-Ratespiel. Wo Tarantino aber schafft, selbst den Trash noch mit Subtext aufzuladen und die Hommage auf eine eigene Ebene zu wuchten, ergibt sich Rodriguez dem Originalmaterial und begnügt sich damit, die Lautstärke hoch auf 11 zu drehen. Planet Terror ist einfach trashiger, lauter, absurder, verrückter, aberwitziger und unsinniger als die Bad-Taste-Vorbilder, mehr Blut, mehr Sex, mehr Gore. Wie in den El Mariachi-Filmeb, wie bei Sin City oder Spy Kids zeigt sich Rodriguez als multitalentierter Handwerker, als Auteur alter Schule, der einen Film fast im Alleingang stemmt, als begnadeter Kopist und Stilist, als jemand, der mit nahezu keinem Budget einen groß wirkenden Film synthetisieren kann … aber im Grunde hat er jenseits von nackter Over-the-top-Ästhetik wenig zu sagen. Rodriguez hat keine Botschaft, keinen Inhalt. Sein Medium transportiert Bilder und Affekte, aber wenig mehr. Nicht ohne Grund ist Sin City eine 1:1 Kopie des Comics. Im Gegensatz eben zu Tarantino, aus dessen Zitatenstadl immer auch etwas neues und einzigartiges emergiert. Aber was soll’s: Planet Terror ist ein verdrogter Zombiefilm, verdammt, wer braucht da INHALT? Sexy, blutig, lustig, irre, witzig und natürlich frei von jeglichem Ballst, von Sinn und Handlung – also genau so, wie es sein soll. Und insofern ein absolut (un)würdiger Nachfolger für From Dusk Till Dawn.

Oh… und wie Death Proof hat auch Planet Terror ein Kickass-Plakat. SO sehen Kinoplakate aus.

14. Oktober 2007 16:24 Uhr. Kategorie Film.
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