
Und noch ein Lebenszeichen aus den 80s: Pieter Nooten ist nicht nur Kopf der um 1985 spannend gewesenen Clan of Xymos, sondern hat vor allem 1987 mit dem kanadischen Ambient-Musiker das phantastische Album «Sleeps with the Fishes» unter dem 4AD-Label veröffentlicht, eine bis heute hinreissend vorsichtige, sich herantastende Einspielung, die ganz wunderbar im Gegensatz zum Waverock von Xymox steht und die Jahre deutlich besser überlebt hat. Sein 2010er Album «Here is Why» knüpft an diesen Klassiker sehr direkt an und lässt Nootens Liebe zu This Mortal Coil in frischem Glanz erscheinen, gebrochen durch die Ambient-Entspannungsmusik-Ästhetik, die Nooten jahrelang verfolgt hat. Insofern ist «Here is Why» oft einen Hauch zu Chill-Out, zu sehr wie ein warmes Bad – aber sei’s drum, andererseits fällt Nooten nie in die Falle, wirklich nach aufgewärmten 80s zu klingen, sondern einen durchaus modernen introspektiven Sound zu fahren, der nicht so sparsam ist wie etwa James Blake, der aber durchaus mit sanftem Minimalismus auskommt, mit einem Moll-Schauer nach dem anderen. «Here is Why» ist kein abwechslungsreiches Album, und die glockigen Synthwolken gehen einem in ihrer Perfektion nach einer Weile auch gern mal auf die Nerven, weil einfach alles zu weich, zu formlos, zu schwebend ist – aber genau diese Trance ist natürlich auch Ziel der Musik, eine Art Suche nach einer hypnotischen Schönheit, einer Art schimmernden Perfektion. Tatsächlich ist Nooten das auf «Fishes» einen Hauch kantiger, unsicherer, unsauberer und insofern natürlich besser gelungen, die Fehler gehören zur Perfektion – paradoxerweise klingt «Here is why» runder und perfekter und genau das ist der Makel des Albums, es ist zu selbstgewiss, es tastet sich nicht mehr im Dunkeln voran, es steht bereits im Licht. Da ist kein Sound zu laut oder leise, kein Gesang im Keller vernuschelt, alles ist geschliffen und digital-genau. Wo er es auf «Fishes» meist geschafft hat, seine Sounds ein bisschen zeitlos klingen zu lassen, erwischt man sich bei «Here is Why» sicher dabei, dass man den Künstler im Studio oder vorm Laptop sitzen sieht und überlegt, welche Soundmodule wohl im Einsatz waren. Abgesehen davon ist «Here is Why» ein sehr fluides, sehr angenehmes Stück Musik, ein geschlossenes und gelungenes Werk, das man sicher nicht in jeder Lebenslage hören kann, so wenig wie einem immer der Sinn nach grünem Tee steht, das aber ohne weiteres geeignet ist, dich aus der Welt zu ziehen, wenn du es brauchst, in Nootens Little Slumberland. Und mehr muss ja vielleicht gar nicht sein.
16. Februar 2011 19:34 Uhr. Kategorie Musik. Tag Alternative. Keine Antwort.