
Man kann Paul Arden vieles vorwerfen, offensive Bescheidenheit sicher nicht. God explained in a Taxi Ride ist auf der Rückseite als «The world’s second best book on god» beworben. Und hier wird auch schon eine Schwäche von Ardens Ausflug in die Religion klar: Er beschränkt sich vielleicht etwas zu sehr auf «den» einen christlichen Gott, zudem noch auf eine etwas naive Vorstellung davon, und diese Perspektive, so offen Arden damit umgeht, ist etwas schwach für ein Buch mit so viel Ego.
In zur Marke Arden gehörenden Stil – gigantische Headlines, minimaler Text, viel Zeichnungen (diesmal durchgehend von Mark Buckingham) – geht Arden gegen den aus seiner Sicht antispirituellen Darwinismus an, erklärt, das Glauben nicht Wissen bedeute, sondern Vertrauen, kritisiert die Kirche, relativiert die Bibel als Niederschrift oraler Tradition und somit als nicht unbedingt verbindlich, philosophiert über die Absurdität religiöser Kriege (nur ein schlechter Glaubender denkt, dass ein allmächtiger Gott «verteidigt» werden will) oder über den Konsumerismus als neue Form der westlichen Religion («Supermarkets are the new cathedrals»), streift hochtolerant einige andere Religionen und kommt am Ende zum Fazit, das Gott der Name ist, den wir der Kraft geben, die hinter der Schöpfung steht.
Es ist, wie bei Arden üblich, ein im Kern banales Buch, dass er aber so warmherzig und voller britischem Charme verkauft, dass man ihm dafür nicht böse sein mag, im Gegenteil: Ardens Bücher sind wie Kinderbücher für Erwachsene. Viele Bilder, riesige Schrift, einfache und optimistische Botschaften. Keins seiner Bücher eckt an oder braucht länger als 30 Minuten zum Lesen und Verarbeiten. Was den Spaßfaktor der schmalen Bände aber beileibe nicht mildert.
Es ist mutig von Arden, sich von einfachen Motivationsbotschaten ins spirituelle zu begeben, vielleicht zu mutig. Aber im Grunde bleibt God explained in a Taxi Ride ein Konsens-Buch, das Ansichten über Gott und Religion, Kirche und Toleranz verbreitet, die so einfach, so grundlegend sind, dass sich wahrscheinlich die unterschiedlichsten Glaubensrichtungen auf dieses Basics einigen könnten. Mit dem leicht durchschimmernden kreationistischen Touch des Buches habe ich etwas Bauchweh, aber die These, dass hinter der Evolutio, hinter all den Ketten von Zufällen, vielleicht noch mehr steht, ist ja durchaus so offen, dass man sie als recht universelle, spezifische Religionen transzendierenden Vorstellung von «Gott» akzeptieren kann. Ardens Buch ist sehr persönlich, warmherzig und zeigt auf, dass im Herzen der christlichen Vorstellung von Gott eine Toleranz und Spiritualität leben kann, die mit der inneren Größe anderer Religionen durchaus mithalten kann und die durchaus als Ethos einer zivilisierten modernen Gesellschaft funktioniert. Das Arden dies in aller Naivität tut und an unsere Kindlichkeit appelliert, ist dabei in diesem Kontext ein nur sinnvoller Kunstgriff. God explained in a Taxi Ride ist in aller Kürze seine persönliche Liebeserklärung an einen Gott, der jenseits kirchlicher oder kultiger Kontexte besteht – und damit ganz auf der Höhe der Zeit, in der Religion mehr und mehr zur Patchwork-Lösung wird. Das zweitbeste Buch über Gott ist es sicher nicht, sondern eher eine Powerpoint-Präsentation in Buchform, aber in dieser destillierten Kinderbuch-Form eben auch eine adäquate Auseinandersetzung mit einem Thema, das vielleicht besser funktioniert, je weniger man sagt.
3. Februar 2008 11:39 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.