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PARIS, JE T’AIME

Passender Abschluss des Paris-Urlaubs, irgendwie, sich diese Anthologie von Kurzfilmen zur City of Lights anzusehen. In 18 kurzen Episoden versammelt Paris, je t’aime teils banale, teils komische, teils berührende Liebesgeschichten rund um verschiedene Orte und Quartiers von Paris. Bei einer solchen Dichte von Filmen ist die Qualität unweigerlich durchwachsen, auch wenn hochrangige internationale Regisseure, wie Wes Craven, die Coen-Brüder oder Tom Tykwer beteiligt sind, von einer fast erschütternden Garde an Star-Mimen einmal ganz zu schweigen. An ein paar Stellen im Film hab ich nur noch schwach murmeln können: Damn, gibt es irgendwen, der hier NICHT mitspielt? Frankreichs absolute A-Garde wird umrahmt von internationalen Stars und absolut vielversprechenden Newcomern. Die darstellerischen Leistungen sind oft sogar überzeugender als die Storys an sich, wobei es zugegeben schwer ist, in nur fünf bis sieben Minuten eine atmosphärisch dichte Geschichte zu spinnen. Manches wirkt durchaus auch mal banal, manches aufgesetzt. Vincenzo Natali, immerhin einer der Macher von Cube (der gerade an JG Ballards High Rise sitzt, nebenbei), enttäuscht leider mit einer Sin-City-meets-Dracula-Story, Wes Craven, einer der Horror-Altmeister schlechthin, wirkt platt, Gus van Sant, den ich sonst oft mag, bringt eine flachwitzelnde Pointe. Andere Shorts sind umwerfend, allen vorweg die Episode Loin de 16e, von Walter Salles und Daniela Thomas, die mit einfachsten Mitteln und nur einer Darstellerin auskommend, eine der anrührendsten und unangestrengtesten Geschichten des Films abgibt. Tom Tykwer, dessen Episode in Faubourg Saint-Denis angesiedelt ist, erzählt (prominent unterstützt von Natalie Portman) eine rasante Liebesgeschichte zwischen dem Blinden Thomas und der Schauspielerin Francine, die leider am Ende in ein etwas flaches Happy Ende abdriftet, mittendrin aber so wunderbar MTV-Ästhetik und narratives Handwerk vermählt, dass man fast nicht glauben mag, dass der gleiche Regisseur Das Parfum so verbeutelt haben kann ;-D. Dazu Portmanns Stimme am Anfang über den Soundtrack, das ist an Melodramatik kaum zu toppen. Die Eiffelturm-Episode mit den beiden Pantomimen ist hochgradig absurd und – gerade WEIL Pantomimen nerven – wunderbar, die Bastille-Episode mit dem Mann, der sich von seiner frau trennen will, bevor er erfährt, dass sie an Leukämie sterben wird, hat eine fast Jeunet-artige Mischung aus Leichtigkeit und Melancholie… und die letzte Episode mit der großartigen Margo Martindale als amerikanische Touristin in Paris hat zwar einen etwas kitschigen Schlusspunkt, dafür aber auch eine der mitunter bewegendsten stillen Szenen des Films und eine grandios selbstironische Hauptdarstellerin.

Paris, je t’aime ist keine durchweg großartige Sammlung von Kurzfilmen, was auch sicherlich nahezu unmöglich gewesen wäre. Aber im Querschnitt gelingt es den Filmen, zu unterhalten oder zu berühren und viel mehr kann und sollte man nicht erwarten. Die großartigen Darsteller machen den Film zu einem Feuerwerk an name-dropping, aber es sind oft die unbekannten Gesichter, die du mit nach Hause nimmst, so wie Catalina Sandino Moreno oder Seydou Boro. Das es zudem einem Film gelingt, dem Klischee-Thema Paris neue Seiten abzugewinnen und geradezu dezent mit der Stadt als Background umzugehen, also nahezu kitschfrei zu operieren… das verdient Anerkennung. Oh… und der Soundtrack ist grandios.

31. Januar 2007 23:09 Uhr. Kategorie Film.
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