
Steven Soderberghs Oceans-Serie ist längst keine Film-Trilogie mehr, sondern eine Art Boygroup-Klassenfahrt. Einmal im Jahr trifft sich eine Art modernes Ratpack, angeführt von den Frauenschwarm-Superstars Clooney und Pitt und hat gemeinsam – ganz wie eine Art Kegelclub – einfach Spaß, während zufällig eine Kamera dabei ist. Dass man sich dabei noch die Mühe macht, so etwas wie eine beiläufige Handlung zu erfinden, ist dabei dankenswert, aber kaum wirklich wichtig. Schon im zweiten Teil war der Plot eher hanebüchen und hat sich selbst auf wunderbare Art und Weise gegen Ende völlig ad absurdum geführt, es ging vielmehr um ein geschicktes Doppelspiel mit der Tatsache, dass hier Hollywoods dickste Brocken gemeinsam vor der Kamera spielen, Oceans 12 war sehr nahe dran an Soderberghs Full Frontal. War Oceans 11 noch ein echter Film, Soderberghs Hommage an die Rat-Pack-Movies und Rififi, so geht es in 12 sicherlich mehr um Hollywood-Klatsch. Und auch wenn am Ende von 13 Clooney/Danny zu Pitt/Rusty sagt, er solle sich doch mal ein paar Kinder anschaffen, so ist der eigentliche Gag natürlich, dass Pitt zur Zeit des Drehs sich mit Angelina Jolie ja tatsächlich Kinder «angeschafft» hat. Selbst die Abwesenheit von Julia Roberts wird noch als Gag verbraten – «nicht ihre Baustelle». Und auch Oprah Winfrey kriegt ihr Fett weg.
13 ist deutlich linearer als 12, vielleicht weil 12 zu komplex für das US-Publikum war und schlecht ankam. Im Grunde wird in 13 nur ein Plan entwickelt und der wird dann auch – mit wirklich minimalen Problemen – einfach durchgezogen. Der Spaß dabei ist, dass die 13 im Grunde nicht als Gentleman-Gangster, sondern als Good Guys gegen den unausstehlichen Casino-/Hotelbesitzer Willie Bank (von Al Pacino grandios im Halbschlaf als Selbstparodie gespielt) antreten, der ihren Partner Reuben (as usual großartig: Elliot Gould) abgezockt hat. Danny und Rusty entwickeln einen absurd komplizierten Plan, der vor allem beweist, dass alles geht, wenn man nur mit genügend Geld um sich wirft. Was vielleicht auch ein Metakommentar auf das Filmemachen an sich ist, wo alles geht, wenn man nur genügend Budget verprasst.
In jedem Rififi-Movie geht es eigentlich nur um die Frage, ob ein Plan funktioniert oder eben nicht. Bei Oceans 13 stellt sich die Frage kaum, Hindernisse werden cool und nonchalant umgangen und Komplikationen scheinen nicht wirklich zu existieren. Mit fast gelangweiltem Selbstvertrauen loungen Pitt, Clooney und die anderen Boygroup-Jungs an Pools, in Suites, in Hotels und an anderen lässigen Locations und der gesamte Film fühlt sich an wie ein DuranDuran-Video, das zufällig in Las Vegas spielt. Soderberghs Verbeugung vor Sinatra und Co, vor Filmen wie Casino, vor der Legende der Wüstenstadt ist in jeder Einstellung spürbar, Oceans 13 ist Glitterama pur, eine Orgie aus Licht und Show, die nicht ganz zufällig mit einem Höhenfeuerwerk endet, das sich in den Gesichtern der Superstars spiegelt, an deren Gesichtern die Kamera ehrfürchtig, ein wenig wehmütig fast, vorbeistreicht, in einer Szene, die fast 1:1 dem ersten Teil entlehnt ist.
Die Handlung selbst, von Koppelman und Levien verfasst, wirkt seltsam steif. Es gibt eine fast langatmige Expositionsphase, in der viel geredet und erklärt wird. Die Gang wird dann – seltsam undramatisch – zusammengetrommelt und trennt sich auch ebenso schnell wieder, fast gelangweilt voneinander. Der Überfall basiert auf so vielen Elementen und so viel Unwahrscheinlichkeiten, dass man schnell gewillt ist, sich – wie bei einem Disney-Film – komplett aus der Handlung auszukoppeln und sich den schönen Bildern zu ergeben. Im Grunde, trotz der überkomplizierten Handlung, ist Oceans 13 ein seltsam naiver Film, ein Kinderfilm. Jeder von Willie Banks’ angestellten ist bestech- oder verführbar, die absurdesten Winkelzüge fruchten reibungslos… die ganze Sache flutscht einfach zu gut, um jemals wirklich spannend zu werden. Nahezu höhepunktlos arbeitet sich Oceans 13 durch eine Handlung, der es an echter Motivation und an einem überzeugenden McGuffin fehlt. Im Gegensatz zu den ersten beiden Teilen erlaubt sich 13 zudem den Luxus, in fast slapstickartige Momente abzurutschen. Der Humor wird mitunter spürbar heavy-handed und erinnert eher an Louis de Funès als an die ironisch-elegante Leichtigkeit von Oceans 11. Für Soderbergh, der sonst eher anspruchsvolle Stoffe anpackt, ist das Ganze vielleicht auch ein Ventil, ein Gegengewicht. Ein Film, den man wie eine lässige und elegante Party durchziehen kann.
Zu dem Kegelclub-Humor passt, dass nahezu keine Frauen in diesem Film stattfinden. Einzig Ellen Barkin hat als Abigail Sponder eine Semi-Hauptrolle, die aber bei weitem nicht an die Bedeutung von Roberts oder auch nur Zeta-Jones in Oceans 12 heranreicht. Barkin, deren Silikonbrüste- und lippen sie nun nicht unbedingt femininer machen und die insgesamt eher als Lachnummer durch den Film trippelt, obwohl sie ihre Karriere vor ewigen Zeiten einmal als «starke», fast maskuline Frau begonnen hat, wird hier zum Running Gag der Boygroup-Posse degradiert – vor allem gegen Ende, als sie Matt Damon verfällt. Die Rolle der tölpelhaften notgeilen Alten mit Falten und zu engem Kostüm könnte nicht misogyner angelegt sein.
Und dennoch ist Oceans 13 beileibe kein schlechter Film. Pitt und Clooney hangeln sich augenzwinkernd und charmant durch die nicht vorhandene Handlung, und tragen den Film mit ihrer Coolness und Ironie. Selbstgewiss und easy tanzen die beiden einen furiosen paso doble, der alles andere unwichtig werden lässt. Überhaupt ist die ganze Oceans-Posse gut aufgelegt, jagt einen witzigen Oneliner nach dem nächsten vom Stapel – selten war Klassenfahrt so witzig. Wenn der Humor auch manchmal zu oberflächlich wird, lebt der Film von dem schieren schadenfreudigen Spaß den die Oceans-Gang verbreitet. Die smarten Dialoge, die unbedingte Lässigkeit, das ganze unbeschwerte Flair, der ganze Look, der jederzeit eine Armani-Anzeige hergäbe, die Sonnenbrillen, die Hemden, the everything. Es macht definitiv Spaß, das Gehirn abzuschalten und coolen Jungs dabei zuzusehen, wie sie grinsend ihr Ding durchziehen und dann in die Sonne reiten. Oceans 13 ist ein manchmal skurriller, immer ultraglossy produzierter Abgesang auf die Männerfreundschaft. Nur, dass dieser Kegelverein eben wirklich eine hochphotogene Figur dabei macht. Wenn die All-Star-Boygroup also in Oceans 14 nur noch an der Bar sitzt, Whiskey nippt und plaudert, würde ich es mir immer noch mit Freuden ansehen.
7. Juni 2007 16:45 Uhr. Kategorie Leben. 6 Antworten.
War grad eben drin … Dein Kommentar trifft es sehr exakt, nur Spaß hatte ich bei dem Film an maximal 2-3 kleinen Stellen. Und warum the fuck muss so ein teurer “ultraglossy-Film” digital produziert werden?
Handlung war gestern abend sekundär, ich habe mich ganz der Bilderflut hingegeben und genossen.
habt ihr den synchronisiert oder in ovt gesehen?
ich bin ein großer fan der ersten beiden – besonders des zweiten teils – aber ich fürchte auf deutsch ertrage ich das nicht. muss ich mal wieder bis nach düsseldorf fahren nur um ins kino zu gehen? :D
ein bischen hat er mich an james bond erinnert – einfach zuu unrealistisch und einfach zu viel product placement, in dieser geilen seventies bilderwelt fallen die samsung handies, die dell-notebooks und flatscreens einfach zu sehr auf. trotzdem geile kombi.
gibt es überhaupt ein film mit handlung die eines buches würdig ist?
Klaro. . . obwohl Film ein eigenes Medium ist. Die wirklich besten Filme basieren auf Originalskripts, nicht auf Adaptionen.