
Das zweite Album der französischen Formation Nouvelle Vague habe ich mir ehrlich gesagt nur zugelegt, weil ich auf die salsa-esque Fassung von dem Bauhaus-Meisterwerk Bela Lugosi’s Dead gespannt war und Respekt vor jeder Band habe, die ein Juwel wie Escape Myself von The Sound ausgräbt. Die beiden Tracks schließen nahtlos, vielleicht zu nahtlos, an das Vorgängeralbum an, während der rest der CD zu einem Großteil bereits zeigt, wohin sich Nouvelle Vague anscheinend entwickeln werden: zur 80er-Party im ironischen Jazzgewand. Waren auf der ersten Platte noch mehr New Wave- und Punk-Nummern vertreten, überwiegen hier bereits eher muffige Achtziger-Stiefel wie Dancing With Myself oder Don’t Go. Zwar finden sich auch noch Re-Interpretationen von Cramps, Buzzcocks und A Certain Ratio, aber das ausgerechnet ein NDW-Hit wie Eisbär als Single ausgekoppelt war, ist wohl leider wegweisend.
Nouvelle Vague machen Musik, die in den Achtzigern Punk, Wave und davon inspirierte Chartsmusik gehört haben und sich die ganzen Sachen heute nostalgisch wieder anhören möchten, aber doch bitte auf eine entspannte, weniger anstrengende Art. Musik, kurzum, für die Altgewordenen. Pantoffelnostalgie. Den alten Nummern werden die Verzerrer und die Energie geklaut und alles kommt swingend und loungig daher. Ohne Energie, ohne Zähne, ohne Wut, ohne No-Future. Ohne die Angst und Paranoia, ohne zuviel Make-Up, ohne Tragödie. Und insofern unendlich langweilig und flau, reine Parodie, leeres Zitat. Die ungeheuer flockigen Interpretationen und der französische Charme machen das leicht und insofern verführerisch erträglich, aber im Grunde bleibt doch, dass hier einer energetischen Bewegung die Zähne gezogen werden. Wie der Punk selbst, der heute mit Konsumbands wie Billy Talent und Green Day im Mainstreamradio angekommen ist (wo er ja auch immer hinwollte), sind eben auch die rebellischen Teens von früher dicker und braver geworden, arriviert. Mir ist letztens aufgefallen, wie viele Leute aus meiner Generation stehen geblieben sind, nur noch die Tracks von früher hören wollen. Die Musik, die sie daran erinnert, wie das Leben war, als sie 18 waren. Anstatt die Musik zu hören, die sie hören würden, wenn sie HEUTE 18 wären. Anstelle des Neuen wird das Vertraute gesucht, anstelle der Entdeckung die Erinnerung bevorzugt. Genau diese Nische bedient Nouvelle Vague und genau das macht diese Platte, bei aller Sympathie, bei allem Humor der Re-Interpretation und so nett das alles als Hintergrundmusik bei Parties sein mag, zu einer irgendwie traurigen Sache: Es ist unterm Strich eine Platte für Leute mit Bausparvertrag.
25. Dezember 2006 02:54 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.