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Nneka: No longer at ease

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Nneka Egbunas zweites, 2008 erschienenes Album No Longer at Ease, ist ein perfektes Beispiel dafür, was deutscher Pop jenseits der Viva-Zielgruppe leisten kann, ohne geich chartsfremd zu werden. Die Hamburger Songwriterin hüpft auf dem elegant produzierten Album durch sämtliche Stilschubladen, ohne jemals beliebig zu werden oder einen eigenen Sound zu verlieren. HipHop, Dub, TripHop, Soul, Ragga und zahllose andere Elemente breiten einen eleganten Teppich für die Stimme der Sängerin aus, die sich urban und dreckig à la M.I.A. zeigen kann, aber auch jazzige Töne stemmt – aber immer mit einer Schaufel Dreck in der Stimme, mit einer Echtheit, die der zu der Chuzpe passt, als deutscher Act ausgerechnet Dub zu machen. Mitunter schwirrt das Album zu sehr, ist unentschieden, will Pop liefern, aber auch eine harte Kante zeigen, will Tricky sein und Lauryn Hill, aber über weite Strecken gelingt der Mix, das Ergebnis ist nicht Gemischtwarenhandlung, sondern eine Reise durch ein eklektizistisches musikalisches Denken, eine Art Mix-Tape, das trotzdem einen klaren eigenen Geschmack zeigt. Hier probiert sich jemand aus und weiß doch, wohin die Reise geht.

Heartbeat, die Auskopplung, ist die aus dem Album herausragende Nummer, nicht, weil sie besser wäre, sondern weil sie aus dem sonst eher ruhigen Slowbeat-Gerüst heraus völlig nach vorne geht, hektisch, fast wie ein alter Moloko-Song, eine meiner Lieblingsnummern im letzten Jahr – vielseitig, elegant, zittrig, unfertig und insofern perfekt. Der Rest des Albums ist – fast leider – smoother geworden, ruhiger, nicht so wütend und insofern paradoxerweise mainstream-kompatibler als die Auskopplung. Das streckenweise an Portishead gemahnende Deadly Combination lässt noch einmal ahnen, wie gut Nneka auch außerhalb der vielleicht zu passenden African-Music-Schiene funktionieren würde, mit härteren Klängen, die weniger zum Patrice-Publikum passen würden. Hier zeigt eine Sängerin ihre musikalische Schuhsammlung, von straightem Pop bis zu harten elektronischen Klängen, von tanzwütigen Africanbeat bis zu träge scheppenden Dubsounds – und überzeugt in jeder ihrer vielen Rollen. Diese vielen Facetten bedingen, dass nicht jeder Song sofort für jeden Zuhörer zünden mag, machen aber glaubhaft, dass Nneka keine Lust hat sich in irgendwelche Schubladen stecken zu lassen – und dieser (meist) klischeefreie Genremix ebenso wie die viel weniger «deutsch» klingende Produktion des zweiten Albums tun No Longer at Ease insgesamt gut und verhindern jede Form von Langeweile.

1. Februar 2009 10:41 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

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