
Ich mag Nelly Furtado eigentlich seit ihrem ersten Album Whoa Nelly. Jung, gutaussehend, hochtalentiert hat sie vom Erstling an einen international vermarktbaren Pop präsentiert, der trotzdem Ecken und Kanten hat, radiotauglich und doch nicht reiner Mainstream und obendrein selbstkomponiert. Die nöhlende Stimme der kleinen portugiesischen Kanadierin Ihr zweites Album Folklore wirkte deutlich gereifter,vielseitiger, tiefer als Whoa Nelly davor und in diesem Sinne ist Loose vielleicht ein Schritt zurück. Zurück zum Kommerz, wie schon das an eine Autogrammkarte erinnerde Starbildchen nahelegt. Zurück zum amerikanischen Markt, vor allem, den sie hier mit der Producercrew um Timbaland im Beyoncé-Stil zu bedienen versucht. Weil Furtado trotzdem mit ihren skurrilen Einfällen ab und zu durchblitzt, ist die Platte nicht ganz so glatt poliert, wie man befürchten müßte, aber gegenüber Folklore wirkt sie ungleich kommerzieller, stampfender und deutlich weniger ambitioniert. Ohne Zweifel eine Gute-Laune-Platte, Loose eben, aber auch ohne jeden wirklichen Tiefgang. Braucht es im Pop vielleicht auch nicht. Und die Rechnung scheint aufzugehen: Der Kracher Maneater und die US-Dancefloornummer Promiscous Girl haben das Album zum internationalen Durchstarter gemacht. Es gibt wirklich schlimme Tracks, wie Showtime oder In God’s Hands, aber auch insgesamt wirkt das Album eher wie ein Schritt zurück und es ist bedrückend, daß es kommerziell so erfolgreich ist, denn musikalisch ertrinken hier Furtados ehedem schöne Pop-Anflüge in Mr. Mosleys mißlungenem Versuch, sie zu einer zweiten ShakiraMadonnaBeyoncé zu modellen. Nichtsagend, flach, unsensibel, vorhersehbar und weitestgehend enttäuschend. Maneater macht Spaß, Promiscous groovt ganz nett und Afraid hat noch Energy, der Rest dümpelt schwer auf Halbflagge. Bleibt sehr zu hoffen, daß Furtado auf ihrem nächsten Release wieder etwas mutiger zu einem eigenen, einzigartigeren Stil findet und nicht nur auf den kurzfristigen Chart-Erfolg schielt. Unterm Strich eine Platte zum netten Nebenbei-Hören, aber weit entfernt von dem Potential des Vorgängers.
12. Juli 2006 09:12 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.