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MUSIK


Madita
Madita
Das Produktionsduo von Couch Records hat mit der österreichischen Schauspielerin Madita einen Glücksgriff getan. Nicht nur, weil sie sich perfekt à la Nelly Furtado vermarkten läßt, sondern vor allem, weil ihr Debutalbum traumwandlerisch zwischen Jazz und Pop und E-Lounge irrlichtert. Der erste Track, Ceylon, ist sicher nicht ohne Grund der Chartkompatibelste und eingängigste, aber nahezu jede Nummer des Albums hat Qualität und setzt sich im Ohr fest. Der nöhlende Gesang von Madita schwebt dominierend über den elektrojazzigen Tracks, die sich nur sehr sehr seltsn im Sound und Sample vergreifen und ansonsten so mühelos durch den Raum perlen, das jeder Fan von Torrini, Furtado oder Norby sich hier sofort wohl fühlen muß. Sehr leichte, aber großartige Platte, die nicht ohne Grund fast on heavy rotation bei mir läuft.


My Morning Jacket Z
Nach It Still Moves mein zweites Album von der Louisviller Kapelle My Morning Jacket und ein großartiger Schritt in eine neue Richtung. War der Vorgänger noch in einem alten Kornspeicher aufgenommen und insofern eine Übung aus verhallter Melancholie, beginnt das neue Album so knochentrocken, als wollten MMJ ganz bewußt den Mythos als die Countryversion von The Jesus & Mary Chain ablegen. Ergänzt um sparsame elektronische Elemente, geht der erste Track völlig neue Wege, ohne die Melancholie von Jim James Gesang dabei zu verlieren. Insgesamt wirkt Z vielseitiger und spannender, weniger fokussiert und neugieriger als das vorhergegangene Album. Bei Off the record perlt sogar deutlich ein The-Clash-Einfluß durch, bis der Track plötzlich in einen elektronischen Beat umkippt und dubby wird. Einige Tracks kehren zurück zu dem bombastisch verhallten Wall of Sound, der so typisch für MMJ ist, aber die Bandbreite ist deutlich cinemascopischer gworden. Diese Platte ist so unglaublich gut, daß man sie fünfmal hören muß, bis dein Kopf sich um sie gewickelt hat. Tief, vielseitig und trotzdem poppig und auf den Punkt produziert. Nicht kopflastig, zerren die Harmonien an den Fäden deines Herzens und bringen die pure reine Melancholie so sparsam und so weit auf den Punkt, wie es nur moderner Country/Americana reinster Güte kann: Johnny Cash, Neil Young… My Morning Jacket. Oh, und das Cover ist grandios.


Infadels We are not the Infadels
Andererseits kann auch ein ganz schreckliches Cover eine gute Platte bergen. Der Wall-of-Sound-Act Infadels hat nach dem fulminanten Maxi-Debut Jagger 67 jetzt das erste Album parat und damn, es ist Brit-Pop vom Feinsten. Ich habe keine Ahnung, wo diese ganzen grandiosen Acts aus UK derzeit alle herkommen, aber die schiere Menge, Bandbreite und Qualität der Bands läßt einen etwas verzweifeln. Die Infadels präsentieren sich vielseitig, zwischen elektronischen Elementen, Punk, Funk und straightem Gitarrenpoprock schwirrend, ohne sich dabei ganz endgültig einnehmen oder verorten zu lassen. Da blitzen Gang of Four kurz auf, The Faint, plötzlich erinnert dich eineinzelner Sound absurderweise an Everything Counts von Depeche Mode… tausend andere Einflüsse, aber nie so platt kopiert wie es etwa bei Franz Ferdinand permanent durchkommt. Ausnahmslos jeder Track des Albums überzeugt, steht für sich ebenso solide wie im Albumkontext und zeigt für ein Debut eine Vielseitigkeit und musikalische Neugier, die anderen Gitarrencombos beschämen sollte. Das finale Stories from the Bar allein genommen ist in diesem Sinne bereits ein grandios hypnotischer Song, aber im Kontext des brachialeren gesamten Albums ist er die perfekte Kirche auf der Sahnetorte und verleiht dem Album eine ganz andere Dimension von Lässigkeit und Selbstdisziplin. Der Gesang nicht auf dem irrwitzigen Bloc-Party-Niveau, aber stets solide, die Produktion nicht so künstlich herabgenudelt wie etwa bei den Strokes und zahlreichen 80s-Retro-Bands, die Kompositionen entziehen sich entspannt jeder klaren Verortung. Und, mal ehrlich, wer den Openertrack LOVE LIKE SEMTEX nennt, hat bei mir schon aus Prinzip gewonnen. An diesem Album ist nichts falsch, außer, daß es mit 45 Minuten zu schnell vorbei ist.

13. Januar 2006 19:04 Uhr. Kategorie Musik. 2 Antworten.

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