
Audioslave Out of Exile
Audioslave war die fast am Reißbrett geplante nächste große Superband. Rage Against the Machine minus Zack de la Rocha plus Chris Cornell minus Soundgarden… die Fusion zweier Rockgrößen also, produziert von Rick Rubin, der mit den Chili Peppers ja klar bewiesen hat, daß er Indi-Hits herbeizaubern kann. Aber denkste, Audioslave waren zwar ein Erfolg, aber lange nicht in der erwarteten Größenordnung. Der erste Silberling, mit dem genialen Cover von Storm Thorgerson, ist zwar ein Rockalbum geworben, das weit jenseits des Spektrums von sowohl Rage-Polit als auch Soundgarden lag, aber – ähnlich wie bei Velvet Revolver – blieb der Erfolg hinter den Erwartungen. Gott sei Dank. Das zweite Album von 2005 präsentiert die Band ungeschliffener, mehr Proberaum-Feeling, mehr gerade straighte Kracher, weniger polished, weniger Radio. Vielleicht einen Hauch weniger eingängig, vielleicht einen Hauch langweiliger, dafür irgendwie tighter als Band. Die Gitarrensoli von Tom Morello sind die gewohnten ungewöhnlichen Breakbeat-Eskapaden, die fast synthesizerartig durch die Songs schneiden. Weiter entfernt von RATM als jemals zuvor, ist Audioslave tatsächlich eine spürbare Fusion der Einflüsse von Morello und Cornell, der ein Classic-Rock-Feeling einbringt. Das Ergebnis, die seltsame Fusion von Grunge-Aspekten und dem reinen Aggro-Druck von Rage, ist über weite Strecken mehr als hörenwert, wirkt aber oft auch weniger befriedigend als Soundgarden und RATM jeweils für sich. Audioslave verliert sich auf Out of Exile mitunter eben auch in Standard-Rock-Gefrickel ohne echten Druck.

David Sylvian World Citizen
Die EP/Maxi von 2003 vereinigt David Sylvian mit Ryuichi Sakamoto als Producer, und irgendwo taucht sogar ein kleine «thank you» an Ingrid chavez auf, die dem legendären Heartbeat ihre Stimme lieh. Die EP ist leider etwas enttäuschend, weil eigentlich nur zwei Songs drauf sind, jeweils einmal short und einmal lang, dazu ein Remix von World Citizen. Das ist etwas wenig, die Songs sind es aber durchaus wert. World Citizen präsentiert Sylvian ungewohnt geradlinig, fast band-orientiert, während I won’t be disappointed eher elektronischer angehaucht ist und die bessere der beiden Nummern ist.

Nine Horses Snow Borne Sorrow
Und noch einmal David Sylvian, diesmal mit seiner neuen Band Nine Horses. Die Platte begeistert vom ersten Moment an mit Chris Biggs’ (von Vaughan Olivers v23) wunderbar ätherischem Artwork, federleicht und makellos. (Ich finde nebenbei, diese drei CDs zeigen, wie wichtig artwork ist. Rein vom Cover her hätte ich mir nur die Nine Horses gekauft.) Und genauso leicht und komplex und irgendwie melancholisch zugleich, wie frisch gefallener Schnee eben, ist auch die Musik. Deutlich zugänglicher als «Blemish», der letzte volle Sylvian-Longplayer, ist Snow Borne Sorrow eine Mischung verschiedener Einflüsse und der von Sylvians Arbeiten gewohnten üblichen tricky rhythms, die flüssig und jazzy wirken, aber meist aus komplexen Strukturen errichtet sind, gepaart mit dem vertrauten melancholischen Gesang. Gemeinsam mit Ex-Japaner Steve Jansen und dem deutschen Bernd Friedman kehrt Sylvian so in seine 90er-Phase zurück, zu Tracks wie I Surrender, Heartbeat oder The Scent of Magnolia, wobei die Texte als Kontrapunkt zu den entspannten Beats noch introvertierter und düsterer wirken. Insgesamt eines der leichtgewichtigeren Werke von David Sylvian, aber hochangenehm zu hören und dabei niemals wirklich leichte Kost, sondern – wie seine Arbeiten mit Sakamoto (der Nine Horses mit etwas Piano unterstützt) – klugen Pop bieten. Snow Borne Sorrow hat etwas von einer altersentspannten Platte, der man anmerkt, daß Sylvian sich hier zurücklehnt und einfach nur mal singt. Und das kann man sich endlos anhören. Und auf dem ersten Track Wonderful World singt Stina Nordenham mit. Also sowieso eine Must-Buy-CD :-D. Wenn ihr diesen Monat eine Platte kauft, nehmt diese.
31. März 2006 08:41 Uhr. Kategorie Musik. 2 Antworten.
[...] Was soll ich sagen? Es ist Nine Horses, es ist David Sylvian. Natürlich ist die Sache gut. Sylvian, sein Bruder Steve Jansen und das Kölner Elektronik-Wunderkind «Burnt» Friedmann produzieren eine handvoll neuer Tracks und ein paar hörenswerte Remixes vom Snow Borne Sorrow Album. Wie stets wenn Sylvian im Spiel ist, hast du hier alle Erwartungen bereits am Eingang abzugeben. Selbst für «nur» eine EP überrascht Money for all mit einer Bandbreite von klassischem Songwriting bis zu dichtem Programming, zusammengehalten von Sylvians mitternächtlichweicher Stimme. Das Nine Horses Projekt entzieht sich jeder Kategorisierung, verbindet und überschreitet alle Genregrenzen und ist ganz im Sinne von Sylvians Gesamtwerk einfach nur noch gute Musik, jenseits aller Schubladen. Es ist beeindruckend, wie der Mann über die Jahrzehnte hinweg heterogen und experimentell und frisch bleiben kann und doch unweigerlich in allen Konstellationen eine Handschrift hat, die ein ganzheitliches Oeuvre, eine Textur ergibt, eine Melancholie, die dich wie ein gutes Buch durch die Nacht begleitet. Unbedingt kaufen und das Album direkt dazu. Beitrag vom 20. Februar 2007 aus der Kategorie MUSIK. // Kommentare durch RSS 2.0 Feed verfolgen. // Kommentar schreiben // Trackback // // zurück zum Blog [...]
Audioslave ist wirklich eine Band, die mehr Ruhm verdient hätte. Die 3 Alben dieser Superstar-Fusion rotieren bei mir ständig im CD-Player und bescheren mir häufig freudige Momente. Auch die Balladen konnten mich völlig überzeugen, so dass ich sehr traurig über die Tatsache bin, dass es die Band nicht mehr gibt.