
Au revoir Simone Verses of Comfort, Assurance and Salvation
Girliepoppig leichter Elektro-Minimalismus aus New York, der wolkig und sommerfröhlich aus den Boxen perlt. Simple Lowfi-Synthmelodien und klassische Drumcomputerbeats erinnern an Tracks von Ladytron oder St. Etienne, auch mal an Goldfrapp oder an zahnlosere Le Tigre. Hart an der Grenze zur Naivität, wie das Cover, bewegen sich die Sounds und Gesangslines der kurzen CD, die in ihrer fragilen Reduktion und Zurückhaltung trotzdem einfach nur schön ist. Auf einer CD von unter 30 Minuten kann man einfach wenig (oder eben alles) verkehrt machen… dieses Girltrio macht alles richig und produziert Songs, die den schmalen Grat zwischen Uplifting und Melancholie nie verfehlen.

Kelley Polar Cosmological Constancy
Michael Kelley baut in seinem New Yorker Mini-Studio für dieses Debut-Album bizarr-unwirkliche Welten aus cleveren alten Disco-Beat-Versatzstücken, analogen Sounds, Violinensamples und warmen Vocalschichten. Sparsam und opulent, leicht und fraktal zugleich wirken die so entstehenden, leicht verkopften Songs, die tatsächlich so klingen wie der Mythos, den er in seiner Bio aufbaut: Nach Siebzigern, nach altem Vinyl und nach einem Fisher-Price-Plastikplattenspieler. Und nach zuviel unverdauter SF-Lektüre. Eine seltsame Kollision von Kammermusik (Kelly ist tatsächlich Violonist bei einem Kammermusik-Ensemble) und 80er-Disco, ist Cosmological Constancy gekrönt von androgynem Gesang, der so aus dem Weltall herbei gessendet klingt wie das Albumcover vermten läßt. So klängen Daft Punk, wenn sie Klassik könnten.

Stars Set yourself on Fire
Pathos. Pathos. Pathos. Federleichter Pop à la Belle & Sebastian, aber flirrender und geichzeitig druckvoller, irgendwie progressiver. Alte Analogsynth-Sounds, Violinen, Gitarre Bass und Schlagzeug und Stimmen, die zwischen cabriofahrender Leichtigkeit und Großstadtmelancholie pendeln, Pia-Lund-ige Zuckerwattegirlievocals, nervös zwitschernde oft nur mühsam kohärente Klangwolken und oft zuckende Beats ergeben eine urbane Melange mit der Sehnsucht nach der weiten Ruhe der Natur. Ruhig und brachial (He lied about death) ist Set yourself on Fire keine grandiose Platte, aber mehr als hörenswert.
4. März 2006 20:22 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.