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MUSIC

Will den Stapel wegkriegen, deshalb Schnelldurchlauf. Ohne Cover, ohne Links, ohne große Bandinfo. Mea culpa, ich gelobige Besserung. Aber anders werd ich den Rückstand von fast einem halben Jahr einfach nicht los. Es fehlt auch noch einiges, was ich im CD-Chaos nicht sofort gefunden habe.

Placebo: Meds
Nichts neues, die gewohnte Placebo-Mischung, vielleicht sogar noch einen Tick chartsorientierter als zuvor. Placebo stecken tief und fest in einer musikalischen Sackgasse. Was sie dort machen, ist nicht schlecht, aber sehr, sehr unbeweglich geworden.

Brian Eno: Another Day on Earth
Schlicht und ergreifend großartig. Eno geht hier ein Stück zurück von seinen esoterischen Ambient-Experimenten, wird fast kommerziell, aber eben nur fast. Schöne, entspannte und niemals dumme Platte.

Manu Katché: Neighbourhood
Für einen Star-Dummer wie Katché, der zur A-Liga der internationalen Schlagzeuger gehört, ein ungewohntes Soloprojekt. Die CD bietet sehr hörbaren, sehr gefälligen, fast einen Tick zu gewöhnlichen Jazz, dem man nie anhört, daß ein Drummer der Kopf des Projektes ist, im Gegenteil, das Schlagzeug wirkt fast so verhalten, als wolle Katché beweisen, daß er hier eben nicht als Drummer antritt, sondern als Komponist und Arrangeur. Hörenswert, aber nicht herausragend.

Orange Blossom: Everything must change.
Weltmusik-Ethno-JazzPop aus Frankreich, der mit Leïla Bounous eine hervorragende Vokalistin aufweist und wunderbar sicher zwischen verschiedenen musikalischen Grenzen schlafwandelt, immer leicht hörbar, niemals zu schmuseweich.

Morrisey: Ringleader of the Tormetors
Was soll ich sagen. Von Moz kann ich mich schlecht lösen. Die neue Platte ist… ach ja, okay. Aber man mache sich nichts vor: Niemals wird Morrisey wieder da sein, wo er mit Hatful of Hollow war. Never ever. Das erste Soloalbum ging noch, weil die Smiths auch einfach am Ende waren, aber inzwischen ist Moz wie Sting ein Schatten seiner selbst. Schade drum.

YMO: BGM
Alt, neuaufgelegt, weird. Takahashi, Hosono, Barakan und Sakamoto, das Yellow Magic Orchestra, liefern zehn seltsame Plastikpop-80s-Perlen, die zwischen Skurrilität und Genialität irrlichtern und Kraftwerk nicht ganz verdaut haben.

Laura Lopez Castro: Mi Libro Abierto
Es gibt Umstände, die Dinge wie die Fantastischen Vier und Freundeskreis eben doch wieder gutmachen. Nämlich die Tatsache, daß FourMusic den hereinströmenden Geldberg verwendet, um gute Musiker zu finanzieren und daß Max Herre als A&R diesen Act gefunden hat. Schaut man nicht aufs Label, deutet hier nichts daraufhin, daß wir ein deutsches Album in den Händen halten und das ist auch gut so. Entspannter Jazzpop, der nicht aneckt und niemandem wehtun will, aber zum Abhängen in lauen Sommernächten wie geschaffen ist. Muß es geben, und hier ist es gut. Astrud Gilberto hätte es nicht viel besser gemacht.

Boards of Canada: The Campfire Headphase
Genial. Hab die Platte schon so lange, daß es fast peinliuch ist, noch drüber zu schreiben, aber wer sie noch nicht hat: You MISS OUT! Genial. So einfach ist das.

David Sylvian: The good Son vs. the only Daughter (The Blemish Remixes)
Och jo. Blemish war schon ein seltsames Album und die Remixe machen es nicht besser. Wer hier tanzbares erwartet – please stay home. Die remixe dekonstruieren die Tracks mal mehr mal weniger elegant und fügen sie neu zusammen, aber da Blemish bereits fragil an der Grenze zum Ätherischen waberte, entsteht so kaum wirklich bemerkenswert Anderes. Aber jedes Sylvian-Album ist ein Must-Buy, aaaalso….

Anima: AnimaminA
Die Girlie-Backband von Sigur Ros auf Solopfad. Vertrackt, verspielt, makellos hörbar. Nicht einfach zu kriegen, diese 4-Track-EP, aber die Suche wert.

Tim Bowness: My Hotel Year

Yeah, hier kommt I-would-love-to-be-David-Sylvian-Musik. Aber Bowness singt ganz anders und auch wenn die Musik teilweise ganz schön entsetzlich bei Sylvians komplexen Songstrukturen kupfert, ist die Platte als ganzes recht hörenswert. Etwas mehr Eigenständigkeit wäre allerdings echt gut.

SpankRock: This is Spank Rock
Whoa. Ob das Genie oder Wahnsinn ist, muß die Zeit entscheiden. Erstmal sind es ein paar Typen, die eine schwere Sampling-Attacke starten und ein ziemlich seltsames Album daraus stricken. Geisteskrank und anstregend, aber irgendwie auch ausgezeichnet witzig.

Friedman & Liebezeit: Secret Rhythmus 2
Im Grunde die Vorstufe von Nine Horses. Vertrackte, kluge Platte, an deren Ende Sylvian einen Track singt, der dann etwas modifiziert auch auf Snow Borne Sorrow zu hören ist.

Mogwai: Mr. Beast
Mogwai halt. Endlos, ausufernd, gitarrig, genial. Etwas tougher als etwa noch auf Rock Action. Ausgezeichnete Platte einer großartigen Band. Und wer die mag, sollte sich auch die Band Explosions in the Sky gönnen (danke Kirsten!)

YeahYeahYeahs: Show Your Bones
Oh. Siouxie and the Banshees. In Modern. Wie nett.
Seriously, die YeahYeahYeahs werden mit dem neuen Album weniger Underground, mehr Charts und sind entsprechend auch in den UK eingeschlagen. Extrem hörbar.

The Knife: Silent Shout
Die Weitsicht von Rough-Trade, die The Knife mit Kino schon 2004 auf einem Sampler hatten, sei mal betont. Popmusik, so wie sie sein muß: Vorwärtsblickend und smart und ein klein bißchen schmutzig vom Spielen im Sandkasten.

Sarah Mc Lachlan: Bloom (Remixes)
Hallo? Wir wollen neue Songs!!! Danke. Remixe können den Songs von McLachlan nicht schaden, machen sie aber eben auch nicht besser. Völlig okay angedacht, und von der Creme der soliden Pop-Chill-Remixer bedient (Thievery, Talvin Singh), ist es eine ruhige nette Platte geworden, die niemandem weh tun will, aber die emotionale Kraft der Originale auch nie wirklich erreicht. Einfach eine Art Frischzellenkur. Aber solange es helfen würde, eine neue Platte herauszubringen…

Nightmares on Wax: In a space outta Sound
Ich erwarte von diesem Projekt gar nichts mehr, weil ich sowieso jedesmal überrascht werde. Keine Ahnung, wie man den Sound von NOW noch nennen oder beschreiben will, aber Damn ist ein Killertrack. Definitiv inzwischen sehr viel mehr als Chill-Out-Music oder Café-del-Mar-Weichspüler, hat sich das Projekt weiter und weiter musikalisch entwickelt, und obwohl man immer noch Cannabiswolken durch die Musik wabern hört, ist es sehr viel smarter und klüger und psychedelischer geworden als je zuvor.

The Concretes: In Colour
Nett, aber zu harmlos. On the Radio und Song for the Songs sind die Highlights des Albums, das insgesamt etwas in Beliebigkeit dahinvegetiert und langweilige Pseudofolk-Songs eine wirklich gute Stimme einpferchen.

The Secret Machines: Ten Silver Drops & Now here is nowhere
Charmanter Band-Pop, der fröhlich zwischen Power und very laid back wechseln kann und hörenswert ist, allerdings auch nie wirklich 200% im Ohr bleibt.

Tomte: Buchstaben über der Stadt
Deutscher Pathos-Rock. Ich frage mich, ob man Thees und Co eines Tages so sehen wird, wie man heute BAP sieht. Damals fand man Kristallnacht ja auch vielleicht okay. Time will tell. Nettes Album, transparent geschriebene Songs, okay-e Texte, nur in einem Rutsch kann man es kaum hören, weil zu wenig Abwechslung und Bandbreite. Live sind Tomte genial, auf Platte etwas arg schaumgebremst.

Jim Noir: Tower of Love
Singer-Songwriter-Stuff und das mit Humor. Schöne Platte, die nur oberflächlich einfach und poppig wirkt.

Richard Swift: Collected Works I
Doppel-Cd mit zwei kurzen Re-releases, die seltsam, bezaubernd, verwirrend, uncool, verspielt, konzeptionell und weird as hell ist. Ich hab keine Ahnung, ob das hier gut oder schlecht ist, aber es ist ziemlich einzigartig.

Death Cab for Cutie: Plans
Sehr sympathische, gut ausgewogene Scheibe, die Death Cab noch fester als eine der wirklich guten neuen hochemotionalen Alternative-Bands etablieren dürfte. Exzellente Scheibe, aber für mich bleibt ihr bester Song nach wie vor das Cover von Björks All is Full of Love, sorry.

Barry Guy: Folio
Recht neutönerische Kammermusik, mit Guy selbst am Bass. Die improvisiert wirkenden Stücke erfordern ein gerüttelt Maß an Konzentration und Zuneigung. Das Klassik Weichspülermusik ist, widerlegt Guy mit dem Münchener Kammerorchester und seiner seltsamen Grenzgängerei zwischen Jazz und Klassik hier klug und eindrucksvoll.

27. Mai 2006 14:05 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.

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