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Monocular: Somewhere on the Line

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So schön kann lokale Musik sein: Jan und Nic Koray aus Dortmund sind Monocular, die schon vor einiger Zeit mit ersten Vorab-Downloads und der Water-Shape-EP beeindruckten und mit Somewhere On The Line nun ein komplettes Album nachlegen. Das Gemeine vorweg: Ja, Monocular klingen mehr als ein wenig nach Lamb und auch auf Photos und in den Texten zitiert man Louise Rhodes und Andy Barlow etwas deutlich. Nicole Korays Stimme ist bis hin zu den leichten Überschlägen und den Atemgeräuschen erschreckend nahe dran an Lou Rhodes. Die Ex-Your-Finest-Drops-Sängerin beweist mit ihrem Ende des Jahres bei Jan Korays VierSieben-Label erscheinenden Solo-Projekt, dass sie auch problemlos ganz anders klingen kann und durchaus ihren «eigenen» Sound hat, insofern ist die musikalische Nähe zu Manchester sicher kein Zufall, sondern gewollte Hommage. Nun muss ich zugeben, dass auch (gut) nachgebaute Lamb besser sind als gar kein Lamb und ich fast verstehen kann, wenn jemand das vielleicht selbst gespürte Vakuum nach der Trennung von Lou und Andy einfach mit eigenen Tracks füllen will – das ist im Grunde schon eigentlich sympathisch. Wenn niemand mehr die Musik macht, die du hören willst, machst du sie eben selbst. Zum anderen sind bei näherem Hören natürlich unter der ersten enormen Ähnlichkeit deutliche Unterschiede zu hören. Monocular sind etwas glatter, synthetischer in ihrem Trip Hop, eher Laika als Lamb,  durchaus mit der großen Geste und dem Patho, die dieser Sound braucht, aber eher eine Fusion aus Elementen von Massive, Portishead, Goldfrap et al, plus glattere Synth-Sounds, weniger akustisch, U-Turn nimmt eine wabernd-bedrohliche Dichte an, die man seit dem ersten Lamb-Album nicht mehr gehört und deren pulsierender Bass enorm an Laika erinnert, um in der Strophe zu lupenreinem Electronica-Pop à la Tiefschwarz umzukippen. Und an diesem Ruhrgebiets-Trip Hop ist nichts falsches. Die Korays produzieren musikalische Fantasy-Landschaften, durch die sich der feenhafte Gesang wie eine verlorene Konsolenspiel-Heldin nach vorn tastet. Während die meisten Trip Ho Combos, die heute noch aktiv sind, sich deutlich düsteren Soundscapes zugewandt haben, fahren Monocular den vollen Pathos der frühen 90er auf, mit sphärischem Gesang, dicken Akkorden und schleppenden Drumkits, die auf dem fast schon zu fett klingenden Album turmhoch aus den Kopfhörern kommen. Es mag seltsam sein, ein so lupenreines Revival einer seit fast zehn Jahren toten Musik zu hören, aber wer den Manchester-Sound nach wie vor mag (und das sind ja nicht wenige), kommt um Monocular nicht umhin. Somewhere On The Line ist ein fast erschreckend «fertiges» Debut, an dem nichts nach Wohnzimmer-Produktion klingt, das vom ersten Song an souverän im Raum steht und nicht hinter den Vorbildern, sondern neben ihnen stehen will, durchaus über die Hommage hinaus auch eigene Steherqualitäten hat. Denn Monocular ist sicher mehr als ein Bündel von Referenzen an Krom, Frou Frou und andere Bands, an die das Duo unweigerlich erinnert – am Ende ist das Album insofern vor allem das Versprechen, mit besserer Produktion und mehr Live-Instrumenten noch dichter und berührender klingen zu können und mit eine zweiten, dritten Album traumwandlerisch sicher aus dem Schatten der Vorbilder heraustreten zu können, nicht zuletzt weil in dem bestehenden Gerüst mit diesem nahezu makellosen Debut fast schon alles gesagt ist und ein Nachfolger eine andere Richtung brächte. Ich bin gespannt…

15. September 2009 06:56 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

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