MODEST MOUSE LIVE MUSIC HALL KÖLN

Nach der sound- und bildgewaltigen Show der Chemical Brothers wirken Modest Mouse am Dienstagabend in Köln seltsam normal. Einfach sechs Jungs, die nach etlicher Wartezeit auf die Bühne kommen, ihre Instrumente umschnallen und loslegen, mit recht langen Pausen zwischen den Songs, mit etwas verpeilten Ansagen und mit einem eher gewöhnlichen Rock’n'Roll-Lichtset, ohne besondere Features. Pure Musik also, nach vorne getrieben von Joe Plummer und Jeremiah Green, die mit zwei Percussion/Drumkits für Druck sorgen. Bei manchen Stücken sind die beiden nicht 100% synchron, was den Sound oft etwas matschig wirken lässt, aber der schiere Druck, den die Band bei manchen der härteren Songs entfalten kann, lebt spürbar von der Mischung aus Drums, Percussion und live gespielten elektronischen Sounds. Auf dieser Druckwelle surfen entspannt die anderen Bandmitglieder, allen vorweg Multiinstrumentalist Tom Peloso, Ex-Smiths-Gitarrenwunderkind Johnny Marr und natürlich Sänger Isaac Brock, der mit dem natürlichen Charme eines Serienmörders durch den Abend führt. Die Mods spielen natürlich Tracks vom neuen Album und haben mit dem Oberhit Dashboard sofort die vollgepackte Halle im Griff, aber auch Klasisker wie Doin’ the Cockroach oder Spitting Venom. Obwohl die meisten Tracks ja eher in der Americana-Mid-Tempozone liegen, also gar nicht sonderlich schnell daherkommen, wird in der Moshpit getobt als gäb es kein Morgen mehr. Mag sein, dass ich von einigen Nachtschichten, den ChemBros und acht Studen Dozententum noch etwas ausgelaugt war, aber kürzer hab ich es selten an der Bühnenfront ausgehalten, das war Terror. Tatsächlich steht die extreme Fanreaktion etwas im Widerspruch zur Band selbst, die eher relaxt, fast gelangweilt-professionell durch die komplexem Songstrukturen spielt. Den meisten (sichtbaren) Spass strahlt Johnny Marr aus, der fast unsichtbar im Klangkorsett der Band verschwindet, und für einen Mittvierziger enorm lässig aussieht. Es ist einfach prima zu sehen, dass so ein großer und wichtiger Musiker nicht wie so viele einfach versackt ist, sondern mit Modest Mouse einen neuen Hafen für seine Ideen gefunden hat. Isaac Brock singt, schreit und wimmert sich durch die Songs, die – je weiter der Abend fortschreitet – immer besser und druckvoller werden, zumal die Band die ruhigeren Songs eher in der Mitte des Sets spielt und sich am Ende auf orgiastisch ausgestreckte Classics beschränkt. Gemessen an anderen Live-Acts – etwa den musikalisch ähnlich gelagerten Kaizers Orchestra – wirken Modest Mouse etwas wenig show-orientiert, vielleicht brav, aber die Musik, die Stimmung im Publikum und die reine Energie, die sich während des Konzertes aufbaut, ist den Eintritt mehr als wert.

Bilder nach dem Break…