
Wir hatten ja heute eine kleine Diskussion im Büro, bei der ich meinte, im Zuge des Revivals nahezu jeder schlimmen 90s-Schrift müsste man doch auch wieder die frühen Bitstream-CorelDraw-Unsagbarkeiten aus der Kiste holen, etwa die Mistral. Die überraschenderweise kaum jemand hier kannte und als ich sie online zeigte, hab es betretenes Schweigen. tatsächlich habe ich an die Mistral warme Erinnerungen – sie ist eine dieser Plakatschriften deren Name allein schon französische Urlaubsgefühle aufkommen lässt… und tatsächlich gehört sie ja in die Riege der Excoffon-Antifonts, die derzeit wieder en vogue sind, wie auch die Choc. Es ist die Signatur einer untergegangenen Werbeepoche – und für mich seltsamerweise auch der achtziger Jahre – und weil es keine schlechten Schriften gibt, habe ich sie wieder herausgekramt. Zwei Minuten Arbeit, Photo ein Work-Screenshot von Phillp Ottendörfer…, alles durchaus ironiefrei zusammengebaut… und ich finde, die Mistral geht irgendwie tatsächlich auf diesem fiktiven Buchcover. (Das Design geht natürlich nicht, ist aber nur fix zusammengebaut). Ich muss mal wieder die alten Corel-CDs herauskramen :-D. Und mehr Buchcover machen, anscheinend – eigentlich sehr nett, mal in fünf Minuten etwas zusammenzubauen anstatt an langen Projekten zu sitzen. Designer-Quickie, so ein Buch. Tatsächlich vergessen wir aber oft angesichts der ernsten und funktionalen und reduzierten Schriften, mit denen wir alltäglich alle arbeiten, wieviel Spaß die wenn auch etwas wirsche Schriftenvielfalt am Anfang des digitalen Zeitalters gemacht hat – als die Fonts noch mies waren und uralte Zeitgeist-Displayschriften massenweise auf den Markt kamen bzw in den neunzigern diese grandios schlechten Techno-Schriften aufkamen. All das macht auch einen Teil des Spaßes an der Arbeit mit Schrift aus.
(Und sorry für die zwei Wochen Sendepause, so much to do)
29. April 2011 19:58 Uhr. Kategorie Stuff. Tag Typographie. Keine Antwort.