HD Schellnack /// Kontakt Twitter iPhoto pointandshoot Typographie Alternative Pop Licht nodesign Aktionen Zitat Natur Photographie Denken Fail ScienceFiction Apple Studium Belletristik Comics Dayshot Vernacular Scratchbook Werbung Fragen Winter Software Medien Fun Retro Gesellschaft Farbe Print Electronic Magazine iOS Zukunft Web Drama Frühling Jazz Sommer Kitsch Kunst Sachbuch Hardware Fantasy Klassik Herbst Thriller Emma

Miranda July: No One Belongs Here More Than You

Vor etwas über einem Jahr zweimal gekauft – eins für mich, eins als Geschenk – und jetzt endlich gelesen: Das großartige No one belongs here more than you (übrigens ursprünglich eine Werbezeile für Tourismus in Israel) der Filmemacherin und Künstlerin Miranda July. Die eben nicht nur in ihren Filmen, ihrer Site und ganz generell eine großartig exzentrische, wunderbare Person zu sein scheint – soweit man das medial beurteilen kann, sondern auch verdammt gut schreibt. No surprise, really. Deutlich in der Tradition von Carver und Hempel, also knackige Kurzgeschichten mit doppeltem und dreifachen Boden über die Untiefen des Lebens und der Liebe, schreibt July mit einem quirligen Humor, einer Art düsterem Mary-Poppins-Flair, das ihre Stories ganz und gar einzig- und eigenartig macht. Ihre Charaktere wirken zerbrechlich, zerbrechend, zerbrochen, und dennoch einzigartig liebenswert, skurril, wunderbar, man möchte sie wie seltsame Tiere nach Hause holen und gesund pflegen. July spielt virtuos auf dem Metaphernklavier und deckt ganz in der Tradition großer amerikanischer Kurzprosa die kleinen und großen Katastrophen des Lebens ab. Du folgst ihren  seltsam deplacierten Figuren folgen einer oft bizarren Logik durch widersprüchliche Gefühswelten, durch Unfälle, Mißverständnisse, Fehlkommunikationen. Es sind wunderbare Liebesgeschichten, sensibel und authentisch und weit entfernt von dem, was man normalerweise als Love Story bezeichnen würde. Jeder zweite, dritte, vierte Satz ist zitatwürdig, hat diese schwebende Eleganz, die holographische Tiefe, die eine tiefe Resonanz in dir als Leser auslöst. No one belongs here more than you ist kein leicht wegzukonsumierendes Buch, bei allem Humor, bei aller schweren Leichtigkeit- die Geschichten verlangen, in Ruhe gelesen, mehrfach gelesen zu werden, um sie zu erfassen, wie Hemingway in seinen besten Momenten packt July in dezente Beschreibungen und Andeutungen eine Informationsdichte, die erfasst, verarbeitet sein will. Da die Short Stories aber zwar alle einen Sound haben, einen verbindenden Stil, aber dennoch sehr unterschiedlich ausgefallen sind, wird das Buch niemals langweilig. Inzwischen als Paperback erhältlich, ist No one belongs here more than you die Sorte Buch, die du absolut nicht verpassen darfst.

12. Juni 2008 11:35 Uhr. Kategorie Buch. Tag .
6 Antworten.

«
»

6 Antworten

Antworten

Schreibe eine Antwort, oder hinterlasse einen Trackback von deiner Site. Antworten abonnieren.


Creative Commons Licence