Vor etwas über einem Jahr zweimal gekauft – eins für mich, eins als Geschenk – und jetzt endlich gelesen: Das großartige No one belongs here more than you (übrigens ursprünglich eine Werbezeile für Tourismus in Israel) der Filmemacherin und Künstlerin Miranda July. Die eben nicht nur in ihren Filmen, ihrer Site und ganz generell eine großartig exzentrische, wunderbare Person zu sein scheint – soweit man das medial beurteilen kann, sondern auch verdammt gut schreibt. No surprise, really. Deutlich in der Tradition von Carver und Hempel, also knackige Kurzgeschichten mit doppeltem und dreifachen Boden über die Untiefen des Lebens und der Liebe, schreibt July mit einem quirligen Humor, einer Art düsterem Mary-Poppins-Flair, das ihre Stories ganz und gar einzig- und eigenartig macht. Ihre Charaktere wirken zerbrechlich, zerbrechend, zerbrochen, und dennoch einzigartig liebenswert, skurril, wunderbar, man möchte sie wie seltsame Tiere nach Hause holen und gesund pflegen. July spielt virtuos auf dem Metaphernklavier und deckt ganz in der Tradition großer amerikanischer Kurzprosa die kleinen und großen Katastrophen des Lebens ab. Du folgst ihren seltsam deplacierten Figuren folgen einer oft bizarren Logik durch widersprüchliche Gefühswelten, durch Unfälle, Mißverständnisse, Fehlkommunikationen. Es sind wunderbare Liebesgeschichten, sensibel und authentisch und weit entfernt von dem, was man normalerweise als Love Story bezeichnen würde. Jeder zweite, dritte, vierte Satz ist zitatwürdig, hat diese schwebende Eleganz, die holographische Tiefe, die eine tiefe Resonanz in dir als Leser auslöst. No one belongs here more than you ist kein leicht wegzukonsumierendes Buch, bei allem Humor, bei aller schweren Leichtigkeit- die Geschichten verlangen, in Ruhe gelesen, mehrfach gelesen zu werden, um sie zu erfassen, wie Hemingway in seinen besten Momenten packt July in dezente Beschreibungen und Andeutungen eine Informationsdichte, die erfasst, verarbeitet sein will. Da die Short Stories aber zwar alle einen Sound haben, einen verbindenden Stil, aber dennoch sehr unterschiedlich ausgefallen sind, wird das Buch niemals langweilig. Inzwischen als Paperback erhältlich, ist No one belongs here more than you die Sorte Buch, die du absolut nicht verpassen darfst.
12. Juni 2008 11:35 Uhr. Kategorie Buch. Tag Belletristik. 6 Antworten.
das Cover ist jetzt nicht so besonders, aber es ist ja auch nur ein Buch
Sorry, aber das Cover ist absolut, absolut, absolut großartig. Ich hab fast geheult, als ich das nichtssagende Cover der deutschen Ausgabe sah (die auch noch idiotischerweise in «Zehn Wahrheiten» übersetzt wurde – warum respektiert eigentlich niemand, das der Autror sich beim Originaltitel doch wahrscheinlich etwas gedacht hat? Wenn der Titel schon so verdusselt ist, kann man doch nicht mehr erwarten, dass die Übersetzung im Inneren noch was taugt.) Das grelle Gelb udn Magenta – nebenbei von July auf ihrer Site prima erklärt :-D und bei den Softcover-Ausgaben noch um zwei weitere schöne Farben (grün und Orange) erweitert, die schlichte Helvetica-Typographie – das ist alles ideal und genau so makellos wie die Geschichten. Eins der besten Cover des letzten Jahres und ich schau immer wieder gern drauf.
Ist auch sicher kein Zufall, dass ich gerade dieses Buch ständig in der Hand hatte und im ersten Entwurf des Bielefelder Philharmoniker-Heftes fast alles irgendwie gelb und schwarz war :-D
… bis mein ilisten so weit ist wie deins, brauch ich wohl noch einige grelle Gelbe und Magenta Bücher :-(
So eine Sache, die z.B. großartig ist: Nach dem Titel ist ein PUNKT, nach der Autorin nicht. Der Umbruch ist so, dass der Nachname der Autorin fast verloren, als wäre der Monat gemeint, alleine hängt, hängenbleibt. Das ist so wunderbar subtil gemacht.
computer sagt neinnnnnnnnn
SO ein cover muss man erstmal machen dürfen. alleine dafür ist es toll.