

Das Weimar als kultureller Mikrokosmos funktioniert, unterstreicht die von den Studenten der dortigen Bauhaus-Uni herausgegebene Publikation micro, die sich in der aktuellen Ausgabe dem Kosmos und der Musik widmet. Das sechsköpfge Team – Julia Buschbeck, Annett Jahn, Manuela Klaut und Lisa Schreiber in der Redaktion, Karl Badde und Jens Ole Mayer als Layouter – präsentieren ein großformatiges Magazin, das im wunderbaren Violett und Silber gehalten ist, auf dem Cover einen seltsamen Bigbangblob und wunderbar miese 80s-Videospielgrafik zeigt.


Das Layout im Inneren ist ein seltsamer Balanceakt zwischen modernem Editorial Design und dessen Gimmicks und einer bewussten oder unbewussten Auflehnung dagegen. Insofern weht schon der Geist von Meiré und Lombardo durch die Seiten (warum eigentlich immer die?), aber es gibt auch wunderbar vergrätzte Details, die das Heft durchaus mit einer eigenen Note versehen. Auch die vergnatzten Illustrationen, die den frühen Computercharme der 80er ebenso aufgreifen wie das Cover und die wie das ganze Heft seltsam zeitgeistig wirken (immerhin ist diese Formensprache auf fast jedem Indiecover des letzten Jahres präsent, retro olé), aber dennoch ein eigenes Flair bewahren.

Die Texte drehen sich munter um ein Orbit aus Musik, Technologie, Kultur, Elektronische Sounds, Kreativität im Kontext des Weltraum Weimars. Der Content ist auch für Nicht-Weimarer durchweg lesbar, die Interviews spannend, die Texte kein reiner Selbstzweck des Designs, sondern eher Grundlage des Heftes, was bei Design-Studenten ja erst einmal nicht ganz selbstverständlich ist. Als Bonus legt die micro-Crew noch eine CD dabei, die den Soundkosmos Weimars, um den es in den Texten des Heftes geht, auch zu Gehör bringt.


Rundherum eine sehr schöne, gelungene Sache, die handwerklich sauber und ästhetisch chirurgisch präzise an der Schnittkante von Design und Anti-Design, von modern und hässlich, von gelungen und bewusst-scheiße verortet ist und insofern sehr zeitgemäß daherkommt. Da ist ein Gespür für Rhythmus und Leere einer Seite, ein Feeling für Typographie zwischen Old-School und Respekt vor dem Text und gleichzeitiger Verrocktheit, das Spaß macht. Gerade für eine studentische Publikation – die ja manchmal nur als knapp getarntes Portfolio dienen – ist das eine rundum gelungene Sache, die ihr euch sicher bei der Redaktion bestellen könnt.


20. August 2008 09:54 Uhr. Kategorie Design. Tag Magazine. 7 Antworten.
meine güte, lern schreiben oder hat deine tastatur einen wackelkontakt? *augenverdreh*
@XYZ
Meine Güte, lern Dich zu artikulieren. Oder ist Deine Lingo schon so *augenverdreh*, dass *kopp gegen die wand* die Shifttaste *heul doch*?
Schön dass es gefällt!
Weimar hat ja immer das kleine Manko, dass wir nicht die gleiche Präsenz wie großstädtische Universitäten bieten können. Daher freuts uns doppelt, dass Dir die Micro so vielschichtig zu lesen ist.
…vielleicht haben wir demnächst auch ne Internetseite online.
…schtay tuned
Oha, oha…
nicht zu vergessen ist die Schrift Rucola von Kai Sinzinger, der in Potsdam und am Weimarer Bauhaus Typografie studiert und mit der in der Mirco verwendeten Beta der Rucola kurz vor dem Abschluss seiner ersten großen Schriftfamilie steht.
ich kann dem zustimmen, das heft ist sehr gelungen und da ich die beiden versionen bekommen habe (mit cd und vinyl) hat mich sehr gefreut, eigentlich wahnsinn, dass eine uni so was produziert, die platte werde ich auf dem farbfest im bauhaus dessau auch gut nutzen können.
Huhu,
@ HD
Die Rucola ist die Brotschrift vom Kai Sinzinger. Leider hat er keine Seite online – würd Ihn gern mitverlinken. Ne wirklich schöne Renaissance Antiqua, die hier in den Headlines nochmal Ihre Eigenheiten enthüllen kann, wie ich finde. Und eigentlich schon markttauglich sein könnte, wenn Kai es wollte.
Für Subheadlines wurde die Betaversion der Richter verwendet, eine linear Antiqua, die überhaupt nichts vom Schreiben wissen will und eher als retrofuturistische OCR alternative gedacht ist (macht das Sinn?). Die muss dringend mal fertig gemacht werden.
@Heinrich
Wie wärs mit nem Crossover? Weimar und Dessau reichen sich geschwisterlich die Hände und machen… irgendwas :D
Kann es sein, dass man unter der Mail-Adresse niemanden erreicht? Hab jetzt schon zweimal Antwort bekommen, dass die Adresse nicht erreichbar ist.