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Mew: No More Stories/Are Told Today/…

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Das fünfte Album der Vorzeigedänen Mew, No More Stories, knüpft einerseits nahtlos an And the Glass-Handed Kite an, öffnet aber andererseits den Horizont für eine hellere Version der psychedelischen, fast progrock-haften Einflüsse in den Sound der Band. Mit rund 17 Tracks auf 60 Minuten sind die Tracks tatsächlich kürzer als sie sich anfühlen, gehen weg von der Länge von Songs wie etwa White Lips Kissed auf Kite, sind aber keinen Deut weniger weird. Bereits der erste Track, New Terrain, birgt einen rückwärts laufenden zweiten Song, und Introducing Palace Players steckt voller sperriger Rhythmen, die nur scheinbar ein ganzes ergeben, sogar fast poppig wirken, aber im Kern scharfkantig bleiben. Mit Beach (und später mit Hawaii) gelingt der Band ein unerwartet lupenreiner, fast an Phoenix erinnender Gutelaunesong, und auch Repeaterbeater ist oberflächlich deutlich geradliniger und positiver als man es von Mew in der Vergangenheit gewöhnt war. Unter der zugänglicheren Oberfläche passieren aber böse Dinge in Sachen Takt und Instrumentierung, unter dem stillen Wasser schwimmen die Haie einer großartig dekonstuierten und re-assemblierten Popmusik, die wie eine Fata Morgana, wie ein Hologramm verschleift und unsicher wird, je mehr man sich ihr nähert. Da laufen Elemente rückwärts, wird die 1 des Taktes hinter den Kulissen permanent verschoben, wirbeln seltsame Effekte in den Untiefen des Liedes, brechen Tracks unerwartet in sich zusammen, schaffen surreale Intermezzi einen Einblick in das Spiegelkabinett der Band. Das Alles kann mitunter auch mal etwas verkrampft wirken und zu selbst-bewußt – schon angefangen mit dem Albumtitel, dessen Länge selbst Morrissey erblassen lassen würde – und tatsächlich tragen Mew kompositorisch die Ernsthaftigkeit, die sie hier teilweise in der Produktion vorgeben möchten, nicht wirklich, was sie vielleicht in eine Reihe mit Muse stellt, die dem eigenen Bombast ja auch nie ganz 100%ig gerecht werden. Aber es ist natürlich eigentlich eine feine Sache, zuzusehen, wie eine Band, versucht mehr zu liefern als nur etwas Popmusik und Vorbildern wie Radiohead nacheifert, einen ganz eigenen weg zu progressiveren Tönen sucht und in den engen Grenzen dessen, was man noch halbwegs als Populärmusik abliefern kann, einen eigenen Weg zu finden. Tatsächlich ist No More Stories nach Kite eher ein Schritt zurück in die Radiotauglichkeit, zu weniger sperrigen Tracks, auch wenn Cartoons and Macramé Wounds und das soundtrackartige Reprise durchaus zeigen, dass die Dänen noch elegant ausufernd sein können und auch auf sieben Minuten Länge nicht langweilen. Alles in allem ist No More Stories eine großartig abwechslungsreiche, fast zu smarte Platte, deren fröhlicher Größenwahn absolut ansteckend ist und die man – gerade über Kopfhörer – immer und immer wieder hören kann. Übrigens unbedingt die Bonus-Track-Version besorgen, die drei sehr unterschiedlichen und etwas schmaler produzierten Songs Owl, Start und das recht Mew-typische Swimmer’s Chant sind an sich den Kauf bereits wert.

13. Januar 2010 20:58 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

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