

Es gibt zwei Dinge, die ich eigentlich seit der WAM jedes neue Semester mache. Ich lasse meine Studenten Fragebogen ausfüllen und Photos von sich machen. Erstere, um sie etwas besser kennen zu lernen (fairerweise gibt es auch einen Bogen von mir, siehe oben), letzteres, um Namen und Gesichter besser zusammenzukriegen. Mein Namensgedächtnis ist unglaublich schlecht, mein visuelles Recht gut. Eine ganze Zeit lang gebe ich also Noten eher dem «Gesicht» als dem Namen und mit Hilfe von Photos kann ich ganz schnell zuordnen und außerdem auswendig lernen, wer wer ist. Trotzdem hat man gerade an der Ruhrakademie mit der eher weichen Kursdisziplin in Sachen Anwesenheit am Ende des Kurses nicht alle Leute wirklich auswendig im Kopf. Ich befürchte manchmal aber auch, es ist vielleicht auch bezeichnend, wer «merkenswert» ist und wer untergeht, weder besonders gut noch schlecht auffällt, sich nicht beteiligt, vielleicht öfters fehlt, selten mit mir spricht. Die Photos sind nicht von mir, sondern von einer Studentin aus dem Kurs gemacht. Ich hoffe, man kann die Bögen in 500 px Breite lesen. Lasst ich wissen, wenn ich Namen falsch mitgekriegt habe usw. Eigentlich wäre es cool, wenn die RA so etwass wie OpenBC oder StudiVZ hätte, dann könnte man dort viel einfacher solche Sachen machen, wiel ja jeder selbst sein Bild und Namen usw. hochlädt und sich «profiled». Eine Social-Networking-Software, die zugleich als Netzwerk/Forum, Stundenplan und als Unterrichtsorientierung für Dozenten und Studenten dient…
Die Bitte, Bäume zu zeichnen, sorgt immer für verwirrte Gesichter. Aber einmal abgesehen davon, dass es ja tatsächlich ein (etwas zweifelhafter) Assessment-Test ist, sieht man hier auch sehr schön, wie sich tatsächlich die unterschiedlichen Charaktere manifestieren und wie einige Studenten aus der (wie bei mir ja stets) albern wirkenden Aufgabe wunderbare Ideen zaubern.
Ich hoffe sehr, wir haben Namen sind richtig gelesen und auch Bild-Fragebogen richtig zuordnen können, das war nicht immer ganz so einfach. Meldet euch, wenn etwas nicht stimmt. Sonst kriegt am Ende noch Maren die note für Anna oder sowas.
Danke an Seán für die Scans!!!
Und los:
Anna Kieplin

Von Anna gibt es leider keinen Fragebogen…
Christine Hartwig



Christine Korten



Christoph Deckert



Fabian Hüttenhoff



Fanny Melzer



Hannah Judith Kreter



Jana Franke



Johannes Loer



Karol Pawlinski



Katharina Duda



Kirsten Tetzlaff



Marcel Jurecki



Maren Marmulla



Mascha Artz



Milka Marzena Dziadek



Peter Boehm



Ramona Mirau



Sarah Meinert

Von Sarah gibt es leider keinen Fragebogen…
Sarah Tolksdorf



Sascha Mukrowsky



Viviane Dudek



Sabrina Drebber

Daniela Brand


Sebastian Kohtz



Sebastian Hartig



Sebastian Suttorp



Conny Seidel


18. Oktober 2006 18:01 Uhr. Kategorie Stuff. 36 Antworten.
warum kann da keiner einen baum malen?
(zeichnen)
Ich mag die Bäumchen. Und ich glaube, echte Bäume mußten sie im ersten Semester zeichnen bis zum Erbrechen.
sieht trotzdem teilweise etwas lieblos aus. kannst du mir bitte sagen was die wam ist und wo und in welchem fachgebiet diese jungen menschen studieren?
Die WAM ist meine alte Akademie, ich unterrichte an der Ruhrakademie für Kunst, Design und Medien in Schwerte. Dort unterrichte ich ab dem dritten Semester Konzeption&Layout.
Und davon ausgehend, dass für den gesamten Bogen etwa 20-30 Minuten waren und es bei dem Baum nicht um die «echte» Darstellung eines Baumes ging, verstehe ich die Kritik nicht. Ich mache keinen Zeichenunterricht. Und ich selbst könnte keinen Baum zeichnen, wenn mir Folter angedroht würde.. Ich finde auch, wenn man sich die Bögen durchliest, die Bilder ansieht und dann die Bäume, verraten zumindest einige fastrunwillkürlich (wenn auch etwas platt) ein bisschen von der Persönlichkeit. Ich finde zum Beispiel prima, daß Maren sich für ihre Trauerweide entschuldigt, damit eben bloß kein falscher Verdacht aufkommt. Die Bäume von Chris und Fabian, die ich ja schon etwas kenne, sind 1:1 passend und ich hoffe sehr, dass Judiths Baum nicht ZU passend ist. Guck dir Größe, Position, Art des Baumes, Blätter und Verwurzelungen an.
die frage mit picasso finde ich gut.
dali und picasso sind wohl die favs. aber ich glaube auch an warhol. der hat in new york gelernt wie man sich durchsetzt. also stehen am schluß nur noch kirby und eben warhol.
siebdruck vs. bleistift. und die siebdruck- maschine benötigt mehr kraft! PENG!, mit dem sieb ins gesicht…
ja, der von judith ist ein wenig deprimierend.
Yihaaaa…damit am Ende auch alle immer wissen wer sich wie blamiert hat!
SEBASTIAN KONTZ hats am besten gemacht…kein Foto,keine Identität..niemand weiß wer er wirklich ist…uhhh GEHEIMNISSSSSVOLLLL
Naja ich schau dann mal weiter wie ich mich meistbietend unter die Leute bringe!
Milka
vernada finde ich ne schöne antwort zu frage 26. hat was nihilistisches.
sehr aufschlussreich das ganze …
die filme, die lieblingsschriften … tse, tse, tse und das in dem alter …
aber jetzt hast du sie ja im auge und kannst da etwas nachhelfen ;)
die trauerweite fetzt.
btw. was ist bitte playtime für ein film?
Robert: Playtime ist ein genialer Film von Jaques Tati – sehr zu empfehlen wegen der beißenden Kritik an der franz. Gesellschaft der 80er Jahre. Der Regisseur Tati ließ alles vor den Toren Paris erbauen und er ging danach pleite, weil der Film total floppte. Heute ist es ein Kultfilm…
Mehr… und da…
@Robert: Das mit den Schriften finde ich nach zwei Semestern Typografie auch etwas irritierend. Da ich weiß, dass Gerd Schröder ein guter Dozent ist, frag ich mich, ob da keiner aufgepaßt hat, hmmm?
@Milka: «Öffentliche Blamage» ist ja der geheime Titel des Kurses, «KOnzeption und Layout» ist ja ganz offensichtlich ein Pseudonym. Was soll man sich sonst darunter vorstellen? Sebastians Anonymität ist nicht in seinem Sinne. Wen ich mir nicht richtig merken kann, der hat ein Problem. Wie im echten Leben. Und sag nicht so Sachen mit «meistbringend unter die Leute bringen», ich hab da noch Traumata von Rieke und Sergeij…
Haha! Das Rieke-Trauma… ich lach mich scheckig :D
Sehr schöne Aktion wäre das geworden… der komsiche Typ hat einem echt allen Spaß und den Tag versaut :C
Was Herrn Schröder angeht: Ein Mann der alten Schule!
Er hat vielen Leuten erstmal bewußt gemacht, dass Schrift ihre eigenen Geschichten erzählt und gern viel mehr vermittelt, als sich der User bewußt ist.
Leider fehlt ihm stellenweise die Verbindung zu aktuellen Trends, so dass man weniger das “Hui… dieses kleine Schrifterl ist zur Zeit aber mal sowas von angesagt”, als viel mehr “Pfui… die Font rühren wir jetzt aber nimmer mehr an” mit Bezug zu (oftmals zeitlosen) Klassikern erfährt…
Btw: Konzeption und Layout ist kein Pseudo- sondern ein Synonym für «öffentliche Blamage» ;)
Und das Akronym wäre KuL… was ich wiederum auch cool finde… ok, jetzt wirds schlecht… ich mach mich davon
~Chris
@ robert: playtime ist von und mit jaques tati
mal ganz davon abgesehen gefällt mir die “tricky” lösung mit dem ausrufe- und dem fragezeichen im kopf sehr gut. oder habe ich mich gerade als unwissender geoutet, der irgendwelche design-guru-tricks nicht kennt? aber im ganzen eine echt schöne aktion (habe mich mal kurz selbst getestet, ob man von der handschrift auf das geschlecht und auf die person, also einer vorstellung davon, wie diese person aussehen könnte, schließen kann -> das funktioniert “erschreckend” genau! zumindest beim geschlecht…).
Ich hab grad nach “Baumtest” gegoogled und mich quasi selbstanalysiert..aha aha!
Übrigens gibbet wirklich so Handschriftanalysen…der DANIEL weiß wovon ich spreche…sein Leben basiert glaub ich darauf:P:P(http://www.graphologies.de)
haha … das is ja geil … ich überflieg den ersten fragebogen ohne auf den namen geachtet zu haben und irgendwie hatte ich das gefühl, der könnte doch auch vom dirk sein … fotografieren statt malen, funktion über form, entertainment im kurs usw. und dann sehe ich die ff din bei der kategorie lieblingschrift und da hab ich mir gedacht: sieh doch mal nach oben zum namen und mußte schmunzeln ;)
@Milka haha das stimmt überhaupt gar nicht! der test spuckt einem nur eine kleine analyse aus, die mir sehr gefiel bzw immernoch gefällt! Ein paar charaktereigenschaften stimme ich sogar zu, aber mein leben basiert nicht auf dem test ;P das dumme an manchen seiten ist nur, dass man sein profil komplett ausfüllen darf und die handschriftenanalyse passt immer gut in die kategorie “about me” :)
Auf Graphologie darf man nicht zuviel geben, habe ich ja irgendwo schon mal erzählt :-D.
Den «Baumtest» darf man auch nicht zu ernst nehmen. Ich finde 90% der dieser Pseudo-Charakter-Tests eher sehr fragwürdig. Auch so schreckliuch naiv, oder? Wer keine Blätter an seinen Baum malt, neigt zu Depressionen. WHOA!!!! Das ist so Küchenmagd-Psychologie, das einem die Augen tränen. Wer denkt sich solchen Bullshit eigentlich aus? Es gibt bestimmt auch Schnürsenkel-Analysen oder so etwas.
Zumal da ja schrecklicherweise beim Assessment Center die Idee einer Auslese dahinter steht, eine Art psychologische «Eugenik». Was nicht nur schrecklicher Bullshit ist und angesichts der Qualitäten, die unsere Top-Manager seit Jahren so an den Tag legen opffensichtlich auch nicht wirklich die Besten nach oben bringt…. sondern auch leider viel über immer noch dezent protofaschistoide Denke vieler Unternehmen aussagt, die ihre Mitarbeiter bzw. das Humankapital »selektieren» wollen. Sie stellen keine Menschen ein, sie entwickeln nicht, sie helfen nicht, daß die Arbeit zu einer Charakterbildung führt, sondern versuchen fiktive Pattern auszufüllen. Was regelmäßig und grandios schiefgeht.
Insofern also bitte durchatmen: Ich habe niemanden nach seinem Baum «analysiert» (so viel Zeit habe ich gar nicht), sondern wollte einfach nur lustige Bäume sehen. Und das hat geklappt.
Christoph.. was machst du eigentlich bei Labor B? Im Kernteam auf der Site bist du nicht dabei… Die NAIVE Malerei-Kampagne finde ich übrigens irrsinnig gut, Perfektion.
wobei ich solche fragen wie lieblingsschrift, lieblingsfilm tooootal schwer finde, könnte ich mich nicht entscheiden. bei den bäumen finde ich es erstaunlich das keiner einen weihnachtsbaum gemalt hat, sowas wäre von mir gekommen. ;)
jaques tati. hmm? kenn ich nicht – ich bin raus.
Film/Buch/Band geht bei mir auch gar nicht. Zu viel Auswahl,zu viel Favoriten. Immer Tageslaune. Was ja auch reicht. Vielleicht nehme ich de Liebling mal raus und mache «aktuell» daraus.
Tatis Playtime ist ein grandioser, wahnsinniger FIlm, eine Studie von Form und Anarchie, Architektur und Jazz, einer der seltenen Momente, wo die aufbrechende moderne Kunst der Sechziger, aber auch das Feeling von Beckham, von Coltrane, von Beat wirklich in Film möglich und umsetzbar war, und dennoch niemals albern oder aufgesetzt wirkt, nie ein reiner «Kunstfilm» wird. Ein hyperinszeniertes, perfektionistisches, pulsierendes, lustiges, lebendes, kluges und völlig geisteskrankes Stück Genialität, das Tati fast ruiniert hat, weil er mal eben halb Paris auf einem Flughafen minutiös rekonstruieren ließ. Lief vor Jahren auf Arte in einer rekonstruierten längeren Fassung mit einem atemberaubenden Making of danach. In der SZ-Cinemathek gibt es für läppische 10 Euro eine DVD mit dem Film (übrigens auch mit dem fast ebenso brillanten Brazil), wobei ich bei beiden aber befürchte, dass es NICHT die «extended versions» sind– von Brazil gibt es ja auch zwei Fassungen, eine echte Kinofassung und ein Directors Cut von Terry Gilliam.
Playtime ist DER Film für Designer und Architekten, wie ich finde. Das ganze Ding ist eine Studie über Form und Inhalt, Raster vs. Spontaneität, Funktionalismus vs. Chaos Man braucht ein bißchen um reinzukommen, weil der Film ohne offensichtliche Handlung (obwohl es durchaus mehrere narrative Stränge gibt) und ohne sonderlich Dialog auskommt, fast stummfilmartig reduziert bleibt. Aber wie so oft lohnt sich die Anstrengung.
Angehende Designer, die sich 13 zu 7 für die Form (vs. Funktion) entscheiden ( bei 4 unentschieden) machen mir Angst…
wobei ich die antwort darauf nicht ganz einfach finde. form und funktion passen ja als paar zusammen, und genau deshalb ergeben sie auch sinn – einzeln sind sie immer nur der halbe schuh.
form ohne funktion ist augenhudlerei, funktion ohne form meistens auch nicht sonderlich erfolgreich, da die hauptaufgabe, die kommunikation, dann daran scheitert dass der zuschauer eine seite weiterblättert. insofern finde ich die frage an sich komisch, aber das wollte HD wohl so.
da hätte also jemand – aus meiner sicht – “blöde frage” hinschreiben sollen.
Danke Esther, du sprichst mir aus der Seele. Form ohne Funktion ist Styling und damit die Antithese von Design. Design generiert Form aus Funktion. Die Funktion von Design ist die Funktion dessen, wofür gestaltet wird, nicht Selbstzweck. Selbst bei einem Stylisten wie Carson lässt sich eine funktionable Ebene finden, jedenfalls bis zu einem bestimmten Punkt seiner Karriere.
Thierry, es gibt auch beides getrennt, es gibt Sachen, die eher nur funktional sind, aber in sich ungestaltet, es gibt Sachen, die nur Design sind, aber zweckfrei. Und es gibt diese wunderbaren Sachen, in denen Form und Funktion nahtlos verschmelzen, in denen (gerade im Industriedesignbereich) das Design die Funktion erläutert, nachvollzieht, transparent macht und uns darüber hinaus zugleich eine (kin)ästhetische und visuelle und eventuell sogar akustische Freude in den Alltag bereitet, bei denen spürbar ist, dass mit Liebe gestaltet wurde, die vom Objekt zum OBJEKT werden, die anzufassen und zu benutzen immer und immer wieder eine Freude sind, die nach Jahren zum persönlichen Fetisch werden können. Man vergisst in der alltäglichen Verwendung dann oft sogar, wie grandios diese Gegenstände sind, aber wenn man bewusst daran denkt, wird man fast ohnmächtig vor Freude. Gutes Design ist wie gute Musik ein körperlicher Genuss. Im Printdesign ist so etwas vielleicht seltener, aber durchaus auch immer wieder möglich. Ein Buch, eine Visitenkarte, die genau das ist, was sie sein soll und dich glücklich macht.
brazil ist auch einer meiner lieblinge. ich glaube meine dvd hat ein alternatives ende … bin mir aber nicht sicher. playtime ist jetzt in meinem amazon wunschzettel vermerkt den ich nach und nach abarbeite (…n lasse).
die antwort ob F oder F ist sicher nicht einfach, kommt einfach drauf an um was es geht. im zweifel jedoch immer FFF.
>ein Buch, eine Visitenkarte, die genau das ist, was sie sein soll und dich glücklich macht.
Schon mal ein Buch von Jost Hochuli in der Hand gehabt? ;) da bekomme ich immer wieder dieses Gefühl. Da stimmt das Format, das Papier, die Schrift, die Abbildungen… einfach alles, purer Genuss.
Jepp.
Aber die Liste schöner Printdesigns ist ja recht lang.
Es gibt immer wieder solche Objekte, wie etwa einer meiner ersten Print-Design-Fetische: Die 12″ von Blue Monday, Savilles grandioses 51/4-Zoll-Disketten-Sleeve mit dem Farb-Alphabet-Code. Die perfekte Package.
Die Sachen haben nicht ganz die emotionale Wucht wie vielleicht eine Uhr oder ein Füller, weil sie nicht reine Gebrauchsobjekte sind, aber dennoch. Bücher und CDs sind dem noch am nächsten, weil sie auch In-die-Hand-nehm-Designs sind.
HD: grundsätzlich sehe ich deinen punkt schon – natürlich gibt es produkte, die auf rein funktionaler oder rein formaler genial sind und auch erfolgreich ihren zweck erfüllen. aber was sind das für produkte? wohl solche, die eben nur eine dieser beiden ebenen erfüllen müssen – eine neue vase hat vorallem formale ziele, die funktionalen sind ja grösstenteils klar (wasser muss rein gehen, blumen müssen rein gehen und irgendwie stehen bleiben). na, vielleicht ein schlechtes beispiel. ich dachte bei meiner aussage auch an grafik und weniger an design im generellen.
was du nachher über gut designte objekte sagst, widerlegt für mich deine erste aussage wieder. ein schön designtes produkt, welches auch auf funktionaler ebene voll überzeugt, ist gerade in der täglichen anwendung ein traum.
ein schön designtes produkt, welches auf funktionaler ebene versagt (zitronenpresse von starck) ist halt schön designt und sonst nichts. ich glaube du hast dazu mal kunst gesagt. im alltag ist es auf funktionaler ebene eben ein albtraum.
das gegenteil wären dann wohl strassenschilder, die ja rein funktional sein sollen, ja müssen.
aber das ist wohl eine endlose diskussion… ich verstehe deine position durchaus, sehe aber nicht viele reale beispiele dafür. gerade in der grafik.
Eine Vase ist von der Funktion her kein Wasserbehältnis, sondern ein Dekorationsgegenstand, eine Art Nutzskulptur. Ein Füller ist etwas anderes. Eine Uhr. Eine Hifi-Anlage, ein Blender.
Und nur die Tatsache, dass es so selten gelingt, macht es so wertvoll.
Die Juicy Salif von Starck ist überhaupt gar kein Design. Aber damit sind wir wieder hier:
http://www.hdschellnack.de/?p=1289
Sie ist VIELLEICHT Kunst, sicher aber primär Styling. Kein Design.
In der Grafik hast du reichlich Beispiele, finde ich. Aber es werden weniger, habe ich den Eindruck. Was vielleicht daran liegt, dass 13 von von 24 Designstudenten Form wichtiger finden als Funktion…
Ist auch irre schwer und gelingt mir selbst auch nur in Ausnahmefällen. Der Standard ist eher «Retten, was zu retten ist». Aber man arbeitet immer für den Moment, wo Inhalt und Gestaltung, Kopf und Hand diese nahtlose Einheit werden.
Thierry, ich sehe in der Grafik furchtbar viele Beispiele, die auf Teufel komm raus das Ego des Designers herausstreichen wollen mit ausgefallener (aber unpassender) Schrift- und Farbwahl und und und…
Hauptsache man hat gezeigt, wie originell man ist. Und sehr oft geht das dann auf Kosten der Funktion, was im Grafikdesign vor allem heisst: schlechte Lesbarkeit. Es es ist einfach nervend, etwas anzuschauen, wo einem die «bemühte Originalität» nur so entgegenspringt.
Ich kann zum Beipsiel keine Neon/Sonderfarben mehr sehen! Etwas, was aber zum Beispiel das Museum für Gestaltung in Zürich – von dem du sicher die Plakate kennst – scheinbar zum ungeschriebenen CI erhoben hat.
Im richtigen Kontext angewandt sicher eine schöne Möglichkeit, aber alleine um zu zeigen: übrigens wir haben auch schon den Sonderfarbendruck entdeckt, sind ganz hippe Designer und machen sowieso nur furchtbar trendige Austellungen… waaaah.
Zuviel Styling zuwenig Design.
Esther, wenn es schlecht lesbar ist, ist es eigentlich kein Design mehr. Es sei denn, wie bei Carson beispielsweise, die schlechte Lesbarkeit dient einem Zweck, der in der Publikation ganz bewusst über der Lesbarkeit liegt – bei der RayGun etwa der bewussten Steuerung des zeitlichen Verlaufs von Leseprozessen, einer Art visuellem Cut-Up, der Übernahme MTV-artiger Schnitttechniken in den Printbereich und zugleich die forcierte Verlangsamung (durch die Notwendigkeit zur Dechiffrierung) des Lesens. Bei Ray Gun war Lesen-Können die Mitgliedschaft in einem exklusiven Club :-D.
Oh, und ich liebe grelle Neonfarben trotzdem. Man darf nie vergessen, dass die emotionale Konnotation heute – noch anders als zu Zeiten von Rams und Aicher – einen Wert für sich bedeutet. Ein Design – ob in Print oder Objekt – das dich zum Lachen bringt oder wütend macht, dabei aber nicht zum puren Selbstzweck verkommt, kann durchaus schön sein. Das ist eine schwierige Gratwanderung. Denn schreiben kann ich auch mit einem Ikea-Bleistift. Aber mit einem OMAS ist es ein ganz anderes Gefühl, ein ganz anderes Erleben. Aus der perfekten Form, die ganz unisono mit der Funktion kommt und sich aus dieser ergbt, diese aber zugleich transzendiert (o lala), wird so wiederum eine NEUE Funktion, eine übergelagerte emotionale Funktion. Zuviel davon und wir sind im Styling, in Autoradios mit mehr Plastikknöpfen als Funktion. Zuwenig davon und ein Objekt wird zwar zeitlos, vielleicht aber auch herzlos.
Starcks Juicy ist hier eben ein ganz seltsames Beispiel. Sie hat ihre URSPRÜNGLICHE Funktion nahezu ganz verlassen – Zitronen und Orangen pressen –, aber sie hat sicherlich für viele Besitzer eine neue Funktionalität erreicht: Status, Kunstobjekt, Freude beim Ansehen, Stolz, das Gefühl, vielleicht ein Design-Cognoscenti zu sein. Dito bei NMarc Newson und Konsorten. Diese Verschiebung von Funktion über Form zu einer Metafunktion hast du bei ganz ganz vielen Designobjekten: Schuhe, Autos, Computer. Design wird Kommunikations-Code. WinkWinkNudgeNudge. Die Eingeweihten erkennen sich an ihren Produkten, an ihrem Konsumverhalten. Und ganz ehrlich: das ist doch unsere letzte Funktion: Konsumenten sein. Ich-Definiton qua Konsum aller Art. Das wunderbar schreckliche postmoderne Life-Styling. Design wird so, ganz nebenbei, zum Feigenblatt einer wild gewordenen satten und doch immer neu hungrigen Überproduktionsgesellschaft. Fängt man da an, kritisch drüber nachzudenken, wird man ganz schnell den Job wechseln :-D. Aaaaalso her mit einem dicken Eimer Neonmagenta, bitte.
Kleiner Tipp übrigens: Besucht mal die in den Websites angegebenen Sites,. Die Photos von Milka und die Zeichnungen von Karol sind richtig sehenswert. Milkas Bilder aus Polen, von ihren Nachbarn, sind so oberamtlich, daß ich mich prompt gefragt habe, warum sie ihre Zeit mit Grafik Design vertut :-D. Und Karol könnte sofort im Trickfilm/Animation-Bereich anfangen. Gerade die eher schlicht gehaltenen Zeichnungen, wie Seven Seasons Gray Day, sind in Farbwahl, Komposition usw. aber mal richtig doppelplusgut. Auch wenn ich die Faszination für Eichhörnchen brillant finde. :-D
PS:
http://milka.blogya.de/Milka/page2/ (weiter unten)
http://www.shadowsquirrel.de/gallery_6/gallery_6.htm
Es gibt ein paar neue Fragebögen (zwei Sebastians, Wanda, Daniela), ein paar fehlen noch.
[...] Wie bei jedem neuen Kurs gibt es auch in diesem Semester zu Beginn meiner Kurse wieder Fragebogen mit 40 kurzen Fragen und Photos, die mir helfen, die neuen Gesichter kennenzulernen. Die Photos sind von Debbie Runkel. Die Fragen zum Teil von Chuck Klostermann und Stefanie entlehnt… [...]
2006 schon so lange her
alt wie ein Baum – kalt wie ein Wald – rund wie bunt
Wenn alte Klappern klappsen sie wie wohl beim klappsen klappern
Zeit rennt weiter ohne Ruh und schon geht die Klappe zu
Aus Baum im Park wird Holz im Sarg.
Drum leg ich mich auch hier zu Ruh und mache dieses Posting zu.
*Winke* *Winke*