
Sechs Jahre nach ihrem beeindruckenden Debüt bringt die Ex-Hole und Ex-Smashing-Pumpkins Bassfrau ein neues Album auf den Markt, das mit gleich vier hochkarätigen Produzenten, multimedialem Film- und Comic-Schnickschnack und namhaften Gästen förmlich in klassischer Westküsten-Manier larger than life hätte ausfallen können oder vielleicht sogar müssen. Seltsamerweise, vergisst man die Superlative, merkt man dem Album selbst nichts davon an, ganz im Gegenteil – die Platte wirkt wie eine der besten straighten Rockplatten der letzten Monate. Auf der Maur knüpft scheinbar mühelos an die Energie ihres Erstlings an, greift sogar fast 1:1 den Riff von «Lightning is my Girl» auf und entwickelt sich doch weiter. Nachdem das Album fast unhörbar, mit einer Art unruhigem Herzschlag-Beat bei «The Hunt» eröffnet wird, einer Instrumental-Nummer, die sich in nur drei Minuten in höchste Höhen aufschwingt, zeigt der namensgebende Track des Albums, das MADM den perfekten Shuffle-Pop mit etwas angehärteten Gitarren durchaus noch draufhat. Und so geht das Schlag auf Schlag – «Isis Speaks» zählt zu den besten Tracks des Albums, mit einem glasklaren, nervös die 1 wechselnden Drumbeat, druckvollen Gitarren, halsbrecherischen Ups and Downs, eine sechsminütige Miniaturoper, mit dem ganzen Melodrama, das dazugehört. «Follow the Map» klingt ein wenig nach Kaki Kings Junior-Album – seltsamerweise -, eine entspannte Indie-Nummer mit grandiosem Refrain. «Father’s Grave», das Duett mit Glenn Danzig, klingt großartig nach dem Garagesound à la Jack White, mit einem grandios stampfenden Bass. Und so geht das weiter – jeder Track ist bis ins letzte durchkomponiert, melodramatisch, vertrackt, perfekt gespielt und dennoch nie so sperrig, dass man als Zuhörer keinen Zugang mehr hat. Auf der Maur zieht alle Rock-Register von sanften Tönen bis zu einer fast an Paramore erinnernder Mixtur aus Pop und Metal. AM ehrlichsten darf man wohl sagen, dass MADM im Bereich der Prog-Rocks angekommen ist und hier ein Konzeptalbum rund um – seltsamerweise – die Wikingerwelt vorlegt, dass nicht nur verschiedene Geisteszustände austarieren will, sondern auch das eigene Rockmusik-Genre so prügelt, dass dabei interessante Beulen entstehen. Es ist selten, dass ein Album zugleich an U2, Interpol, Porcupine Tree, White Stripes und viele andere erinnert, ohne auch nur jemals nach einer dieser Bands zu klingen – es scheint vielmehr so, als wären all diese Einflüsse in Ideen, nicht in konkrete Töne eingeflossen. Das Ergebnis ist ein Album, das die Genres Rock und Pop fusioniert und zugleich transzendiert, das hörbar und tanzbar ist, ohne blöd zu sein, das smart ist, ohne klugscheißen zu müssen. Mitunter kippt ihr das Album zu sehr ins Melodrama, zu sehr ins verkopfte und ohne Zweifel gibt es Momente, in denen die Platte auch mal etwas krampfig eklektisch klingen will, und ab und zu wird auch deutlich, dass Auf der Maur eben auch ein bisschen im Westküsten-Hardrock der 90er verhaftet ist (ganz zu schweigen von dem musikalischen Größenwahn eines Billy Corgan, der hier, in anderer Form, durchaus auch greifbar ist) Aber als Comeback nach sechs Jahren ist bemerkenswert, dass dieses Album so vertrackt, so psychedelisch, so straight und alles in allem so gut ist, dass man durchaus begreift, wie hart und verbissen MADM an diesem Projekt gearbeitet hat und wie viel Ideen sie investiert hat. Allein diese monomanische Energie, die jeder Song ausstrahlt, macht «Out of Our Minds» herausragend.
21. September 2010 20:20 Uhr. Kategorie Musik. Tag Alternative, Pop. Keine Antwort.