
Wenn ich heute meine Handschrift lese, wie sie vor zehn oder zwanzig Jahren war, erschrecke ich fast, weil ich mich darin nicht wiederfinde. Zu Studiumszeiten war sie fast brav, gut lesbar, deutlich (obwohl damals schon krakelig) im Verhältnis zu der ans stenographische grenzenden Glyphe von heute. Es ist bald soweit, dass ich in Wartemomenten Notizen und Scribbles mache, die ich hinterher selbst nicht mehr verstehe – eine Art visueller Alzheimer. Noch ist es nicht ganz soweit, aber wenn ich ohne den Kontext zu verstehen auf alte Notizen blicke, ist immer schon etwas Rätseln im Spiel, worum es mir eigentlich ging. Ob das eine Folge der zunehmenden Schreibens am Rechner ist, obwohl ich ja durchaus noch sehr viel von Hand schreibe, oder einfach eine Art Reduktion, Verkürzung, Verknappung – so wie meine Unterschrift über die Jahre immer mehr einen grafischen Charakter gewonnen hat, immer beschleunigter wurde -, keine Ahnung. Aber es ist interessant, wie unstet, wandelbar etwas so persönliches wie die eigene Schrift über die Dekaden ist.



13. Juli 2008 12:08 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.