In keinem seiner bisherigen Filme hat sich mir Christian Bale als bemerkenswerter Darsteller eingeprägt. Nicht in dem unglaublich schlechtem American Psycho, nicht in dem arg lauwarmen Batman Begins und nicht in Equilibrium, der sich insgesamt anfühlte als hätte ein schlechter TV-Regisseur Terry Gilliams Brazil nicht ganz verarbeitet.
In The Machinist aber hat sich Bale von 180 Pfund auf 120 abgespeckt, um kurz darauf für Batman wieder zuzunehmen. Nun ist Gewichtsmodulation allein keine Schauspielkunst, auch wenn dies seit Raging Bull so zu sein scheint (Ugly Stars = Oscars), aber die physisch drastische Geste unterstreicht Bales gekonntes Underacting in einer Rolle, in der zahlreiche andere Darsteller uns wohl einen Woyzeck-für-Arme geliefert hätten. Obwohl das Ende des Filmes deutlich absehbar ist, verleiht Bale der Rolle eine Ernsthaftigkeit und sparsame Verzweiflung, die zu den kalten ausgebleichten Farben des Films paßt. Brad Anderson inszeniert die am Ende so kleine und private Moralgeschichte von Trevor Reznik irgendwo zwischen David Lynch (Bar, Hure, Surrealismus, Liebe zu überstarkem Symbolismus) und Alfred Hitchcock (Musik, unschuldig Verfolgter, Frauenrollen, Paranoia) in einem minimalistischem Kammerspiel, das auf alles Überflüssige verzichtet und in vielen Details doch wunderbar diffus bleibt, der eigenen Exegese Raum läßt. Diese Vieldeutigkeit und das (man darfs ja kaum sagen) Kafkaesk-Paranoide ermöglichem es dem Zuschauer überhaupt erst, sich mit Reznik zu identifizieren. Die Auflösung des Rätsels und die finale Enthüllung, da darf man sich nichts vormachen, enttäuschen, sind zu absehbar – und hier versagt der Film vielleicht, weil die Story einfach durchhängt (ähnlich übrigens wie Memento), aber das machen eine phantastische, liebevoll ins Licht gesetzte Inszenierung voller ungezählter visueller Punchlines wieder wett. Ja, man weiß schnell, wo die Reise hingeht, und man kennt den Zielort irgendwie doch nur zu gut, aber die Details am Wegrand machen den Trip trotzdem spannend.
17. Juli 2005 23:43 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.