
Der französische Pianist und DJ Maxcence Cyrin bringt auf «novö piano» seine beiden Leidenschaften zusammen und interpretiert Pop- und Dancetracks als Klavierstücke. Wie auf dem Debut geht er dabei schmucklos vor, ohne zusätzliche Instrumente oder Schnickschnack – von etwas Hall abgesehen – und präsentiert die Kompositionen von Bands wie Justice, Daft Punk oder MGMT in einer oft kaum wiedererkennbaren Version. Was von Pop übrigbleibt, wenn man ihn in klassisches Minimalgewand kleidet, ist jedoch keine echte klasische Musik – zu einfach, zu banal sind die Harmonien und Arrangements im Pop, zu sehr lebt Dance Musik von Effekten, Klängen und Mehrspuraufnahme. Wo Sakamoto mt Riot in Lagos einen (eigenen) Dancefloor-Klassiker durchaus schlau dekonstruiert und zu einer phantastischen Pianomontage neu zusammensetzt, wirken Cyrins Nummern, ist die erste Freude an der Idee erst einmal abgeklungen, seltsam naiv und unbeleckt, so ein bisschen nach Klavierstunde eines progressiveren Klavierlehrers, der auf Pop statt auf Beethoven setzt. Zumal Cyrin nicht so talentiert ist, eine wirklich hinreissende Interpretation zu liefern – zwar sind seine Arrangements beileibe nicht langweilend, aber wirklich kongenial arbeitet er nicht – mehr als solides Handwerk will da kaum aus den Boxen kommen. Und so ist es durchaus reizvoll, oft sogar wunderbar gelungen, wenn Maxcence sich durch diverse Indiepop-Variationen spielt, wie etwa bei No Cars Go von Arcade Fire, und sozusagen einen durchschnittlichen Discoabend aus dem Jahr 2008 zur Kammermusik verklärt, aber irgendwie wird man den Verdacht nicht los, dass man mit ein wenig Mühe auf Youtube zig ambitionierte Hobbyklimperer finden würde, die genau so gut ihre Lieblingssongs (und Cyrins Auswahl verlässt nie dieses Streichelzooniveau der radiotauglichen Kenn-ich-doch-Tracks) auf dem Wohnzimmerklavier nachzuspielen versuchen, vielleicht nicht ganz so gekonnt, aber das macht die Idee nach dem zweiten dritten Hören kaum weniger banal. War Tori Amos «Smells Like Teen Spirit» noch eine kongeniale, phantastische Umsetzung des Nirvana-Klassikers, wird hier aus «Lithium» insofern ein zahnloser Bettvorleger-Tiger mit Schlaftabletten-Temperament. Und während mir ja denkbar egal ist, was etwa mit einer Beyoncé-Nummer gemacht wird, oder während Daft Punk den klassischen Remix durchaus gut wegpacken, tut nichts mehr weh, als wenn jemand die Wut und Energie aus gutem Rock’n'Roll lässt und es auf Chill-Out-Niveau herabdomestiziert, um im Windschatten größerer Könner in sicheren Hafen zu segeln.
8. Dezember 2010 00:55 Uhr. Kategorie Musik. Tag Pop. Keine Antwort.