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MATCH POINT

Diesen von der Kritik frenetisch gefeierten Film wollte ich eigentlich schon gesehen haben, als er ursprünglich in den Kinos lief… und wozu sind OpenAir-Kinos da, wenn nicht, um genau solche verpaßten Filme nachholen zu können? Also nach etwas Seaside-Strandgeflüster (nach dem Weiter) mit Nina, Bene, Rain, Julia und Annette noch mit den letzteren beiden ins Lichtburg-Open-Air, Kirsten besuchen und eben Match Point gucken. Ideal. Bis auf den Film. Den ich ja unbedingt sehen wollte. Weil Woody Allen. Und angeblich mal wieder ein guter. Angeblich. Wie bei jedem neuen Allen Film. Und ich fall immer wieder drauf rein…
Nur leider versagt der Film an vielen Fronten. Zwar gibt es das gewohnte, vieleicht mittlerweile auch etwas aussagslos/austauschbare, eben typische smarte Woody-Allen-Dialog-Gewitter von Pärchen, Doppelpärchen, Familie, Freunden und Fremdgängern, diese eleganten leeren Mid-Society-Smalltalks, die in London ebenso funktionieren wie in New York, zumal Allen London fast so touristisch-pittoresk inzeniert wie seine geliebte Heimatstadt. Die Norman-Foster-Gurke, die Tate Gallery, oh beautiful London. Und mittendrin die beautiful people. Jonathan Rhys-Meyers als Tennisprofi Chris Wilton, der Chloe Hewett (klasse: Emily Mortimer) für Geld und Karriere heiratet, aber mit der Ex-Gespielin seines Schwagers Tom im Bett landet: die Amerikanerin Nola Rice, die von Scarlett Johansonn als das typische Klischee des Amerikaners in Großbritannien gegeben wird, die sexy Kindfrau, kreativ, sprung- und lebhaft, emotional, laut, und insofern anziehend lebendiger Schmetterling vor der Folie der britischen stiff upper lip society. Der springende Ball, den Chris zu jagen so gewohnt war. Allen ist ein Meister von dieser Art cleverem Boulevard und dennoch fühlt der Film sich durchweg berechenbar an. Die Gesellschaft wird gezeigt, nicht seziert, mehr als Klischees inter der Fassade zeigt Allen nicht, womit er nur eine weitere Fassade präsentiert. Und die Klischees kennen wir aus ungezählten anderen Filmen: Chloe will unbedingt schwanger werden und foltert ihren Mann mit dem permanenten Wunsch nach Sex-zwecks-Kinderzeugung («Das macht doch Spaß!»), wird aber natürlich nie schwanger (erst am Ende des Films), während Nola natürlich sofort beim ersten unverhüteten Sex ein Kind von Chris bekommt. Unerwartet in diesem Flachwasser ist eigentlich nur Wiltons heftige Reaktion, gefangen zwischen dem finanziellen Luxus seiner Ehe und Nola, die ihn mit dem erwarteten Nachwuchs unter Druck setzt. Chris bringt Nola um und kommt am Ende des Films tatsächlich bei der Polizei gegen alle Logik mit seinem eher mau inszenierten Junkie-Einbruch-mit-Mord durch, um final dann doch unglücklich in seiner eigenen Schuld und der nur oberflächlich perfekten, leeren Ehe gefangen zu sein.

Als Moralspiel ist das alles durchweg schwach, nicht zuletzt, weil Rhys-Meyers vom Start weg durchweg unsympathisch ist, die tickende Zeitbombe. Wie Jack Nicholson in Kubricks Shining, ist man nicht wirklich überrascht, wenn er vom Parasiten und Lustmolch schließlich zum Soziopathen mutiert. Daß Johansonns Nola zudem auch noch um einiges unsympathischer ist als quirlige Chloe, macht den Film nicht überzeugender. Allen gibt sich alle Mühe, Chloe Hewett und ihre Familie als Klischee zu inszenieren, flache langweilige Society-Kulturfreunde mit Moorhuhnjagd und Kinderwurfinstinkt… aber das ändert nichts daran, daß Chloe die stets Wärmere der beiden weiblichen Hauptrollen ist und ihr Vater Alec als rundweg netter Mensch überzeugt. Unsympathisch wirkt insofern nur Chris Wilton, der Einheirater und Aufsteiger, der sich an die Freundin seines Schwagers heranmacht und später ihre – ja vernünftigen – Einwände gegen eine Beziehung beiseite wischt und sie erst fallenläßt (bzw. umbringt), als sie seine sichere Existenz bedroht. Der lügende und betrügende Spieler, der mit seinem Va banque sogar durchkommt. (Und bei dem die Schuldgefühle am Ende insofern etwas wenig überzeugend wirken). Durchweg der Stoff für einen guten film noir, aber der will Allen einfach nicht gelingen. Der Anfang schleppt sich unentschieden zwischen Komödie und prét-a-porter-Liebesfilm her, dann gibt es fast schockartig einen Einbruch von (nie wirklich gezeigter und insofern antiseptischer, intellektueller, abstrakter, eben nicht schmerzender) «Gewalt», gefolgt von abstrusen Geistererscheinungen (kleiner Anfall von Shakespeare?) und Polizisten, die so absurd dämlich sind, daß sie nahtlos aus Hitchcocks Frenzy stammen könnten. Der Film plätschert insofern eine ganze Weile lang als amüsant-harmloses Kammerspiel vor sich hin, um dann abrupt ins Dusselige abzurutschen. Gespickt mit Kulturzitaten (Caruso, Dostojewskij, Strindbergh, Design, Architektur, moderne Kunst in fast jeder dritten Szene), vibriert der Film wie der Tennisball am Anfang des Films auf der Netzkante zwischen drei Genres und scheitert an diesem Balanceakt. Was hätte böse sein können, ist altersmilde, was hätte bissig sein können, bleibt Routine, was hätte entlarvend sein können, ist Klischee, was hätte lustig sein können, bleibt Sitcom. Der Film ist als zynisch gefeiert worden, aber bei mir bleibt ein übler moralinsaurer Geschmack zurück, Dostojewskij light – der kleine Karrierist, in seinen Lügen verheddert und ein unschuldiges Opfer fordernd, schließlich in seiner eigenen Veruretilung gefangen. Per se schon kein sonderlich neuer Stoff, hätte man daraus aber doch sicher einen besseren Film schmieden können und sollen als für diese durchweg harmlose bis alberne kleine Landpartie.

Als «Wiedergutmachung» für den langweiligen Film: völlig sinnfreie und schlechte Minicam-Snapshots vom Strand :-D. Urlaubsdias olé.














7. August 2006 12:48 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.

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