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Martina Topley Bird: Quixotic & The Blue God

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Martina Topley Bird kennt man vor allem als Ex-Partnerin von Tricky, die mit ihrer immer einen Hauch müde-lasziver Stimme seinen schleppenden Beats  den rettenden Touch Sex-Appeal verliehen hat. Inzwischen von Tricky getrennt, geht MTB seit 1998 eigene Wege und hat 2003 ihr Solo-Debüt Quixotic veröffentlicht, auf dem u.a. noch ein Duet mit Tricky zu hören ist, der die Platte auch mitproduziert hat und Martina damals beispielsweise auf seinem Back-to-Mine-Album promotete. The Blue God ist nach fast fünf Jahren Pause ihr zweites Album. Eigentlich wollte ich nur kurz das neue Album vorstellen, aber nach mehrfachem Hören wird dann doch klar, dass ich eigentlich mehr zu der alten Scheibe zu sagen hätte, und meine Kritik an The Blue God mehr Sinn macht, wenn man auch über Quixotic redet. Denn Quixotic ist leider das bessere der beide Alben, abwechslungsreich, tief, wunderbar produziert, vom Nina-Simone-artigen Intro über die eher straighten Pop-Nummern über Balladen bis zu Tracks, die in ihrem düsteren Glamour zurückerinnern an Massive Attack. Es gab keinen Zweifel, dass Quixotic als Portfolio-Album gedacht war und die Bandbreite von Topley Bird zeigen sollte,ganz bewusst die verschiedenen Facetten präsentieren wollte, und dabei zugleich eine Ahnung gibt von einer Musikerin, die nach einer Richtung sucht und genau in diesem Moment des Umherschauens und Suchens nach dem eigenen Stil eben am Interessantesten ist. Quixotic ist vom Cover bis zum letzten Song eine ungemein professionelle, aber eben doch trotz einiger sehr bewusst rock-poppig gemachter Songs eine glaubhafte Platte, die wie eine Brücke zwischen ihrer Vergangenheit (Songs wie Lyla klingen noch extrem nach Tricky) mit einer offenen Zukunft. Das Album ist fast sang- und klanglos als kommerzieller Fehlschlag untergegangen.

Fast fünf Jahre später erscheint jetzt mit The Blue God das zweite Album, produziert von DJ Danger Mouse, der spätestens seit Gnarls Barkley und seiner Kooperation mit Beck selbst ein Superstar ist. Martina Topley Bird zeigt sich hier verändert, die Suche nach einem eigenen Stil scheint zumindest vorübergehend zu einem zeitlosen Folkpop geführt zu haben, zu erdiger wirkenden Sounds, der weniger überproduziert klingt als Quixotic, mehr nach echter Band. Relativ schlichte Arrangements um Gitarre, Bass, Drums (und Drummachines) dominieren die Songs, auch wenn der Opener Phoenix und Something to Say noch in eine andere Richtung deutet. April Grove und DaDaDaDa erinnern fast an die ganz frühen Cardigans, Baby Blue klingt nach den Fifties und Sixties, Valentine hat einen schleppenden Südstaaten-Blues. Alles sehr poliert produziert, für die Musik oft vielleicht sogar einen Hauch zu klar, aber nie so kantenlos, dass es seelenlos wird. The Blue God wirkt auf den ersten Blick deutlich konsistenter als Quixotic und präsentiert MTB als Singer-Songwriterin alter Schule, und genau hier liegt das Problem – die Platte klingt ein wenig wie Hunderte von anderen Alben von vergleichbaren Sängerinnen, die zur Gitarre oder schmaler Poprock-Besetzung in kleinen Clubs singen. Der Sprung von MTB zu Heather Nova, so erschreckend das klingen mag, ist nicht mehr sehr weit, ausgehend von dem Podest, das The Blue God darstellt. Es ist vielleicht bezeichnend, dass einer der besten Tracks des Albums, Yesterday, den größten Rückbezug zu den experimentelleren Songs von Quixotic darstellt, mit einem Minimum an Gesang und einer deutlich elektronischeren, verspielten Produktion, die zeigt, was The Blue God hätte sein können. Dem Rest des Albums, so sauber es produziert ist, fehlt oft ein Hauch von Besonderheit – die meisten Stücke wirken irgendwie schon einmal gehört, seltsam übervertraut, zu sehr nach Radiokompatibilität, nach Singleauskopplung, nach Mainstream. So gelingt MTB zwar glaubhaft, aus der flachen atonalen depressiven Triphop-Klangwelt von Tricky zu entfliehen und ihren eigenen Sound zu entwickeln, und das Ergebnis ist eine Showcase-Platte, die nach wie vor die vielen spannenden Seiten dieser Sängerin zeigt – und eben auch eine fröhlichere Upbeat-Seite, die fast naive Songs absolut charmant herausperlt. Aber gegenüber Quixotic wirkt The Blue God zugleich auch oft seltsam glatt, flach, etwas kantenlos, Sonntagmorgenmusik, zu nah dran an Natalie Imbruglia und Co, was der unglaublichen Stimme von MTB nicht wirklich gut steht, ihre seltsame Mischung aus kindlicher Unschuld und Nightclub-Abgebrühtheit ist hier einfach in ein zu glatt kalkuliertes, zu freundliches Korsett eingebettet. So seltsam es klingt, ist das zweite Album ein Rückschritt gegenüber dem ersten. The Blue God ist – für sich selbst genommen – ein wunderbares Album, mit einem seltsamen Mix aus Elektronik, Rock, Soul und Folk, der sicher auch auf der Bühne hervorragend funktioniert. Aber schon das Coverartwork macht klar, wo es hier hingeht – MTB als Popdiva, schillernd und sexy… und das ist ein weiter Schritt weg von der Frau, die verloren, barfüssig vor einem Nicht-Ort steht, den Kopf gesenkt, ikonisch.

Vielleicht ist es nur die frühe Prägung durch die Kollaboration mit Tricky, die diesen Sound für mich so unpassend macht. Quixotic ist das seltsamerweise durchwachsenere, Album, das ungeschliffenere, offenere, mit mehr Höhen und Tiefen durchsetzte Experiment – und insofern in vieler Hinsicht einfach mitreißendere Ergebnis. So oder so, nach fast fünf Jahren Pause ist man einfach absolut dankbar für jedes Lebenszeichen von Martina Topley Bird – und hofft auf das dritte Album.

10. März 2009 09:09 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

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