
Ein Mitdozent an der RA, Andreas Darda, hat letztens mit seinem Kurs zum Thema Infografik gearbeitet – was ich hochspannend fand als Semesterthema. Denn es gibt natürlich großartige Beispiele, wie Design durch Selektion, Verknüpfung, Ordnung und nicht zuletzt auch puren visuellen Overkill Informationen ordnet, zerlegt, neu arrangiert und so nicht nur präsentieren kann, sondern auch die Logik von Informationssystemen per se in Frage stellt. Neben dem beeindruckenden viral die Runde machenden Royksopp-Video Remind Me und den vielen anderen Beispiele für Infosthetik zeigen auch die manischwuseligen Arbeiten von Mark Lombardi, wie spannend Informationscharts sein können.

Das Werk des 2000 etwas rätselhaft gestorbenen, von der FBI überwachten US-Künstlers besteht aus gigantischer Großformate, auf die Bleistift die Ergebnisse langer Recherchen visualisiert sind. In an Weltkarten und U-Bahn-Pläne erinnernder Optik verknüpft Lombardi Großkapital und Mafia, Politik, Religion und Terror zu dichten narrativen Netzwerken, die in ihrer handgemachten, zettelkastigen Optik große Sprengkraft wirken, weniger, weil sie die Verbindungen zwischen verschiedenen Organisationen und ihren Vertretern transparent machen – wie eine Infografik dies ja eigentlich soll – sondern weil sie durch die Übernahme dieses Looks die INtransparenz dieses Systems klar machen, einen Luhmannschen Nebel aus Verbindungen, Klagen, Geschäftsbeziehungen, Abhängigkeiten, der sich zu einem konspirativ anmutenden Wust ballt. Lombardi malt ein Gesellschaftsportrait in Strichen und Zahlen, Buchstaben und Farben, Bilder, die im Grunde niemals fertig sind, nur Momentaufnahmen sein können – und nicht ohne Grund an Flowcharts von Unternehmen erinnern. Lombardi bekämpft seinen gegner mit dessen eigenen Waffen, und stellt dabei gleichzeitig die Sinnlosigkeit des Diagramms als Methode der Aufklärung dar. Aus Bankenskandalen, Betrug, Krieg hat Lombardi komplexe Informations-Spinnennetze gezeichnet, hyperkomplexe Systeme, Konstrukte von Kausalitäten, die keinen Wahrheitsanspruch erheben, hinter deren schlichter Fassade sich aber ganze Thriller verbergen. Lombardis Buch Global Networks gibt einen Einstieg in die verschörungstheorieartigen Konstrukte des Künstlers.
20. Oktober 2007 09:43 Uhr. Kategorie Design. 3 Antworten.
Toller Link zum Thema Infografiken: http://www.visualcomplexity.com
wobei ich mal infografiken gesehen, wo unternehmensprozesse dargestellt wurden, aus USA, die waren comichaft, disneylike völlig bunt, blumig und aufwendig. anscheinend um den betreffenden leute, die es bis dato nicht begriffen haben, es ging wohl primär um kommunikationsverbesserung, bzw, die visualisierung von abläufen, auf diese art und weise besser näher zu bringen, als in abstrakten begriffen wie »effizienz« etc.
habe gerade keinen link parat, aber es waren etablierte arbeiten und absolut anerkannt. und ich wage zu behaupten mit sicherheit auch effektiv und wirksam.
http://pleix.net/films.html
»PLAID ITSU« auch ein sehr feines infografikmusikvideo (was ein wort) ;-)