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MARK HADDON: A SPOT OF BOTHER

Völlig anders als Mark Haddons erstes Buch, widmet sich A spot of bother einer eher durchschnittlichen britischen Familie am Rande des Nervenzusammenbruchs. Das ist ganz wörtlich zu nehmen, den der pensionierte Vater George entdeckt eines Tages einen seltsamen Fleck auf seiner Haut und obwohl sein Arzt ihm versichert, es handele sich nur um ein harmloses Ekzem, ist George überzeugt, dass er am Krebs sterben wird und beginnt, methodisch seinen Selbstmord zu planen. Seinem Geisteszustand ist nicht unbedingt zuträglich, dass sein schwuler Sohn eine Beziehungskrise hat, seine Tochter Katie einen Mann heiratet (oder auch nicht) den sich nicht liebt (oder eben doch) und dass seine Frau ihn mit seinem Ex-Arbeitskollegen David betrügt, wobei er die beiden leider auch noch im eigenen Bett erwischt.

Georges Drift in den milden Wahnsinn, sein Versuch, sich seinen Krebs wegzuschneiden und die natürlich doch stattfindende Hochzeit von Katie und ihrem Freund Ray bilden das Gerüst des Buches, das Haddon ruhig und solide wegerzählt, 399 Seiten lang, die zwar amüsant, aber nur selten tiefgehend sind. Das Buch schafft die ein oder andere schöne Beobachtung, fühlt sich aber ansonsten an wie Nick Hornby light, und das will ja schon was heißen. Von der manischen Energie, die Curious Incident größtenteils verströmte, merkt man in Spot of bother nichts mehr, das Buch nieselt vor sich hin wie britischer Sommerregen und am Ende war eigentlich nichts, außer ein bisschen Trouble in einem Mittelstandshaushalt. Haddon gelingt anhand dieser Familie weder ein Portrait unserer Zeit, noch eine Auseinandersetzung mit Problemen der britischen Mittelschicht schlechthin, es gibt kaum Stellen, in denen der Text mehr ist als einfach nur eine chronologische Berichterstattung mehr oder minder unspannender Erlebnisse. Das alle Figuren im Buch auf ihre Art und Weise gebrochen sind und Georges Kurztrip in den Irrsinn paradoxerweise zum Katalysator all dieser kleinen Alltagskrisen wird, ist gelungen, aber die Resonanz der Figuren und ihrer Probleme, denen man schon tausendmal begegnet ist und mit denen man sich ein wenig langweilt, ist einfach zu gering. Ein Homosexueller mit Bindungsängsten, eine Frau vor der Hochzeit mit Liebeszweifeln, eine Gattin, die nach zig Jahren der monotonen Ehe das Abenteuer sucht – das ist eher der Stoff für laue Fernsehserien, nicht für ein solides Buch. Und so wirkt A Spot of bother wie ein Buch für die alle, die gerne mal mit einem Buch in der Straßenbahn gesehen werden möchten, aber insgeheim eigentlich lieber Sex & The City gucken. Auch, wenn es bei Haddon nicht viel Sex und noch weniger City gibt. Am Ende des Buches habe ich mich dabei erwischt, wie ich die Kapitel nur noch überflogen habe, weil die Geschehnisse so déjà vu waren, dass man sie eigentlich kaum noch konkret zu lesen braucht. Das Buch ist amüsant und kurzweilig genug geschrieben, um dir ganz sicher einen verregneten Nachmittag oder zwei zu verzuckern, aber gemessen an Incident ist es eine erschreckend lahme Nummer.

8. Dezember 2006 10:23 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.

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