
Das Photo ist leider durch Gegenlicht nicht so genial – der Himmel und der helle Rahmen um die Frau sind Reflektionen -… aber: könnt ihr euch vorstellen, wofür dieses Plakat wohl wirbt ???
6. August 2010 13:48 Uhr. Kategorie Stuff. Tag Fail. 20 Antworten.
Bestattungen. Frech, aber gut.
Hängen hier auch in diversen Schaufenstern.
Right. Aber hättest du es auch gewusst, wenn du es nicht weißt?
Ehrlich gesagt, finde ich die Sache weder gut noch frech, sondern nur seltsam. Ist der Typ jetzt tot, oder braucht’s doch nur Viagra? Hat sie ihn totgevögelt? Und brauchen Bestattungen überhaupt Werbung? Bzw: Muss die dann auch so «frech» und platt sein wie die für Autos oder Zigaretten? Plus: wie himmelsweit weg von der ja nun mal wahrscheinlich stets eher älteren Zielgruppe bei Beerdigungen kann man visuell noch sein?
praktisch denken – särge schenken.
als ich das erste mal bei “bestattungen schäfer” vorbeiging habe ich mich den rest des heimweges nicht mehr eingekriegt vor lachen – ein paar meter weiter bei blumen lelgemann hängt auch so ein seltsames plakat im fenster, mir fällt nur gerade nicht ein was da drauf steht.
zu deiner frage: nein, bestattungen benötigen keine werbung (abgesehen vom sargdiscounter) und nein, die sollte bitteschön nicht frech sein. ich denke der vernünftige weg seine haltung/firmenphilosophie in der außenwirkung zu manifestieren sind ganz klar logo/typo, schaufenstergestaltung, einrichtung – mehr braucht es nicht um die notwendigen signale zu setzen.
So würde ich das auch sehen – die beste Werbung ist, so blöde das klingt, persönliches Auftreten und «Mundpropaganda». Eine gute Geschäftsausstattung, solide Homepage, Informationsbroschüre vielleicht – solche Dinge. Aber Werbung im herkömmlichen Sinne – gibt Sachen, da sollte man die Finger von lassen, oder zumindest sehr viel mehr Fingerspitzengefühl entwickeln. Impotenz und Tod ist echt nicht vergleichbar.
https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Polfilter
hilft bei Spiegelungen
An die ansonsten sehr nette s90 passen nur leider keine Filter.
http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/wirb-oder-stirb/
bevor man das oma erna erklärt hat, liegt der tote opa ernst schon bei der konkurrenz im sarg. so ineffektiv kann werbung sein. :)
oder gehts auch hier um eine effektive zielgruppenverjüngung? das stelle ich mir lustig vor auf der bestattermesser in der podiumsdiskussion mit dem thema »wir brauchen mehr tote!«
Haha, sehr gut! Eine ganz neue Deutungsoption für den Begriff des “Humankapitals”.
mir ists wieder eingefallen – die kampagne gegen anonyme bestattungen “mutter wo bist du?!”
http://www.schmedes-blumen-floristik.de/Schmedes/Es_lebe_der_Friedhof_files/POSTER_Mutter%20wo%20bist%20Du_Hochformat_farbig3-1.jpg
Es geht um Bestattungsvorsorge. Eine Thema, das sicher nicht nur Menschen ab 70 interessiert. Wenn man als Hinterbliebener – und das kann man ja auch schon mit 20, 30 oder 40 sein – plötzlich vor Entscheidungen steht, die einen – emotional/mental bis finanziell – durchaus überfordern können, dann wünschte man sich vielleicht, dass der Verstorbene noch zu Lebzeiten sich verbindlich geäußert hätte.
Ein heikles Thema, gewiss. Und gerade, weil es sich um kein hippes Produkt handelt, sollte es doch für einen intelligenten Werber eine besondere Herausforderung sein.
Es war übrigens ein Plakatwettbewerb, der Ende 2008 ausgerufen wurde. Mein Typografiekurs hat auch teilgenommen, leider ohne Erfolg. Allerdings konnte man sehr gut beobachten, wie fremd und unangenehm die Themen Tod, Bestattung und Bestattungsvorsorge einem 20-Jährigen sind.
Hier gibt es die Siegerplakate auf einem Blick:
http://www.butschinsky.de/kw/bestatter.jpg
BTW: so wirbt übrigens ein Berliner Bestatter
http://www.butschinsky.de/kw/bestatterhumor.jpg
>Eine Thema, das sicher nicht nur Menschen ab 70 interessiert.
Ja, aber auch ein Thema, das man nicht mit Impotenzgags und Kloschüsseln verkaufen sollte. Und ich meine das gar nicht im Sinne einer spießigen Pietätsdenke – ich bin ganz und gar für boshafte und kluge Werbung -, aber diese Mischung aus «witzisch» und eben doch borniert ist kaum zu ertragen.
>Typografiekurs hat auch teilgenommen
Auf die Gefahr, mich unbeliebt zu machen: Warum nimmt ein TYPOGRAPHIEkurs an einer eindeutig rein werberischen Sache teil? Werbung und Gestaltung sind ja doch zwei verschiedene DInge? Gab es dann wenigstens rein typographische Lösungen? Und gute Ergebnisse? Nicht mißverstehen: Ich bin gar nicht gegen die Teilnahme von Studenten an realen Wettbewerben, aber ich frage (also im Wortsinne: als offene Frage)mich auch immer, ob es irgendwem irgendwas wirklich bringt. Meine Erfahrungen war da eher «meh».
>Hier gibt es die Siegerplakate auf einem Blick…
Au weia. Da ist nicht eine einzige gute Sache dabei, oder?
>wie fremd und unangenehm die Themen Tod
Insofern ist es natürlich toll, dieses Thema im Unterricht zu behandeln, wenn es auch vielleicht bessere Aufhänger gibt als ein Werbeplakat ;-D. Sich mit dem Tabuthema Tod zu befassen und dieses Tabu – das in unserer Gesellschaft ja immer mehr verfestigt wird – etwas zu lösen, ist ganz wichtig.
Die »rein typografischen Lösungen« – ja, das sind die, die ich mir immer wünsche. – Und selten erhalte. Unter den jungen Studierenden – ich unterrichte das 2. und 3. Semester – ist das Vorurteil weit verbreitet, dass ein Gestaltung, die auf Illustrationen und Fotos verzichtet, a priori weniger spannend sein müsse.
Dass ein Typografieseminar an einen solchen Wettbewerb überhaupt teilnimmt, ist meinem »ganzheitlichen Denken« geschuldet. Neben den bloß gestalterischen Aufgaben verlange ich von den Nachwuchskreativen auch gelegentlich, dass sie sich einen Kopf machen – als Werber, Konzeptioner, Texter.
Sich mit einem bisher unbekannten Thema anfreunden zu müssen, ungewohnte Perspektiven einzunehmen, Widerstände zu überwinden usw, all das halte ich für sehr wertvoll und gewinnbringender, als dass sie das x-te CD-Cover für ihren jeweiligen Lieblingsrapper designen.
Wettbewerbe bringen nach meiner Erfahrung vor allem dann was, wenn die Studierenden ihre Arbeiten persönlich vor der Gruppe dem Auftraggeber vorstellen können/müssen. Dann erhalten sie ein Feedback – und zwar nicht nur von ihrem Dozenten. Das motiviert sie, das macht Spaß, das bedeutet eine gewisse Aufregung. Und das bietet einen Vorgeschmack auf den späteren Berufsalltag. Das war hier – bei dem Bestatter-Plakat – nicht der Fall.
Ein möglicher Preisgewinn (Geld) allein ist für die Studierenden nicht immer Anzreiz genug, sich zu engagieren.
Dass wir bei diesem Wettbewerb so grandios gescheitert sind, ist auch eine Erfahrung. Zwar eine schmerzliche, aber … ich finde es spannender, im Ergebnis offene Aufgaben und reale Projekte anzugehen – und somit auch ein mögliches Scheitern nicht ausschließen zu können –, als ausschließlich die klassischen Gestaltungsaufgaben abarbeiten zu lassen. Auch als Dozent lasse ich mich gern mal – von den Prozessen und den Ergebissen – überraschen.
Vielleicht lag die Latte hier aber auch zu hoch. Das mag sein und das kann man kritisieren. Die Siegerentwürfe deuten ein wenig darauf hin. Ich glaube, sie kamen alle von (kleineren) Agenturen. Und sie überzeugen auch mich nicht.
>meinem »ganzheitlichen Denken« geschuldet
Find ich gut und würde ich auch so unterschreiben, hab ich ja auch selbst so gemacht. Finde allerdings, dass Studenten gerade unterer Semester davon nicht viel haben – zumal die Zeitläufe im Studium so langsam sind, dass man nicht fix genug gute Ergebnisse produziert für reale Wettbewerbe. Am Ende frusten die Studenten und als Dozent hat man sich beim «Auftraggeber» etwas nassgemacht, weil man den eigenen Studenten vielleicht mehr zugetraut hätte, als dann kam. Ansonsten finde ich das mutige und ergebnisoffene aber genau richtig. Lieber einmal Mist bauen als immer auf Nummer sicher, schon richtig so – und selbst Spaß haben gehört ja auch dazu.
>Die Siegerentwürfe deuten ein wenig darauf hin.
Wenn man das als «Entwurf» bezeichnen mag :-D. Typographisch, konzeptionell, handwerklich… das ist schon wirklich schlecht. Was ja gar nichts mit groß oder klein zu tun hat. Ich kenn exzellente Arbeiten von großen Werbeagenturen und ich kenne exzellente Arbeiten von Ein-Man–Designbüros. Größe ist völlig egal, zumal die meisten größeren Agenturen irgendwann nur noch skalieren. Im Kern ist die ideale Größe für ein Projekt irgendwo zwischen 2 und 10 Beteiligten, Büros mit 400 Angestellten haben nur mehr Projekte und haben den Luxus, einen Teil der Mitarbeiter pitchen zu lassen und damit New Business zu akquirieren, während ein anderer Teil halt abarbeitet.
>CD-Cover
Da es keine CDs mehr GIBT, sollte man mit diesem Mist mal aufhören ;-).
Auch eine Möglichkeit als Bestatter aufzutreten:
http://www.red-dot.org/3377.html?&cHash=07d8e768ce3ae2ef57dd65e4ff46c943&coid=2009-01-0185&showpic=4
was ich nicht verstehe ist, warum die junge Frau neben dem Typen so auf dem Bett sitzt, wenn er der Tote sein soll. Das stellt für mich keine normale Reaktion auf den plötzlichen Tot eines geliebten Menschen dar.
Da sie nachdenklich wirkt, könnte der Typ natürlich auch schlafen und sie denkt an einen kürzlich Verstorbenen. Als Motiv für Bestatter ist mir da zu viel Deutungsspielraum drin.
Die Motive mit dem “Finale” sind unterste Schublade und auch der unterschwellige Vorwurf der bei “Du gibst den Löffel ab …” mitschwingt, finde ich am Thema vorbei.
Wenn man Lebende mit dem Thema Vorsorge ansprechen möchte, dann sollte man dies klar und deutlich, mit der notwendigen Ernsthaftigkeit tun. Mit Ernsthaftigkeit meine ich nicht konservativ. Das der Tod plötzlich kommen kann ist keine neue Erkenntnis. Es geht doch letztlich um die Zukunft der Angehörigen und nicht um narzistische Selbstdarstellung im Tode. Auch denke ich, dass die Frage nach Farbe oder Schwarz keine Frage der Mode ist und von Designer beantwortet werden sollte, sondern eine, die durch die Kultur und die Gesellschaft ihre Antwort findet.
So gesehen finde ich die Entwürfe recht mutlos, da sie das Thema mit Blödelei und Hintersinn umgehen, statt sich der schwierigeren Aufgabe, sich den Belangen der Zielgruppe zu widmen, zu stellen.
Das Ding ist doch: Es ist ein Wettbewerb. Und aus eigener Erfahrung bei Pitches und Wettbewerben hat man – da ja auch keine konkrete Gewinnchance angegeben ist, zumal nicht bei offenen Wettbewerben – kein Budget für ein echtes eigenes Shooting. Es ist doch gut denkbar, dass dieses Bild einfach Stock-Material ist, zu dem sich irgendwer eine smarte Headline ausgedacht hat, oder? Das Bild ist eindeutig Impotenz/Beziehungsfrust… und passt keine Sekunde zur tatsächlichen Botschaft.
Dass die Finale-Bilder alle auf «DU bestimmst deinen Abgang» abzielen passt super zur Ich-Gesellschaft, aber nicht zu der wichtigeren Thematik, dass man ab einen gewissen Alter seinem näheren Umfeld klar sagen sollte, was man gerne hätte – oder damit lebt eventuell feuerbestattet zu werden, obwohl man das nicht wollte oder in die Erde gesetzt, obwohl man eben das nicht wollte usw. Und auch das hat ganz wenig mit einem Bestattungsinstitut und kleinen Details zu tun, als vielmehr mit auch recht allgemeinen Übereinkünften und persönlichen Versprechen.
Vor dem Hintergrund der Patientenverfügung ist, ganz nebenbei, die Frage, ob ich in Eiche rustikal oder Buche massiv beerdigt werden will, irgendwie zweitrangig, mir als Totem ist das doch dann bitte egal.
Ich finde, man kann sehr wohl – wie in jeder Branche – auf das eigene Geschäft und die eigenen Kompetenzen hinweisen, aber es sollte eben nicht so flachwitzig passieren. Wenn Werbern nichts einfällt, werden sie witzig (was mal besser, mal schlechter funktioniert) – hier wäre das nicht nötig. Das Problem allerdings ist – aber macht das mal einem Aufttraggeber klar – dass man hier keine «Werbekampagne» mit ein paar Plakaten braucht, sondern eine umfassende Kommunikationskampagne, die ganz anders ansetzt und viel langfristiger und grundsätzlicher sein muss, zugleich globaler und mehr vor Ort.
Ich kenne das inzwischen aus anderen Kontexten: Du weißt mit deinem Team, dass man eigentlich auf 4-6 Jahre planen sollte, Budget gar nicht hoch genug ansetzbar, viel Grassroots, viel Presse, viel Unterwasser, viel Kleinarbeit, viel verborgene Sachen, um langfristig Meinungen und Stimmungen zu ändern. Also PR, oder was Bernays (den ich gerade wieder lese) Propaganda nennen würde. Leider läuft es am Ende eben doch auf die für den Klienten greifbaren Dinge hinaus: Plakate, Website, Postkarten und so weiter… für uns als Designer ja sinnvoll, aber ich glaube, gesellschaftliche Themen kriegst du am besten über Umwege und nicht mit «Werbung» im Sinne von Produktwerbung gepackt. Ganz im Gegenteil: Durch die frontale – und dann fast ausnahmslos schlechte – Werbung vergiftest du das Thema zusätzlich. Im Bereich Bildung und Integration gibt es da auch viele Beispiele.
Mit dem Ansatz der Kommunikationskampagne triffst du ins Schwarze. Diese gezeigten Beispiele haben entweder den Tiefgang von Blondienenwitzen oder sehen nach Eventplanung aus. Zur dauerhaften Meinungsbildung taugt nix davon. Leider zeigt die überwiegende Zahl der Auftraggeber kein echtes Interesse an langfristigen Zielen einer PR-Kampagne. Langfristig bedeutet für die meisten binnen 2 Jahren. Das is armselig aber passt zur schnelllebigen Gesellschaft, in der der momentane Erfolg im Überschwang gefeiert und die Zukunftsprognosen als Spielverderber angesehen werden. Da reihen sich die Entwürfe nahtlos ein. Sie sind für den Moment der Gestaltung interessant, enthüllen in der Prxis dann aber ihre Gedanken- und Wertlosigkeit.
>kein echtes Interesse an langfristigen Zielen
Das kann oft daran liegen, dass bei größeren Organisationen der Projektleiter auf Klientenseite diese Zeit nicht hat – ob Newcomer oder arriviert, im Marketing ist es ein Luxus, zwei Jahre auf Ergebnisse zu warten, wenn Vorgesetzte, Entscheider, Mitglieder, Aktionäre und andere Einflussfaktoren «jetzt» in Ergebnis wollen. Wir leben im Zeitalter der Ungeduld – entsprechend die Hoffnung, mit einer Art Kampagne oder ähnlichen Maßnahme schnell etwas zu ändern… oder zumindest nach innen in den eigenen Laden hinein eben dies zu symbolisieren. Denn es ist selten geworden, dass heute die gleiche Person zwei bis fünf Jahre die gleiche Position innehat und in aller Ruhe Maßnahmen begleiten kann.
Zugleich kann Design (und seine kurzlebigere Schwester Werbung) aber wie fast keine andere Disziplin im Marketingmix durchaus auch eine schnelle Wirkung entfalten. Ob CD-Relaunch, Kampagne oder sogar nur Dinge wie neue Ansätze in der Mediengestaltung – Design fällt sofort auf und strahlt sofort, wenn es gut gemacht ist, einen neuen Impuls aus. Und die Hauptaufgabe guten Designs, Dingen Funktionalität und Schönheit zu geben, also aus dem, was man vorfindet, eine «gestalt» herauszuschälen, hat eine ungeheure unternehmensberaterische Kraft, weil man sehr unmittelbar an der Basis, aber auch am Kopf des Unternehmens zugleich arbeitet und die Entscheidungen sehr sehr durchgreifend werden können. Das bedingt zwar Entscheider, die auch Lust haben und Energie, ebenso wie eine Crew (zumindest partiell), die mit Leidenschaft für Ideen und Werte einer Unternehmung steht und nicht nur an die eigenen Interessen denkt, und es braucht auch noch zur Verfügung stehendes Budget, weil gutes Design in Konzeption und auch in der Produktion eben nicht umsonst funktioneren (auch wenn immer mehr Menschen das zu glauben scheinen) – aber wenn die Parameter stimmen, kannst du unglaublich schnell unfassbar viel verändern und sehr schnelle Erfolge erzielen.
Die müssen intern dann natürlich untermauert sein von klassischen Werten – die Qualität, Angebot/Preise, Service, diese Parameter müssen alle stehen oder deutlich besser werden. Egal welche Maßnahme etwa Bestatter machen, um junge Leute in ihre Institute zu kriegen… wenn es dann da drin muffig ist, der Teppich unschön und das Ambiente altbacken, kann man sich die Druckkosten gleich sparen. Denn dann verspricht man Sachen, die man nicht halten kann – lügt also. Und nichts ist gutem Design fremder als die Lüge, finde ich. Design darf schwärmen und enthusiastisch-begeistert sein, aber nicht einfach unwahr werden (was dann vielleicht DIE Demarkationslinie zur Werbung ist, die solche Probleme nicht hat, sonst würde die Branche nicht funktionieren).
Insofern ist das Problem der Motive oben ja nicht nur, dass sie handwerklich ein Greuel sind, sondern vor allem, dass sie eine Hipness verbreiten wollen, die auch ein ungeschulter Betrachter als aufgesetzt und unecht empfindet. Bestattung – das hat nichts mit Gruselfilmsharewaretypographie in giftgrün und coolen Sprüchen zu tun. Sondern mit Respekt, Begleitung, Dasein, Unterstützung, ganz handfester Hilfe in einer Situation, in der deine Angehörigen vor Trauer beileibe keine Chance haben, vernünftig über Bestattungsdetails nachzudenken. Wer also für Vorsorge werben will, hat ein breites Feld positiver und ehrlicher Stimuli, die er bespielen kann, ob nun mit Humor (der dann schon britisch sein müsste) oder ganz offen und ehrlich und seriös…
Der Unterschied zwischen Werbung und Design – verallgemeinert und insofern auch immer etwas falsch – ist, dass Design aus dem Stein eine Skulptur herausholt, aus den gegebenen Dingen möglichst ganzheitlich denkend eine ideale Lösung zu ermitteln versucht und dabei auch sehr an die Wurzeln des Unternehmens gehen kann, sehr viel mehr macht als am Ende sichtbar ist, dafür aber langfristig funktioniert. Auch wenn Design Kampagnen produziert, die wie Werbung aussehen, stecken oft komplett andere Prozesse und Kommunikationen dahinter, die fast immer vom Auftraggeber, seiner Situation, seinen Kunden, der Zukunft und Vergangenheit her orientiert sind. Werbung hingegen malt, sie übermalt die Realität mit leuchtenderen Farben und produziert austauschbarere Ergebnisse, die oft seltsam resonanzlos wirken, die uns bestenfalls kurz amüsieren oder visuell begeistern, aber selten ihre eigene Botschaft transzendieren. Werbung kommt als Nachgedanke, Design steht (idealerweise) am Anfang. Werbung ist das leicht getarnte Weiter-So, der alte Wein in grellneuem Schlauch, Design ist der Wille, sich zu entwickeln und verbessern, sich selbst in Frage zu stellen, sich selbst zu rechtfertigen – und somit wirklich zu wachsen. Das geht in nahezu jedem Bereich, dessen Tätigkeiten und Produkte ein für die Gesellschaft oder zumindest für das Individuum positives Vorzeichen aufweist, wo es also Argumente gibt. Wo die Argumente fehlen, kommt die Polemik und der Hofnarr und damit eben die Werbung. Schau dir Zigarettenwerbung an, von Politik und dem eigenen Produkt in postmodernes Haha geschoben. Wo man abstruserweise jetzt gerade mt genau dem blöden Produkt einen grandiosen Diskurs über die Form von Zusammenleben fahren könnte. Aber selbst die beste Zigarettenwerbung – ausnahmslos Lucky Strike – sucht keine Kommunikation, sondern bleibt beim kurzen Spruch, bleibt bei der flüchtigen Anmache an der Bar mit irgendwie zu viel Brusthaar, das durch das zu offene Hemd durchkommt. Wo doch jeder weiß, dass das nicht mehr zieht ;-D